Verbraucher

Strompreis soll bis 2017 stabil bleiben

Bundeswirtschaftsminister will Umlage für Ökostrom konstant halten. 500 Firmen verlieren Rabatt

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will den Strompreis mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) bis 2017 auf heutigem Niveau halten. „Wir wissen, dass wir bis 2017 eine gute Chance haben, den Strompreis stabil zu halten“, sagte er in der ARD. Aus einer Berechnung seines Ministeriums geht hervor, dass die EEG-Umlage 2017 etwa so hoch sein könnte wie heute: 6,24 Cent je Kilowattstunde. Bis 2020 könnten es 7,1 Cent werden.

Weil das EEG-Konto derzeit mit 1,78 Milliarden Euro im Plus ist, könnte die Umlage für nächstes Jahr sogar sinken. Erklärtes Ziel der Reform mit Förderkürzungen und Ausbaubegrenzungen ist es, einen ebenso rasanten Anstieg der Strompreise wie in den vergangenen Jahren zu vermeiden.

Betreiber von Wind-, Solar- und Biogasanlagen erhalten auf 20 Jahre garantierte Vergütungen für den ins Netz eingespeisten Strom. Die Kosten – abzüglich der für den Strom erzielten Einnahmen – werden auf die Strompreise umgelegt. Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden zahlt derzeit netto knapp 220 Euro Umlage im Jahr.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) rechnet allerdings damit, dass die Umlage deutlich steigen wird. Grund dafür sei die „Flucht in die Eigenversorgung“, die immer mehr Unternehmen und Privathaushalte angetreten hätten. Für den selbst erzeugten Strom zahlten die Anlagenbetreiber unter anderem weder Steuern noch EEG-Umlage oder Netzentgelte, sagte BDEW-Chefin Hildegard Müller auf der Hannover Messe. „In der Folge müssen diese Abgaben und Umlagen nach den jetzigen Regelungen auf immer weniger Zahler umgelegt werden.“

Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln sowie das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität Köln ermittelten, dass der Anteil selbst erzeugten Stroms zwischen 2008 und 2012 um 26 Prozent zugenommen hat. Die erzeugte Menge von 56,7 Terawattstunden steht bereits für zehn Prozent des gesamten deutschen Bruttostromverbrauchs.

An diesem Dienstag soll das Kabinett Gabriels Gesetzentwurf zur EEG-Reform beschließen – womöglich noch ohne das Ausmaß der Industrie-Rabatte bei der Ökostrom-Förderung. Die EU-Kommission hatte ein Beihilfeverfahren wegen des Rabattvolumens von derzeit 5,1 Milliarden Euro eingeleitet. 2100 Firmen sind begünstigt, 500 von ihnen sollen Gabriel zufolge keine Rabatte mehr bekommen. Das Rabattvolumen hat Folgen für den Strompreis. Von den 220 Euro Umlage im Jahr für einen Durchschnittshaushalt machen die Industrie-Rabatte derzeit rund 45 Euro aus.

Derweil will die Industrie Fahrern von Elektroautos bis 2017 ermöglichen, bundesweit an rund 400 Ladesäulen in weniger als einer halben Stunde vollzutanken. Am Projekt Schnellladenetz für Achsen und Metropolen (Slam) sind unter anderen die Autohersteller BMW, Daimler, Porsche, der Energieversorger EnBW Vertrieb und die Technische Hochschule Aachen beteiligt. Bis September 2014 sollen mindestens 20 Säulen einsatzbereit sein.