Vermarktung

Spitzenverdiener aus dem Jenseits

Auch tot nimmt Michael Jackson immer noch mehr Geld ein als jeder andere Pop-Star

Mit seiner Bekanntheit hat Michael Jackson zeitlebens gehadert. „Ruhm ist wie ein Gefängnis“, soll der scheue Pop-Star einmal gesagt haben. Doch was für ihn bis zu seinem Tod vor fünf Jahren eine persönliche Bürde gewesen sein mag, zahlt sich bis heute für seine Nachlassverwalter und Erben, vor allem aber für seine Plattenfirma Sony/ATV Music aus: Mit dem Namen Michael Jackson lässt sich bestens Geld verdienen.

Das neue Album „Xscape“, das seit vergangenen Freitag in Deutschland offiziell zu haben ist und in den USA am 13. Mai erscheinen wird, ist dafür der beste Beweis. Den Sprung in die Top Ten der iTunes-Charts hat das Werk auf Anhieb geschafft. iTunes von Apple ist der größte Online-Musikhändler der Welt. „Xscape“ ist bereits das zweite postum veröffentlichte Album des „King of Pop“, und es wird nach allen Regeln des Geschäfts auch nicht das letzte gewesen sein. Jackson soll der Nachwelt etliche unveröffentlichte Aufnahmen hinterlassen haben.

Die Rede ist von bis zu zehn Alben, die bis 2017 veröffentlicht werden sollen. Mit einer garantierten Summe von 200 Millionen Dollar (145 Millionen Euro) gilt der Vertrag zwischen Sony und den Jackson-Erben als einer der lukrativsten der Musikgeschichte. Sollte der Plan auch nur annähernd so umfangreich umgesetzt werden, wäre der Künstler in Sachen Albumveröffentlichungen nach dem Tode sogar produktiver als zu Lebzeiten. Denn der als Perfektionist geltende Jackson ließ zwischen seinen Platten in der Regel drei bis vier Jahre verstreichen. So lange wollen die Profiteure der postumen Geschäfte lieber nicht warten.

„Ein Geschäftsgenie“

Die Verkäufe aus den neuen Alben machen allerdings nur einen kleinen Teil der Verwertungskette aus. Zwar hatte der Künstler gut 370 Millionen Dollar Schulden, als er im Juni 2009 im Alter von 50 Jahren an einer Überdosis des Narkosemittels Propofol starb, die Einnahmen aus seinen Werken und die Vermögenswerte, die er zu Lebzeiten angehäuft hat, machen das jedoch mehr als wett. Seit seinem Tod hat der „King of Pop“ geschätzt mehr als 700 Millionen Dollar eingenommen. „Das ist mehr, als jeder andere Solokünstler in dieser Zeit geschafft hat“, schreibt der US-Journalist und Buchautor Zack O’Malley Greenburg in seiner Jackson-Biografie „Michael Jackson Inc“, die pünktlich zum fünften Todestag im Juni erscheint. Jackson sei ein Geschäftsgenie gewesen, und der erste Pop-Star, der seinen Ruhm systematisch zu Geld gemacht habe – von der Kleiderlinie über den eigenen Musikverlag bis hin zu Sneakers und Videospielen.

In der Liste der Top-Verdiener aus dem Showbiz, die das US-Magazin „Forbes“ jährlich erhebt, schlägt Jackson die Toten wie die Lebenden: Angesichts der Jahreseinnahmen von 170 Millionen Dollar wirkt selbst Marketing-Königin Madonna mit ihren 125 Millionen Dollar geradezu bescheiden.

Bereits zu Lebzeiten soll Jackson gut eine 750 Millionen Tonträger verkauft haben. Als er 2009 vor seiner geplanten Comeback-Tour „This is it“ starb, stürmte er postum die Charts: Wenige Tage nach seinem Tod eroberten mehrere seiner Alben die Top Ten. 22 Songs landeten gleichzeitig in den Hitlisten. Ein lukratives Geschäft, besonders für Sony/ATV, das über ein Gemeinschaftsunternehmen mit Jacksons eigenem Musikverlag Mijac Music seit 2012 die Rechte an nahezu all seinen Werken besitzt. Als kluge Investition erwies sich zudem, dass Jackson 1985 die Rechte an fast allen Beatles-Songs für 47,5 Millionen Dollar erwarb. Für US-Buchautor Greenburg war das „der beste Deal aller Zeiten“, der es Jackson später ermöglichte, Anteile am weltgrößten Musikverlag Sony/ATV zu erwerben. Die Musikrechte Jacksons – von denen einige wiederverkauft wurden – seien heute gut zwei Milliarden Dollar wert.

Wie gewaltig die Vermarktungsmaschinerie rund um den „King of Pop“ ist, wird auch deutlich, wenn man die Einkünfte mit denen anderer toter Topverdiener vergleicht. Elvis Presley etwa, von seinen Fans als „König des Rock’n’Roll“ gefeiert, bringt es nur auf Jahreseinnahmen von gut 55 Millionen Dollar. Er gilt mit gut einer Milliarde verkaufter Alben als erfolgreichster Solokünstler aller Zeiten. Die Tantiemen für seine Musik machen bis heute den größten Teil der jährlichen Einnahmen aus. Hinzu kommen Lizenzgebühren für Merchandising-Artikel und Einnahmen aus der Presley-Pilgerstätte Graceland in Memphis im US-Bundesstaat Tennessee, die jährlich gut 600.000 Fans anzieht.

Reggae-Legende Bob Marley erzielt Jahreseinnahmen von 18 Millionen Dollar. Neben Einkünften aus Songrechten und verkauften Platten profitieren seine Erben von Erträgen aus der „Marley Beverage Company“, die Tees und Limonaden vertreibt. Außerdem bringt der Verkauf von Kopfhörern, Lautsprechern und Audio-Systemen der Firma „House of Marley“ kontinuierlich Geld in die Kassen.

Bei anderen Stars fällt der finanzielle Erfolg postum mitunter deutlich kleiner aus als erwartet. Kurt Cobain etwa, der sich als Frontmann von Nirvana vor 20 Jahren das Leben nahm, überholte 2006 sogar Elvis Presley als damals profitabelsten toten Musiker. Das lag jedoch vor allem daran, dass Cobains Witwe Courtney Love in jenem Jahr ein Viertel der geerbten Songrechte verkaufte. Seitdem sind einzelne Nirvana-Stücke immer wieder in US-Fernsehserien wie „Lost“ aufgetaucht, und Jubiläumsausgaben bekannter Nirvana-Alben bringen zusätzliche Einnahmen. Doch nach Aussagen von Ex-Bandmitgliedern gibt es – anders als etwa bei Michael Jackson – keine unveröffentlichten Songs mehr. Und damit deutlich weniger Möglichkeiten, aus dem Nachlass weiteres Kapital zu schlagen.

Ähnliches dürfte auch für die 2011 verstorbene britische Sängerin Amy Winehouse gelten. Zwar verzeichneten ihre beiden zu Lebzeiten aufgelegten Alben nach ihrem Tod einen Verkaufsschub, und auch die Erträge aus einer postum aufgelegten Kompilation konnten sich sehen lassen, doch mit Jahreseinnahmen von gut 1,2 Millionen Euro, die vollständig Hilfsorganisationen zugute kommen sollen, spielt Winehouse längst nicht in einer Liga mit Jackson, Marley oder auch John Lennon – und wird es wohl so schnell auch nicht.