Fluggesellschaften

Etihad sieht sich bei Air Berlin am Ziel

Fluggesellschaft aus Abu Dhabi hält alle Vorstellungen für erfüllt. Neuer Plan für Abschied von Börse

Air-Berlin-Großaktionär Etihad baut die Allianz mit Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft aus. „Alle unsere Vorstellungen wurden erfüllt, und wir sind in der Endphase der Verhandlungen für die nächste Stufe unserer Partnerschaft“, sagte Etihad-Chef James Hogan auf einer Branchenkonferenz in Abu Dhabi, ohne konkreter zu werden. Von einem Insider verlautete zuletzt, dass die Fluggesellschaft vom Persischen Golf erwägt, ihren Anteil von knapp 29,21 Prozent an der verlustträchtigen Fluggesellschaft auf 49,9 Prozent aufzustocken. Das Unternehmen ist an der Börse zurzeit 222 Millionen Euro wert.

Die staatliche Fluglinie hält Air Berlin derzeit mit Geldspritzen – bisher eine halbe Milliarde Euro – und Sachleistungen wie neuen Flugzeugsitzen über Wasser. 2012 hatte Etihad das Bonusprogramm von Air Berlin übernommen und so Geld ins Unternehmen gesteckt.

Air Berlin hatte wegen der Suche nach frischem Geld und einer neuen Strategie kürzlich die Veröffentlichung der Bilanz auf Ende April verschoben. Insidern zufolge waren die Pläne von Etihad, Air Berlin von der Börse zu nehmen und danach radikal umzubauen, juristisch nicht wasserdicht. Die arabische Fluglinie muss bei Air Berlin wegen gesetzlicher Hürden vorsichtig vorgehen. Unternehmen, die außerhalb der EU sitzen, dürfen nicht die Mehrheit an einer europäischen Fluggesellschaft erwerben, sonst gehen die Anflugrechte verloren. Besonders daran ist Etihad aber interessiert. Zudem hatte die EU-Kommission Ende voriger Woche angekündigt, den Einfluss von Etihad auf die Berliner genau untersuchen zu wollen.

Offenbar hat Air Berlin jetzt einen Plan ausgearbeitet, mit dem die Mehrheit an dem Unternehmen weiterhin in europäischer Hand bleibt. Zudem sei ein neues Modell für den Rückzug von der Börse entworfen worden, berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf das Unternehmensumfeld. Demnach soll eine GmbH als Obergesellschaft für die außenstehenden Aktien der im Kleinwerteindex SDax gelisteten Fluglinie bieten. Das Geld für die Aktienofferte soll dagegen von den Untergesellschaften der Airline kommen, die sich über Bankkredite finanzieren. Allerdings habe Etihad noch nicht zugestimmt, hieß es. Air Berlin war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die neue Air Berlin GmbH soll dem Bericht zufolge von Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold, dem Elektrounternehmer Severin Schulte und dem Luftfahrt-Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl gehalten werden. Hunold hält derzeit noch 1,95 Prozent der Air-Berlin-Aktien, Schulte 1,71 Prozent. Wöhrl ist in die Vorbereitungen nicht eingeweiht. „Es gab bisher kein einziges Gespräch, ja noch nicht einmal eine Kontaktaufnahme seitens Air Berlin oder eines der Gesellschafter“, sagte er. Er wäre aber mit seinem Unternehmen Intro-Aviation „immer zu Gesprächen bereit“. Wöhrl ist bei Air Berlin ein alter Bekannter: 2006 verkaufte er die Fluglinie dba an Air-Berlin-Gründer Hunold.

Die finanzielle Situation von Air Berlin ist angespannt: Nach einer übereilten Expansion steht die Fluglinie mit 800 Millionen Euro in der Kreide und schrieb in den vergangenen fünf Jahren nur ein Mal Gewinn. Die Europa-Pläne von Etihad enden nicht in Deutschland. Die Araber verhandeln über einen Einstieg bei der kriselnden italienischen Fluggesellschaft Alitalia. Als Investitionssumme werden 350 Millionen Dollar genannt. Etihad will offenbar im nächsten Schritt Air Berlin mit Alitalia zusammenlegen.