Einzelhandel

Discounter verschärfen den Preiskampf

Lebensmittel billiger. Bundesbank-Chef in Berlin: Keine Deflationsgefahr

Die Preisschlacht im Handel geht in eine neue Runde: Die Discounter Aldi, Norma und Netto senken erneut die Preise einiger Grundnahrungsmittel. Aldi teilte am Samstag mit, ab sofort würden verschiedene Säfte, Margarine und Fischprodukte billiger verkauft. Wann immer es die Marktsituation zulasse und die Rohstoffpreise sinken, werde man dies an die Kunden weitergeben. Die Rivalen Norma und Netto teilten kurz darauf mit, auch in ihren Läden würden die Preise für Direktsaft, Fisch und Pflanzencreme gesenkt. Zuletzt hatten die Einzelhändler die Preise von Rind-, Hähnchen- und Putenfleisch gedrückt. Die Discounter haben in diesem Jahr angeführt von Aldi mehrfach die Preise gesenkt. Der zweitgrößte Discounter Lidl hatte dies zuletzt offen kritisiert.

Der Wettbewerb der Discounter trägt stark dazu bei, dass die Inflation in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit dreieinhalb Jahren gefallen ist. „Der harte Konkurrenzkampf im Lebensmittelhandel dämpft die Preise“, sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im März nur noch um 1,0 Prozent zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitgeteilt hatte. „Das ist der niedrigste Wert seit August 2010“, sagte eine Statistikerin; im Februar waren es noch 1,2 Prozent. „Für den Rückgang sorgte vor allem der geringere Preisauftrieb bei den Nahrungsmitteln.“

Wegen des milden Wetters waren zudem viele saisonale Lebensmittel günstiger zu haben. Auch das spätere Ostern spielt eine Rolle. „Mit dem Osterfest und den Schulferien sind typischerweise recht spürbare Preiserhöhungen beispielsweise bei Pauschalreisen und im Hotel- und Gaststättengewerbe verbunden, die sich im vergangen Jahr im März gezeigt hatten, in diesem Jahr aber erst im April zutage treten werden“, sagte NordLB-Ökonom Jens Kramer.

Damit wächst in der Eurozone die Angst vor einer Deflation. Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) dürften deshalb die Alarmsirenen schrillen. Sie entscheidet am Donnerstag über die Leitzinsen und den Einsatz weiterer Instrumente, um die Preisstabilität zu sichern. EZB-Präsident Mario Draghi allerdings erwartet für den Euro-Raum eine längere Phase niedriger Inflation, jedoch keinen Preisverfall auf breiter Front, der die Wirtschaft lähmen kann, wie er erst kürzlich sagte. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sagte am Samstag, die Eurozone befinde sich nicht in einem Deflations-Zyklus. Der geringe Preisauftrieb sei voraussichtlich nur ein vorübergehendes Phänomen, sagte Weidmann am Samstag auf einem Finanzkongress in Berlin. „Ich bin der Überzeugung, dass Geldpolitik nur dann auf solche Faktoren reagieren sollte, wenn es zu Zweitrundeneffekten kommen sollte“, fügte er hinzu. Von solchen Effekten sprechen Fachleute beispielsweise, wenn sich eine Spirale aus fallenden Preisen und sinkenden Löhnen mit fatalen Folgen für die Wirtschaft aufbaut. Weidmann betonte, die Euro-Zone sei nicht in einer „sich selbst verstärkenden deflationären Abwärtsspirale“. Es gebe auch keine Anzeichen, dass Verbraucher Käufe in Erwartung sinkender Preise zurückstellten.