Bildung

Die Last des Namens

Studie zeigt: Wer Yilmaz heißt statt Schultheiß, bekommt schwerer einen Ausbildungsplatz

Wer Tim Schultheiß heißt, hat bessere Karten, einen Ausbildungsplatz als Kfz-Mechatroniker zu bekommen, als jemand, der den Namen Hakan Yilmaz trägt. Zwar haben beide Deutsch als Muttersprache und denselben Notendurchschnitt. Zudem weisen beide besondere Stärken in Physik und Mathematik vor. Und dennoch hat Hakan Yilmaz deutlich schlechtere Chancen, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden als sein Konkurrent mit dem deutschen Namen, wie eine Studie des Forschungsbereiches des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) ergab. Schüler mit einem türkischen Namen werden demnach bereits in der ersten Bewerbungsphase diskriminiert.

Die Forscher haben Lebensläufe von männlichen Bewerbern mit fiktiven Namen an insgesamt 1794 Unternehmen geschickt, die mindestens einen Ausbildungsplatz in den Bereichen Kfz-Mechatronik oder für Bürokaufmann zu besetzen hatten. Bewerber mit einem deutschen Namen bekamen deutlich häufiger eine Rückmeldung als die mit einem türkischen. Zudem seien Jugendliche mit einem türkischen Namen seltener zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden und erhielten häufiger eine direkte Absage, schreiben die Forscher. Um eine Einladung zum Vorstellungsgespräch zu erhalten, müsse ein Kandidat mit einem deutschen Namen durchschnittlich fünf Bewerbungen schreiben, ein Bewerber mit einem türkischen hingegen sieben.

Die Folgen dieser Diskriminierung seien gravierend, schreiben die Forscher: „Wenn qualifizierte Kandidaten nur deshalb nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, weil ihr Name ausländisch klingt, geht dem angespannten Ausbildungsmarkt wertvolles Potenzial verloren.“ Mittelfristig gefährde dies die Sicherung der Fachkräftebasis in Deutschland. Die wettbewerbsstarke Wirtschaft sei auf die Potenziale der jungen Generationen dringend angewiesen.

„Vier von zehn Unternehmen, die Stellenbesetzungsprobleme haben, suchen derzeit ohne Erfolg dual ausgebildete Fachkräfte“, sagt Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Dennoch gibt es in jedem Ausbildungsjahr Schüler, die keine Lehrstelle finden. Ende September 2013 gab es noch 21.000 Bewerber ohne Erfolg, 5400 mehr als ein Jahr zuvor. Viele von ihnen durchlaufen dann Praktika, berufsvorbereitenden Maßnahmen und Einstiegsqualifizierungen – Warteschleifen.

Jugendliche mit Migrationshintergrund sind der Studie zufolge in diesen Maßnahmen überrepräsentiert. Als Grund gilt bisher vor allem, dass solche Jugendliche im Schnitt schlechtere Schulnoten haben. Doch wie die Studie zeigt, liegt es eben auch am Migrationshintergrund.

Um gegen die Diskriminierung bei den Azubi-Bewerbern anzugehen, empfehlen die SVR-Forscher Unternehmen etwa, die Ausbilder in „interkultureller Kompetenz“ zu schulen und mehr Betriebsangehörige mit eigener Migrationserfahrung in die Auswahl und Betreuung von Auszubildenden einzubinden. Zudem halten sie die Entwicklung einer Software für sinnvoll, die es auch kleinen und mittleren Unternehmen erlaubt, unkompliziert Bewerbungen in anonymisierter Form entgegennehmen zu können. Auch wenn Schulen und Unternehmen noch stärker zusammenarbeiteten, könnten sie Vorurteilen entgegenwirken. Denn so können sich die Beteiligten persönlich kennenlernen.