Mängel

Rückrufskandal bei General Motors

Fast fünf Millionen Autos müssen in die Werkstätten. Opels Sportwagen betroffen

Dem Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) stehen schwere Zeiten bevor: Der einstmals größte Automobilkonzern der Welt weitete am Wochenende seine Rückrufaktion massiv aus. Dem US-Unternehmen droht damit eine Klagewelle und ein enormer Vertrauensverlust. GM beorderte nochmals rund 1,6 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten zurück. Hintergrund sind unter anderem erneut defekte Zündschlösser. Darüber hinaus könnte es wegen möglicher Mängel an einer Getriebekühlerleitung zu Bränden kommen, begründete das Unternehmen den Schritt. Außerdem könnten Achsbrüche nicht ausgeschlossen werden.

Betroffen sind Autos verschiedener Modellreihen. Erst im Februar hatte der in Detroit ansässige Konzern 1,6 Millionen Fahrzeuge wegen fehlerhafter Zündungen aus dem Verkehr gezogen. Auch wegen Airbag-Problemen hatte GM im März Autos zurückgerufen. Seit Jahresbeginn waren etwa 4,8 Millionen Pkw von den Aktionen betroffen. „In Sicherheitsfragen gehen wir kein Risiko ein“, sagte Konzernchefin Mary Barra. „Vorsichtshalber rufen wir deshalb auch die restlichen Modelljahre zurück.“

Die Rüsselsheimer Tochter Opel ist von den Problemen ebenfalls betroffen – wenn auch nicht in der Größenordnung wie die US-Marken des Konzerns. Wegen defekter Zündschlösser müssen allerdings mehr Autos der Modellreihe Opel GT in die Werkstätten. 7400 Sportwagen aus den Baujahren 2007-2010 müssten zum Check, erklärte ein Opel-Sprecher am Sonntag. Andere Opel-Modelle seien nicht betroffen.

Am Dienstag und Mittwoch muss sich GM-Chefin Barra vor dem US-Kongress verantworten. Dabei geht es um die Frage, was und seit wann sie von den Defekten an den Zündungen gewusst hat. GM-Ingenieure hatten schon vor 13 Jahren fehlerhafte Zündungen registriert. Seitdem sind bei dadurch verursachten Unfällen GM zufolge 13 Menschen ums Leben gekommen. Verbraucherschützer gehen von mehr als 300 Todesopfern aus. Bei den Autos kann die Zündung auch bei hohem Tempo unvermittelt in einen Modus springen, bei dem sich Motor und elektrische Systeme abschalten. Auch die Airbags funktionieren dann nicht mehr.

Die Ausweitung des Rückrufs folgt auf einen Reuters-Bericht, wonach immer noch Zündungssysteme der Firma Delphi Automotive mit derselben Teilenummer zu kaufen sind, wie sie in anderen zurückgerufenen Fahrzeugen verwendet wurden. GM hatte zwar nach 2007 die mangelhaften Zubehörteile umgeändert. Ihre Nummer blieb aber dieselbe, sodass es zu Verwechslungen kam.

Nach Toyota könnten Sicherheitsmängel bei seinen Autos auch GM teuer zu stehen kommen. In Kalifornien verklagte eine Frau den Konzern nach Angaben ihres Anwalts auf mindestens 350 Millionen Dollar Schadenersatz. Sie wirft der Opel-Mutter vor, von den Problemen bereits 2001 gewusst zu haben und trotzdem noch Jahre danach Fahrzeuge mit dem Defekt hergestellt und vermarktet zu haben. Selbst nach der Insolvenz im Juli 2009 habe der Autohersteller diese Praxis beibehalten. Daher könne er auch haftbar gemacht werden, sagte der Anwalt. Zudem erwägen Familienangehörige von zwei Todesopfern laut ihren Rechtsvertretern eine bereits vor Jahren getroffene Einigung mit GM anzufechten. Neben der Zivilklage ermitteln auch die Behörden gegen GM.

Als Vorbild für eine Einigung mit den Ermittlern könnte ein Vergleich dienen, den Toyota vor Kurzem geschlossen hat. Die Japaner verpflichten sich darin dazu, 1,2 Milliarden Dollar Strafe zu zahlen – so viel wie noch kein Autohersteller zuvor. Sie räumen zugleich ein, Kunden in den Vereinigten Staaten bei Mängeln getäuscht zu haben. General Motors hatte vor knapp zwei Wochen mitgeteilt, das Image-Debakel durch den Rückruf mit lückenloser Aufklärung und einem neuen Sicherheitschef in den Griff bekommen zu wollen.