Gründerzeit

Zwei-Mann-Betrieb mit 120.000 Kunden

Jürgen Stüber über zwei Gründer, die ihr Hobby zum Beruf machten und eine globale Marktlücke füllen

Die Berlin Tech Meet-ups von Gabriel Matuschka und Florian Hübner fördern immer wieder verborgene Schätze der Berliner Start-up-Szene ans Tageslicht. Zwei solche „Hidden Champions“ sind die Informatiker Marcin Kuzminski und Sebastian Kreutzberger und ihr Produkt RhodeCode. 120.000 Unternehmen weltweit nutzen bereits das Management-Werkzeug des Berliner Zwei-Mann-Unternehmens für den Code von Programmen. Darunter sind Banken, Technologieunternehmen und Regierungsstellen.

Stark vereinfacht ist RhodeCode eine Art Versionsmanager für Computerprogramme, der in Verzeichnissen anzeigt, welcher Entwickler welchen Code verändert, ergänzt oder entfernt hat. Die Plattform erleichtert es Programmierern, kollaborativ an Projekten zu arbeiten.

„Die Idee für RhodeCode entstand um das Jahr 2010 als ein Hobby“, erinnert sich Marcin Kuzminski. Er hatte sein Informatikstudium an einer Privathochschule in der polnischen Hauptstadt Warschau abgeschlossen und arbeitete als Entwickler bei einem Telekommunikationsunternehmen. „Ich brauchte damals ein Werkzeug für die Versionskontrolle von Programmen, um in meinem Team den Überblick behalten zu können“, sagt Kuzminski. Doch ein Programm, das dieses Problem löst, gab es noch nicht. So begann Kuzminski, nach Feierabend und an Wochenenden, eine Software zu entwickeln, die diese Aufgabe erfüllt. Er zog nach Tel Aviv und anschließend nach Berlin. Doch die Idee ließ ihn nicht mehr los.

In Berlin – Kuzminski arbeitete bei der Deutschen Telekom – lernte er seinen späteren Mitgründer Sebastian Kreutzberger kennen und begeisterte ihn für das Projekt. Im Juli 2013 gründeten beide schließlich RhodeCode, um eine Unternehmenslösung für das Programm zu entwickeln.

Das komplette Programm nutzt offenen Quellcode. Das war für Marcin Kuzminski, der sich selbst als „Open Source Evangelist“ bezeichnet, eine Grundsatzentscheidung. So können die IT-Experten der RhodeCode-Kunden sich selbst Einblicke in die Architektur des Programms verschaffen. Es sei so sicher, dass es selbst höchsten Anforderungen des Militärs stand halte. Das Start-up entstand ohne fremdes Kapital, wie der Gründer betont.

Und was rät der erfolgreiche Gründer anderen Start-ups, die diese Entwicklung noch vor sich haben: „Es kommt besonders darauf an, sich auf das Produkt zu fokussieren.“ Als Gründer müsse man fest daran glauben, dass das Produkt anderen beim Lösen von Aufgaben helfe. Man müsse sich im Klaren sein, dass man zum Erreichen dieses Ziels nicht eine Woche, sondern einige Jahre brauche. Ein gutes Produkt finde auch seinen Markt.

RhodeCode hat das geschafft und verdienen mit der Plattform Geld: Bis zu 20 Nutzer dürfen das Programm kostenfrei nutzen. Vom 21. Account an wird es kostenpflichtig.

„Für den Unternehmensnamen suchten wir etwas Wertvolles und so kamen wir auf das seltene Edelmetall Rhodium“, sagt Kuzminski. Dessen Symbol im chemischen Periodensystem wurde zum Firmenlogo.