Konjunktur

So wenige Arbeitslose wie vor 1989

Beratungsgesellschaft Ernst & Young rechnet dennoch mit einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage

Der deutsche Arbeitsmarkt steht glänzend da. Seit Jahren geht die Zahl der Arbeitslosen Stück für Stück zurück. In keinem anderen Land Europas haben mehr Langzeitarbeitslose zuletzt einen Job gefunden. In diesem Jahr soll die Arbeitslosenquote sogar auf ein Rekordtief sinken. Dies geht aus einer Konjunkturprognose der Prüf- und Beratungsgesellschaft EY hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegt.

„Im Jahr 2014 wird die Arbeitslosigkeit in Deutschland mit 5,1 Prozent einen historischen Tiefststand erreichen“, heißt es in der Vorhersage. Auf einem so niedrigen Stand war die Arbeitslosigkeit seit der Wiedervereinigung noch nie. Die Zahl der Erwerbstätigen erreicht in diesem Jahr ebenfalls einen Rekordwert: Die Zahl der Beschäftigten steigt demnach um 180.000 auf genau 42 Millionen.

Grund dafür ist die gute wirtschaftliche Lage. Trotz Krise in der Ukraine und Kapitalflucht aus den Schwellenländern „ist die Zuversicht bei den Unternehmen in den vergangenenMonaten deutlich gestiegen“, sagt Georg Graf Waldersee, Vorsitzender der Geschäftsführung im deutschsprachigen Raum. Die deutsche Wirtschaft soll laut EY in diesem und nächsten Jahr jeweils um 1,7 Prozent wachsen. Der private Konsum sei robust. Vor allem aber Exporte und Investitionen trieben das Wachstum. So ziehen die Unternehmensinvestitionen nach einer längeren Schwächephase wieder an. Auch die Ausfuhren sollen in diesem und nächsten Jahr um jeweils rund vier Prozent zulegen. Deutschland als starkes Exportland profitiert von dem wieder erstarkten Wachstum in den USA und Großbritannien.

Aber auch im lange Zeit kriselnden Euro-Raum erholt sich die Konjunktur. Nachdem 2013 noch acht der 18 Euro-Zonen-Länder mit einer schrumpfenden Wirtschaft zurecht kommen mussten, werden es in diesem Jahr nur noch drei sein: Griechenland, Slowenien und Zypern. Im kommenden Jahr werde dann nur noch auf Zypern die Wirtschaftsleistung zurückgehen. Der Inselstaat muss nach einer Beinahe-Pleite die EU im vergangenen Jahr um Hilfe ersucht und muss seine gesamte Wirtschaft neu aufstellen.

„Die Wirtschaft der Euro-Zone hat das Schlimmste hinter sich und befindet sich inzwischen wieder auf einem Wachstumspfad“, sagt Graf Waldersee. Die Krise in der Ukraine dürfte die gute Stimmung in den Chefetagen zwar etwas dämpfen, aber die Konjunkturerholung nicht grundlegend gefährden.

Deutschland bleibe die am stärksten wachsende unter den großen Volkswirtschaften in Europa. Allerdings ist Ernst & Young insgesamt etwas pessimistischer als etwa das Bundeswirtschaftsministerium. Die Beamten von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) gehen von einem Wachstum von 1,8 Prozent in diesem und zwei Prozent im kommenden Jahr aus. Auch rechnen sie mit einer leicht günstigeren Beschäftigungs-Entwicklung.

Die Forscher sehen dagegen eine Trendwende: Bis 2017 soll die Zahl der Arbeitslosen wieder leicht steigen. Vor allem bei der weiteren Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sind die Experten von EY kritisch. Die Arbeitslosenrate werde – gemessen nach Definition der Internationalen Arbeitsorganisation ILO – in den kommenden zwei Jahren von 5,1 auf 5,4 Prozent steigen. Ein Grund dafür sei die Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro die Stunde, der im Niedriglohnbereich zu Arbeitsplatzverlusten führen werde.