Auto

Mission Überflieger

Kinder können die Mobilität von morgen in einer Ausstellung in der Mercedes-Welt entdecken – und selbst gestalten

Die Autos im Jahr 2050 heißen Superflieger, Meereswelle, Batmann oder schlicht Power-Auto und Partylimousine. Sie können Senkrechtstarts in die Luft machen, um den Stau zu überfliegen und sind mit Flügeln, Flossen, Vorhängen, Toiletten und Propellern ausgestattet. Das zumindest sind die Vorstellungen von Viertklässlern der „Grundschule auf dem Tempelhofer Feld“, die am Donnerstag die neue Ausstellung „Mission Zukunft“ in der Mercedes-Welt am Salzufer besucht haben. Ihre Entwürfe landeten sofort in sachkundigen Händen: Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars, war gekommen, um sich ein Bild von der Ausstellung zu machen. Er saß mit den Schülern im Design-Workshop und ließ sich ihre Entwürfe für das Auto der Zukunft erklären. „Die Kinder haben tolle, außergewöhnliche Autos kreiert“, sagt Dieter Zetsche. Da bekomme man richtig Lust, einzusteigen und loszufahren.

Doch dabei gibt es einiges zu beachten. Wiebkes Auto zum Beispiel hat einen Balkon und einen Aufzug. „Es kann nur fliegen, schwimmen und tauchen“, erklärt die Zehnjährige. Der Daimler-Chef blickt einen Moment auf die Zeichnung und sagt dann: „Ja, aber dann könntest du die Autoreifen weglassen!“ Das gehe auf keinen Fall, sagt das Mädchen, denn die seien dafür verantwortlich, dass das Auto besser fliegen kann.

Peters Auto hat eine Solaranlage auf dem Kofferraum und beim Modell von Jorris wurden die Außenspiegel gegen Kameras ausgetauscht. „Damit es keine toten Winkel mehr gibt“, sagt er. Zetsche nickt anerkennend. „Es sind viele Ideen dabei, die sind sofort einsatzfähig“, sagt der Daimler-Chef nach der Sichtung aller Zeichnungen.

In der Ausstellung „Mission Zukunft“ sollen Kinder von sechs bis zwölf Jahren die Mobilität von morgen entdecken. Themen, wie Elektromobilität, Vernetzung, Materialien und der Designprozess von Autos werden an verschiedenen Stationen vertieft. So erfahren die Kinder zum Beispiel, wo schon heute nachwachsende Rohstoffe im Fahrzeugbau zum Einsatz kommen: Holz- und Hanffasern befinden sich im Innenraum einer Autotür, Rizinussamen in der Motorabdeckung und Pappe im Kofferraumboden.

Attraktion der Designstation ist ein Modellauto in Originalgröße – das visionäre Fahrzeug Biome, das im Jahr 2010 anlässlich eines Kongresses in Kalifornien angefertigt wurde. Es ist schwarz-weiß, ohne Ecken und Kanten, aber auch ohne Türen und Innenleben. Allein die Hülle soll die Aufmerksamkeit anziehen. Die Idee bei diesem Typ sei, so Petra Bosse von der Ausstellungsabteilung in Stuttgart, dass in einigen hundert Jahren zwei Samenkapseln an der Autoherstellung beteiligt sind: aus einer kommt das Fahrzeug, aus einer zweiten der Bionektar. Im Fokus sei das Zusammenspiel von Technik und Biologie. Wachsen Autos bald an Bäumen? Brauchen wir noch ein Lenkrad oder steuern wir bald mit Gesten? Denken Autos künftig mit und kommunizieren untereinander? Diesen Fragen geht die Ausstellung in der Mercedes-Welt nach.

Zu jedem Thema werden auch Workshops angeboten: Die Module „Design“ und „Materialien“ richten sich an Erst- bis Viertklässler, die Workshops „E-Mobilität“ und „Materialien“ an Fünft- und Sechstklässler. Angeboten werden die Technik-Workshops von Genius, der Wissenscommunity und Bildungsinitiative von Daimler. Genius will damit Kinder und Jugendliche für Naturwissenschaften und Technik begeistern. In den praxisnahen Workshops bauen die Kinder zum Beispiel ihren eigenen Elektromotor oder erzeugen durch Hüpfen Energie. Diese alternative Art der spielerischen Energiegewinnung lässt Dieter Zetsche bei einem Rundgang durch die Ausstellung zweifeln. „Das ist wohl nicht die wahrscheinlichste Lösung“, sagt der Daimler-Chef. Überzeugen lässt er sich jedoch von dem Spaß, den die Kinder beim Hüpfen haben.

Für Klassenlehrerin Alexandra Böttger ist der Ausstellungsbesuch eine gute Möglichkeit, das Thema der erneuerbaren Energien aus dem Sachkundeunterricht zu vertiefen. Was passiert in Zukunft, wenn die fossilen Brennstoffe zu Ende sind – dieser Frage sind die Kinder gerade im Unterricht nachgegangen. „Das kann man auch am Auto der Zukunft erfahren“, sagt die Klassenlehrerin. Schließlich gehe es bei der weiteren Entwicklung um den Antrieb und die Windschnittigkeit. Sie hat sich für den Design-Workshop entschieden, denn „Mädchen interessieren sich immer für Design“, sagt Alexandra Böttger. Tatsächlich sind die Mädchen bei der Gestaltung der Autos auf dem Papier genauso eifrig wie die Jungs. „Ich habe nur den Eindruck, dass die Autos der Mädchen etwas bunter sind“, sagt Dieter Zetsche. Aber nicht weniger interessant.