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US-Blogger kontert Döpfners Kritik amGoogle-Konzern

Jeff Jarvis nennt Haltung „antikapitalistisch“

Der US-Journalist und Google-Experte Jeff Jarvis hat sich kritisch zum offenen Brief von Mathias Döpfner an Google-Verwaltungsratschef Eric Schmidt geäußert. Jarvis schreibt in seinem Blog buzzmachine.com, der Vorstandsvorsitzende von Axel Springer verhalte sich wie ein schmollendes Kind, das ein anderes Kind für alles verantwortlich mache, was auf seinem Spielplatz nicht funktioniere. Und hinterher weglaufe, um sich hinter dem Rock der Lehrerin zu verstecken. In diesem Fall sei dies die Regierung. Dass Döpfner bekenne, „Angst vor Google“ zu haben, sei „erniedrigend“ und gleiche einer „ökonomischen Selbstkastration“. Im Grunde gehe es Döpfner gar nicht um das Zügeln von Google. Er brauche den Internetkonzern vielmehr als Feindbild. Jarvis verteidigt das Sammeln von Nutzerdaten durch die Suchmaschine. Würden Cookies nach jeder Sitzung gelöscht, wäre das das Ende der zielgerichteten Werbung. Döpfners Ideen seien „leicht antikapitalistisch“.

Kritik an der Monopolstellung

Der Axel-Springer-Chef hatte in dem offenen Brief, der in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ veröffentlicht worden war, vor Googles Allmacht gewarnt. Der Internetkonzern sei im Begriff, sich zu einem digitalen Supra-Staat zu entwickeln. „Wir – und viele andere – sind von Google abhängig“, so Döpfner. „Wir haben Angst vor Google.“ Google-Gründer Larry Page träume „von einem Ort ohne Datenschutzgesetze und ohne demokratische Verantwortung“. Dabei sei es unmöglich, sich auf Augenhöhe zu begegnen, räumte Döpfner ein: „Google braucht uns nicht. Aber wir brauchen Google“. Google solle freiwillig seine Monopolstellung reduzieren.

Die Verlage seien auf Googles Werbevermarktung angewiesen, weil es keine vergleichbare Alternative gebe. Zudem erhalte ein großer Anteil journalistischer Qualitätsmedien seinen Traffic überwiegend via Google, so Döpfner. In nichtjournalistischen Bereichen finde der Kunde fast ausschließlich durch Google zum Anbieter. Google halte etwa 60 Prozent am deutschen Online-Werbemarkt und sei damit ein „super-marktbeherrschendes“ Unternehmen. Springer und andere Verlage streiten auch darüber, ob Google eigene Dienste bei der Darstellung der Suchergebnisse unzulässig bevorzugt. Außerdem ist strittig, ob Google für die Anzeige von Textausschnitten aus den Web-Angeboten der Verlage Gebühren bezahlen muss.