Handel

Preisschock beim Frühstück

Kaffee-Bohnen haben sich seit Anfang des Jahres bereits auf das Doppelte verteuert

Das Lieblingsgetränk der Deutschen, der Kaffee, könnte in den kommenden Wochen erneut teurer werden. Grund sind neueste Verwicklungen an den Rohstoffmärkten: Dort ist der Preis für Kaffeebohnen seit Jahresanfang teilweise auf das Doppelte gestiegen. Betroffen ist vor allem die in Deutschland bevorzugte Sorte Arabica, deren Notierungen in weniger als fünf Monaten um bis zu 95 Prozent nach oben geschnellt sind.

Das wird bald die Verbraucher treffen: Deutschlands größter Röster Tchibo hat eine Preiserhöhung zum 19. Mai angekündigt. „Seit Januar haben sich die Preise für hochwertige Rohkaffees an der Börse nahezu verdoppelt. Damit sind sie so hoch wie zuletzt vor zwei Jahren“, heißt es bei der Firma, die nach eigenen Angaben zu 100 Prozent auf Arabica-Bohnen setzt.

Nach Angaben von Tchibo wird die „Preisanpassung“ nach oben im Durchschnitt 0,70 Euro pro Pfund Röstkaffee betragen. Tchibo werde die Kaffeepreise wieder senken, sobald der Rohkaffeepreis dies zulasse. In den Jahren 2012 und 2013 sei dies geschehen. Doch ob und wann der Preis an den Börsen wirklich wieder sinkt, ist unabsehbar.

Doch wann der Kaffee-Preis an den Börsen wieder sinkt, ist aus heutiger Sicht vollkommen unabsehbar. Denn ob die edlen Bohnen teuerer oder billiger werden hängt von vielen, zum Teil unerwarteten Faktoren ab. Rohstoffhändler nennen die ungewöhnlich lange Trockenheit und heftige Regenfälle zur Erntezeit in Brasilien als Hauptgrund für den Preisschub an den Rohstoffmärkten.

Das südamerikanische Land ist das mit Abstand wichtigste Kaffee-Anbauland der Welt. „Am Markt wird mit einem Defizit von sieben Millionen Sack gerechnet“, heißt es in einer Studie der Commerzbank. Vergangenes Jahr lag die Weltproduktion an Kaffee bei 145,8 Millionen Sack. Einen Teil des Defizits kann Brasilien durch Lagerbestände ausgleichen. Allerdings befürchten Rohstoff-Experten, dass die Folgen des Schlechtwetters in Brasilien auch noch die folgenden Ernten beeinträchtigen werden.

Noch vor einem halben Jahr wurde Arabica, der als besonders aromatischer Kaffee gilt, für nur rund gut ein Dollar (ca. 0,80 Euro) je Pfund gehandelt. Zuletzt wurden an den Rohstoffbörsen je Pfund 2,05 Dollar (1,47 Euro) aufgerufen. Handelseinheit ist das amerikanische Pfund, das 454 Gramm misst.

Für Verbraucher ist der Preisschub eine unangenehme Überraschung. In den vergangenen beiden Jahren konnten sie sich über niedrigere Preise bei den Röstern und Sonderangebote des Einzelhandels freuen. Im April 2012 hatte Tchibo zum Beispiel den Preis für das Pfund Kaffee um 0,50 Euro gesenkt, und erst im Oktober vergangenen Jahres ging es noch einmal um weitere 0,50 Euro nach unten. Bei den Discountern gab es das Pfund in Aktionen für 2,49 oder sogar 1,99 Euro.