Geschäftskontakte

Günter Wallraff und seine Nähe zu McDonald’s

Der Journalist kooperierte mit Burger-King-Konkurrenten

Es waren widerliche Zustände, die uns Günter Wallraff vor zwei Wochen vorführte, als er einen Reporter in mehrere Filialen des Fastfood-Giganten „Burger King“ einschleuste. Die Bilder der versteckten Kamera in seiner RTL-Sendung „Team Wallraff“ zeigten unter anderem, wie Salate umetikettiert wurden, um ihr wahres Verfallsdatum zu verschleiern. Sie ließen uns mitansehen, wie ein Mitarbeiter beim Reinigen eines Restaurants zwischen Toilette und Küche wechselte. In der Folge des Berichts wurde der Chef der türkisch-russischen Yi-Ko-Holding, die größter Franchisenehmer der Restaurantkette ist, ausgetauscht.

In Talkshows und Interviews erläuterte Wallraff sein Vorgehen. Ein Detail ist der Öffentlichkeit jedoch verborgen geblieben. Wie der „Spiegel“ berichtet, gibt es offenbar seit Jahren Geschäftskontakte zwischen Wallraff und dem schärfsten Burger-King-Rivalen McDonald’s. Wallraff hatte für seinen Bestseller „Ganz unten“ (1985) als Türke Levent Sigirlioğlu bei McDonald’s gearbeitet und von beinahe identischen Arbeitsbedingungen berichtet, wie sie nun Burger King vorgeworfen werden: Hygienische Mängel, Gefahr am Arbeitsplatz, soziale Kälte.

Nach Jahren der juristischen Auseinandersetzung hat der Burger-Marktführer seine Strategie im Umgang mit dem unliebsamen Kritiker offenbar geändert. Wie der „Spiegel“ berichtete, gingen die McDonald’s-Leute 2009 auf Wallraff zu, um ihn für Arbeit im und am Unternehmen zu gewinnen. Es geht um zwei Veranstaltungen, auf denen Wallraff über die Arbeitsbedingungen in der Branche und über „PR und investigativen Journalismus“ referierte. Zudem habe er für ein internes Schulungsvideo ein Statement abgegeben, das Material sei allerdings nicht verwendet worden.

Die Honorare von 3000 und 5000 Euro seien an die Günter-Wallraff-Stiftung und an eine „hilfsbedürftige Person“ weitergegeben worden, hieß es in dem Bericht. Außerdem habe sich „ein Informant“ an ihn gewandt und von Problemen im Konzern berichtet. Wallraff habe die Sache nicht öffentlich gemacht, sondern der McDonald’s-Führung berichtet.

Wallraff äußerte sich ausführlich zum Vorwurf, aus seiner Verbindung zu McDonald’s ergebe sich eine Schonung des Burger-King-Rivalen und vielleicht sogar ein Gefälligkeitsverhältnis zu ihm. Wallraff bestätigte die Vorträge. Er habe sich dabei in seiner grundsätzlichen Kritik an der Fastfood-Unkultur und auch an McDonald’s keine Zurückhaltung auferlegt. „Ich sehe nichts Verwerfliches darin, Honorare an eine wegen ihrer Meinungsäußerung gekündigte Betriebsrätin weitergeleitet zu haben oder für gemeinnützige Stiftungszwecke zu verwenden.“

Auch habe er mehrfach Hilfeersuche von McDonalds-Mitarbeitern weitergegeben, weil der Kontakt zum Unternehmen hergestellt gewesen sei. „Ich konnte aufgrund der ersten dort im Interesse der Betroffenen gefundenen Lösungen darauf hoffen, dass jeweils im möglichen Umfang Abhilfe geschafft wurde.“ Die Beschäftigung mit Burger King sei zudem die Idee von Alexander Römer gewesen, der auch als Reporter in dem Fastfood-Restaurant gearbeitet habe.