Technik

Siemens könnte GE-Kaufpläne bei Alstom durchkreuzen

Gespräche über mögliche Zusammenarbeit angeboten

Siemens greift in den Übernahmepoker zwischen dem US-Rivalen General Electric (GE) und dem französischen Konkurrenten Alstom ein. Der Münchner Industriekonzern signalisierte der Alstom-Führung nach eigenen Angaben „Gesprächsbereitschaft über strategische Fragen zukünftiger Zusammenarbeit“. Nach Einschätzung des französischen Wirtschaftsministers Arnaud Montebourg macht es Sinn, um Siemens und Alstom weltweite Spitzenreiter in den Branchen Energie und Transport zu schaffen. Nach Informationen mehrerer Zeitungen schlägt Siemens ein Tauschgeschäft vor: Das deutsche Unternehmen will Geschäfte im Schienenverkehr wie den Bau von ICE-Zügen und Lokomotiven an Alstom abgeben, wenn Siemens im Gegenzug das Energie-Geschäft der Franzosen übernehmen könnte, wie die französische Tageszeitung „Le Figaro“ schrieb. Zudem soll es eine Arbeitsplatzgarantie geben: „Wir verpflichten uns, innerhalb der drei Jahre nach Abschluss des Geschäfts keine Mitarbeiter in Frankreich zu entlassen“, schrieb Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ in einem Brief an den Vorstandsvorsitzenden von Alstom, Patrick Kron.

Das „Handelsblatt“ berichtete, Siemens könne sich zudem auch einen Komplettkauf des französischen Konkurrenten vorstellen. Der Technologiekonzern sei für eine Übernahme finanziell ausreichend gerüstet und bewerte die interessanten Geschäfte auf einen Wert von zehn bis elf Milliarden Euro, schrieb die Zeitung. Es gehe Siemens vor allem um die Kraftwerkssparte, die erneuerbaren Energien und die Energieübertragungstechnik von Alstom.

Als Hintergrund des deutschen Vorstoßes gilt das Interesse des US-Mischkonzerns General Electric an Alstom. Gerüchten zufolge will der Siemens-Rivale den französischen Hersteller von Energie- und Bahntechnik für 13 Milliarden Dollar (9,4 Milliarden Euro) zu großen Teilen schlucken. Weltweit bekannt ist Alstom etwa für den Hochgeschwindigkeitszug TGV. „Es geht darum, in den Branchen Energie und Transport zwei europäische und weltweite Spitzenreiter zu schaffen – den einen rund um Siemens, den anderen rund um Alstom“, so der französische Wirtschaftsminister Montebourg den Siemens-Vorschlag. Der Staat sei auch zu eigenen Investitionen bereit, wenn diese dem Erhalt des Industriestandorts Frankreich dienten.

Ein Siemens-Sprecher wollte die Spekulationen nicht kommentieren. Er verwies auf die offizielle Stellungnahme. Dort heißt es: „Siemens bittet um Verständnis, dass das Unternehmen zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine weiteren Ausführungen in diesem Zusammenhang machen wird.“