Unternehmen

Schuhkette Görtz an Investor verkauft

Münchner Gesellschaft Afinum steigt beim Familienunternehmen ein. Onlinehandel soll ausgebaut werden

Der Schuhhändler Görtz ist an den Münchner Finanzinvestor Afinum verkauft. „Der Vertrag ist unterschrieben“, sagte eine mit dem Verkauf von Görtz vertraute Person. Die bundesweit mit 170 Läden vertretene Schuhkette war wegen Missmagements in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Die Familieneigentümer suchen seit rund einem Jahr nach einem Käufer oder Investor. Schärfster Mitwerber für Afinum war zuletzt die Branchenfirma Reno, die unter HR Group firmiert und nun aber nicht zum Zug gekommen ist. Reno wollte bis zu 75 Prozent der Anteile kaufen und die Marke Görtz weiterführen.

Nach den Informationen wird die Finanzgesellschaft Afinum zwar die Mehrheit der Stimmen übernehmen, die Kapitalmehrheit bleibt aber in den Händen der Brüder Ludwig, Friedrich und Thomas Görtz. Afinum soll jedoch bereit sein, Kapital für die Modernisierung der Filialen sowie den Ausbau des Onlinehandels bereitzustellen.

In besten Zeiten betrieb Görtz 240 Filialen, rund 80 Schuhläden wurden in den vergangenen Jahren geschlossen. Ob es weitere Schließungen geben wird, ist noch nicht absehbar. Die Geschäftsführung von Görtz soll in der Firma bleiben. Erwartet wird jedoch, dass Afinum ein „aktives Management“ betreiben wird, sich also direkt an der Arbeit der Firmenleitung beteiligen wird. Der Name und die Marke Görtz sollen erhalten bleiben.

Der Hamburger Schuhhändler Görtz wurde bereits im Jahr 1875 gegründet. Ins Straucheln geraten war die Firma durch das Auslandsgeschäft in der Schweiz mit der Gesellschaft Pasito-Fricker und zuletzt 58 Filialen. Diese Läden mussten wieder abgegeben werden. Wesentlich verhängnisvoller war jedoch das Versäumnis des Görtz-Managements, nicht rechtzeitig den Onlinehandel aufzubauen und in einen Onlineshop zu investieren. Als erste Schritte der Sanierung wurden bereits Arbeitsplätze abgebaut. Derzeit beschäftigt das Unternehmen noch rund 3200 Mitarbeiter. Zudem wurden einige Filialen der Ladenkette Görtz 17 geschlossen.

2013 wieder schwarze Zahlen

„Die Geschäftsführung hat im vergangen Jahr die richtigen Weichen gestellt“, sagte Familiengesellschafter und Verwaltungsratschef Ludwig Görtz. Diese Einschätzung wird auch von dem Investor geteilt. Das Unternehmen schrieb 2013 operativ wieder schwarze Zahlen. Zuvor gab es zwei Verlustjahre. Als Umsatz für 2013 werden 365 Millionen Euro ausgewiesen. Im 1. Quartal 2014 sei Görtz doppelt so stark gewachsen wie der Markt mit einem „guten zweistelligen“ Wachstum, sagte ein Firmensprecher.

Afinum gehört den Gründern Thomas Bühler und Gernot Eisinger. Auf der Internetseite wirbt die Gesellschaft damit, sich an „gesunden, erfolgreichen Unternehmen des Mittelstands“ zu beteiligen. Zuletzt hat sich der Finanzinvestor bei dem Möbelhersteller Thonet eingekauft. Ebenso gehören zu Afinum der Hersteller von Kreissägen Altendorf sowie die Computerfirma Caseking.

Die Investoren wollen nach eigenem Bekunden Görtz dabei unterstützen, die „strategische Neuausrichtung erfolgreich zu einem Abschluss zu bringen“. Nicht untypisch für das Vorgehen des Finanzinvestors wäre es, wenn Afinum die Firma Görtz nach etwa fünf Jahren erneut zum Verkauf anbieten würde. Möglich wäre dann ein Verkauf an einen Wettbewerber aus der Branche, der den sanierten Schuhhändler als weitere Marke betreiben möchte.