Einzelhandel

„Wir wollen jedes Jahr billiger werden“

Kunden sollen Ikea-Möbel im Showroom begutachten und online bestellen

Ikea ist unbestritten der größte Möbelhändler der Welt. Die Schweden betreiben rund um den Globus knapp 340 Märkte, beschäftigen über 130.000 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Umsatz von rund 28 Milliarden Euro. Der neue Konzernchef Peter Agnefjäll bleibt dennoch bescheiden. „Wir sind noch immer ein kleines Unternehmen“, sagt der Manager am Rande eines Deutschland-Besuchs im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. Seine Erklärung: „Im vergangenen Jahr haben 700 Millionen Kunden unsere Möbelhäuser besucht. Auf der Welt leben aber sieben Milliarden Menschen. Wir haben also noch viel zu tun.“

Entsprechend ambitioniert sind die Expansionsziele des 43-Jährigen. Auf 50 Milliarden Euro will er den Umsatz bis zum Jahr 2020 steigern, zum einen durch neue Filialen und zum anderen durch neue Services in den bestehenden Niederlassungen. „Wir müssen noch zugänglicher werden.“ Diesem Credo folgend plant Ikea neue Filialen in bereits etablierten Märkten, so in Schweden oder auch in Deutschland, wo jüngst in Lübeck ein neues Haus eröffnet hat.

Darüber hinaus will Agnefjäll neue Länder besetzen, in diesem Jahr etwa Kroatien und Südkorea. Mittelfristig steht Indien weit oben auf der Expansionsliste. Rund die Hälfte des geplanten Wachstums soll von den neuen Filialen kommen, fordert Agnefjäll. Die andere Hälfte will er über das Internet und über die bestehenden Filialen schaffen. Die Möbelhäuser etwa sollen durch zusätzliche Services wie Liefer- und Montagedienste noch attraktiver werden. Zudem plant Agnefjäll kontinuierliche Preissenkungen: „Wir wollen jedes Jahr ein bis zwei Prozent billiger werden.“

Viel Aufmerksamkeit richtet Ikea auf den Online-Handel. In zehn Ländern können die Verbraucher bei Ikea auch online einkaufen, bis Jahresende sollen drei weitere Länder eigene E-Commerce-Plattformen haben. Zwar ist Agnefjäll davon überzeugt, dass die Leute Möbel weiterhin ausprobieren wollen. „Wer ein Sofa kauft, möchte vorher darauf sitzen. Und wer einen Kleiderschrank kauft, möchte vorher ausprobieren, wie sich die Türen öffnen lassen.“ Es sei allerdings eine andere Frage, ob die Kunden ihre Möbel dann auch vor Ort kaufen und direkt mitnehmen wollen.

Das Internet verändere Gewohnheiten, auch bei Möbeln. „Durch die neuen digitalen Möglichkeiten ist etwas passiert bei den Kunden“, bemerkt Agnefjäll. Der Schwede kann sich daher vorstellen, die Möbelhäuser mehr als Showroom zu nutzen. „Es ist denkbar, dass wir künftig kleinere Läden haben, in denen die Leute Möbel ausprobieren und dann noch vor Ort mit ihrem Smartphone bestellen.“ Dazu passt auch die erste Innenstadt-Filiale, die Ikea Ende Juni in der Fußgängerzone von Hamburg-Altona eröffnen wird. Bei entsprechendem Erfolg kann sich Agnefjäll nach diesem Vorbild weitere Innenstadt-Häuser vorstellen. Auf den Mitnahmebereich will er dabei aber nicht verzichten.