Umwandlung

Air Berlin verlässt die Börse

Fluggesellschaft soll GmbH werden. Fusion mit Alitalia im Gespräch

Der Großaktionär von Air Berlin, die Fluggesellschaft Etihad, wird offenbar ihren Anteil an der angeschlagenen Airline auf fast 50 Prozent aufstocken. Das Unternehmen aus Abu Dhabi werde die Beteiligung von 29,21 auf 49,9 Prozent erhöhen, schrieb die „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf das Umfeld von Air Berlin. Zudem solle Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft nach der Lufthansa von der Börse genommen und in eine GmbH umgewandelt werden. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Abend berichtete, plane Etihad zudem, Air Berlin mit der italienischen Fluglinie Alitalia zusammenzulegen. Die Verhandlungen über eine Fusion seien in einem frühen Stadium, werden drei mit der Sache vertraute Personen zitiert. Der Deal könne aber noch scheitern.

Air Berlins Abschied von der Börse hatte sich vergangene Woche bereits angedeutet, Einzelheiten wurden nicht bekannt. Air Berlin hatte am vergangenen Mittwoch überraschend die Bilanzpressekonferenz für Donnerstag abgesagt und um eine Woche verschoben.

Würde sich Etihad mit mehr als 49,9 Prozent an Air Berlin beteiligen, könnte Air Berlin Flugrechte in Staaten außerhalb der Europäischen Union verlieren und wäre für den Konzern aus dem Golf-Emirat praktisch wertlos, wie die „Wirtschaftswoche“ weiter schrieb. Der Status von Air Berlin als deutsche Fluggesellschaft solle unbedingt erhalten bleiben.

Die Air-Berlin-Kleinaktionäre, die 38,5 Prozent der Anteile halten, sollten dem Plan nach abgefunden werden. Die Anteile sollen an ehemalige Spitzenmanager der Fluggesellschaft und weitere Topmanager gehen, die bereits Aktien des Unternehmens halten, etwa den langjährigen Chef Joachim Hunold (1,29 Prozent Anteile). Ausscheiden solle die türkische Unternehmerfamilie Sabanci, deren ESAS Holding derzeit 12,02 Prozent hält. Nach dem Rückzug von der Börse werde die britische Rechtsform PLC vermutlich in eine GmbH umgewandelt. Das Ganze soll einen Umfang von rund 100 Millionen Euro haben.

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger zeigte sich besorgt über einen Abschied Air Berlins von der Börse. „Für die Aktionäre wäre das eine absolute Frechheit“, sagte SdK-Sprecher Michael Kunert. Viele Aktionäre hätten wegen Missmanagement bei der Fluggesellschaft eine Menge Geld verloren. Die Air-Berlin-Aktie war vor acht Jahren für zwölf Euro an die Börse gekommen, zuletzt notierte sie bei 2,10 Euro. Ein Air-Berlin-Sprecher erklärte auf Anfrage, die Fluggesellschaft werde Spekulationen nicht kommentieren.

Geschäftlich geht es Air Berlin nicht gut. Analysten rechnen für 2013 mit einem deutlichen Minus. Erwartet wird ein operativer Jahresverlust zwischen 114 und 132 Millionen Euro nach 70 Millionen Euro Gewinn im Jahr zuvor. Der Konzern hatte damals von hohen Extraeinnahmen aus dem Verkauf seines Vielfliegerprogramms an Etihad profitiert. Die arabische Fluglinie hatte Air Berlin zuletzt finanziell kräftig unterstützt.