Rivalität

Angriff mit Fischstäbchen: Frosta fordert Iglo heraus

Fertiggericht-Hersteller jagt Marktführer Geschäft ab

Es ist der Kampf David gegen Goliath. Der Angreifer ist in diesem Fall der Tiefkühlgerichte-Hersteller Frosta, der es auf den zehn Mal so großen Konzern Iglo abgesehen hat. Vor mehr als einem Jahrzehnt hat sich die an der Börse notierte Gesellschaft Frosta aus dem Geschäft mit Fisch zurückgezogen. Damals stellte die mehr als 100 Jahre alte Firma ihre Fertiggerichte auf ein Reinheitsgebot um und verzichtete fortan auf jedwede Zusatzstoffe wie Aromen oder Geschmacksverstärker. Bei Fischgerichten war solch ein Wechsel zu dem Zeitpunkt schwierig, nachhaltiger Fischfang war kaum verbreitet.

Das hat sich inzwischen geändert: Frischfisch etwa mit dem Öko-Siegel MSC ist in ausreichender Menge verfügbar. Die Folge: Frosta kehrt nun in das Geschäft mit Tiefkühlfischgerichten zurück. In dieser Woche läuft im Werk in Bremerhaven die Produktion von Fischstäbchen an. Dem Marktführer Iglo wird das gar nicht schmecken. Eine Reaktion gab es auf Anfrage zunächst nicht.

Vier von fünf Supermärkten führen bereits wieder Frosta-Fischprodukte. Einen Angriff auch auf den Preis von Iglo-Fischgerichten wird es wohl aber nicht geben. „Die Preise liegen komplett in der Hand der Einzelhändler“, sagt Frosta-Chef Felix Ahlers. Ihm gehe es um die „Qualitätsführerschaft“. Mit Fischfiletgerichten, deren Name teilweise direkt den Iglo-Angeboten ähnelt, hat die Firma nach wenigen Wochen einen Marktanteil von zehn Prozent erreicht.

Der Zeitpunkt der neuen Rivalität an der Tiefkühltruhe könnte kaum interessanter sein: Iglo hat gerade die Deutschland-Chefin Martina Sandrock verloren. Nach Informationen aus dem Unternehmen, das dem Finanzinvestor Permira gehört, gab es Streit mit Konzernchef Elio Leoni Sceti. Der Italiener ist seit vergangenem Jahr Iglo-Chef und will nun den Umsatz bis 2020 auf rund drei Milliarden Euro verdoppeln.

Dieses Ziel hält Sandrock angeblich für unrealistisch, zumal im wichtigsten Einzelmarkt Deutschland ein harter Preiskampf herrscht. Permira sucht seit Jahren nach einem Käufer für Iglo. Bisher bietet aber niemand den gewünschten Preis von fast drei Milliarden Euro. In diese Schwächephase des Marktführers stößt nun Frosta mit der Erweiterung des Angebots. „Es ist immer besser für uns, wenn es Konkurrenten nicht gut geht“, sagt Frosta-Chef Ahlers. Der Markt für Tiefkühlfisch ist in Deutschland rund 1,2 Milliarden Euro groß, vergangenes Jahr ist er um vier Prozent gewachsen.

Dabei hat auch Frosta eine Schwächephase hinter sich: Die Umstellung auf Gerichte ohne Zusatzstoffe vor zehn Jahren hat die Firma fast die Existenz gekostet. Umsatz und Gewinn brachen ein, die Firma musste deutlich verkleinert werden. Ein Grund dafür waren Preissteigerungen um bis zu 50 Cent je Fertiggericht, die nach eigener Aussage wegen der teureren Herstellung notwendig geworden waren.

Doch der Preisabstand scheint die Kunden mittlerweile nicht mehr so sehr abzuschrecken. Denn erstmals seit der Umstellung ist der Firmenumsatz im vergangenen Geschäftsjahr wieder gestiegen, um zwei Prozent auf 386 Millionen Euro. Davon entfallen allerdings nur rund 20 Prozent auf die Marke Frosta. Den weitaus größten Umsatzanteil machen Tiefkühlgerichte für Handelsmarken aus: Aufträge von Rewe, Metro, Kaufland, Lidl, Aldi oder anderen Handelsketten. Der Konzernüberschuss stieg von 6,1 auf zwölf Millionen Euro.

Frosta ist an der Bremer Börse notiert. Vater und Sohn Dirk und Felix Ahlers halten zusammen knapp 58 Prozent der Aktien. Der Rest ist im Streubesitz. Das Unternehmen beschäftigt rund 1500 Mitarbeiter in Bremerhaven sowie in Werken in Dresden und bei Worms. Auch einen Standort in Polen gibt es.