Pharmakonzern

In den Genen stecken Milliarden

Wie der Pharmakonzern Bayer HealthCare in Berlin junge Biotechunternehmen an sich bindet

Der Pharmakonzern Bayer baut in Berlin sein Engagement für junge Biotechunternehmen aus, um seinen Krebsmedizin-Standort weiter zu stärken. Im Mai soll auf dem Konzerngelände von Bayer HealthCare in Wedding ein sogenannter CoLaborator eröffnen, der innovativen Unternehmen Labor- und Büroflächen zur Verfügung stellt. Zudem soll das Programm Grants4Apps, das Software-Entwicklungen fördert, verlängert werden. Bayers Gesundheitssparte hat in Berlin die Krebsmedizin-Sparte konzentriert. Mehr als 4800 Mitarbeiter beschäftigt der Konzern in der Hauptstadt, mehr als 2000 davon arbeiten in der Forschung. Das von Berlin aus gesteuerte Umsatzvolumen beläuft sich auf rund zehn Milliarden Euro.

Mit dem CoLaborator hofft Bayer, vielversprechende Jungunternehmen frühzeitig an sich zu binden, ohne ein allzu hohes finanzielles Risiko eingehen zu müssen. Manager großer Pharmakonzerne werfen seit längerem ein Auge auf junge aufstrebende Unternehmen, die in der Forschung und Entwicklung von Krebsmedikamenten aktiv sind.

Weil die Entwicklung von neuen Präparaten gerade in der Krebsmedizin langwierig und risikoreich ist, fahren große Konzerne wie Bayer bislang eine zweigleisige Strategie. Zum einen arbeiten sie selbst an neuen Wirkstoffen, zum anderen kaufen sie Biotechunternehmen, die sich auf die Suche nach neuen Behandlungswegen spezialisiert haben. Die Übernahmen solcher Firmen gelten als attraktiv, weil sie helfen, Forschungsausgaben zu senken. Gleichzeitig versprechen Krebsmedikamente und neue Therapieansätze lukrative Erlöse, weil durch die Alterung der Bevölkerung die Zahl der Krebserkrankungen steigt.

Für biotechnologisch entwickelte Mittel können hohe Preise verlangt werden – für einige Medikamente 10.000 Dollar pro Monat oder mehr. Im Jahr 2012 wurden weltweit 84 Milliarden Dollar mit Krebsmedikamenten umgesetzt. Der Umsatz mit ihnen soll mit acht Prozent pro Jahr schneller wachsen als der mit Präparaten für alle anderen Krankheiten und bis 2018 zum größten Markt der Branche werden.

Das hat die Preise für Firmenübernahmen zuletzt enorm in die Höhe getrieben. Bayer zahlte im Februar mehr als 2,1 Milliarden Euro, um sich den norwegischen Krebsmittelspezialisten Algeta zu sichern, mit dem der Konzern bei der Krebsarznei Xofigo zusammenarbeitet. Dem Medikament wird ein Umsatzpotenzial von mehr als einer Milliarde Euro im Jahr zugetraut. In der Branche werden solche Arzneien Blockbuster genannt. Davon gibt es immer weniger.

Bei Bayers CoLaborator handelt es sich um ein Inkubator-Modell für Biotech Start-ups, das bereits vor zwei Jahren in San Francisco (Mission Bay) seine Arbeit aufgenommen hat. Im dortigen Forschungsgebäude ist eine Etage für Fremdfirmen reserviert, und fünf junge Unternehmen haben sich bereits eingemietet. Nachdem das Modell in Mission Bay auf große Resonanz stieß, ist es auf den Standort Berlin übertragen worden. Auch hier bietet Bayer HealthCare nun Labor- und Büroflächen für bis zu neun junge und innovative Fremdfirmen an und unterstützt sie damit bei der Errichtung ihrer Forschungslabore.

Grants4Apps handelt es sich um eine offene Initiative, die für einen Kulturwandel des 150 Jahre alten Pharmaunternehmens stehe. „Wir beginnen in Berlin unsere Reise hin zu einer offenen Innovation“, sagte eine Vertreterin der Initiative. Fünf innovative Entwickler, Studenten oder Forschergruppen erhalten im Rahmen des Accelerator-Programms jeweils 50.000 Euro Startkapital, Laborräume für fünf Monate und Beratung durch Mentoren. Gefragt sind hier gesundheits- und therapierelevante App- und Softwarelösungen.

Im Rahmen der ersten Runde wurden mehr als 80 Vorschläge eingereicht und 22 Grants vergeben. Nachdem die Initiative im vergangenen Jahr noch auf Einreichungen aus Deutschland beschränkt war, soll sie in diesem Jahr internationaler ausgerichtet werden. Bewerben können sich Gründer aus Europa, Südafrika, Israel und Kanada. Bayer interessiert sich bei diesem Programm für Projekte zu den Themen Kardiologie, Onkologie und Frauengesundheit.

Bei einem weiteren Grants-Programm, in das drei Start-ups aufgenommen werden, geht es um das Thema Testosteronmangel. Gefördert werden Aufklärungskampagnen, die Entwicklung von Diagnoseverfahren und neue Behandlungsansätze bei Testosteronmangel. Die Besonderheit ist hier, dass eines der drei Start-ups über das Programm hinaus mit dem Pharmakonzern zusammenarbeiten kann. Der Zuschuss beläuft sich hier auf jeweils 5000 Euro, der nach dem Ende des Projekts und der Präsentation der Ergebnisse gezahlt wird.

Im Rahmen der Grants4Targets-Initiative stellt Bayer HealthCare Zuschüsse von bis zu 10.000 Euro für all jene in Aussicht, die eine für die Forschung interessante biologische Zielstruktur, ein sogenanntes Target, identifizieren. Das Grants4Targets-Programm wurde 2009 mit dem Ziel gestartet, innovative Targets in neue Medikamente umzumünzen. In der Initiative Grants4Leads können Forscher von Universitäten, akademischen Instituten oder Start-ups sogenannte Leads, also Leitstrukturen, einreichen. Der Fokus liegt dabei derzeit auf kleinen Molekülen, aus denen neue Medikamente entwickelt werden sollen.