Handel

Eines der erfolgreichsten Jahre für Otto

Versandhändler erhöht Umsatz. Zwar geringer als Zalando, dafür aber mit guter Rendite

Deutlich mehr Geld für Werbung in Fernsehspots und auf Onlinekanälen haben sich für den Versandhändler Otto offensichtlich ausgezahlt: Otto hat im vergangenen Geschäftsjahr den Umsatz um sieben Prozent auf knapp 2,3 Milliarden Euro erhöht. Nach drei Jahren ohne Verbesserungen ist das eine Trendwende. Zwar liegt der Katalog- und Onlinehändler damit weit hinter dem durchschnittlichen Wachstum von gut 20 Prozent aller Onlineshops in Deutschland. Das scheint das Management kaum zu stören. „Das ficht uns nicht an. Hinter dem Branchenwachstum stehen oft Verlagerungen und kein echtes Wachstum“, sagte Alexander Birken, Konzernvorstand und Sprecher der Einzelgesellschaft Otto. Spätestens im Geschäftsjahr 2015 will das Unternehmen 2,5 Milliarden Umsatz erreichen.

Im Unterschied zu wesentlich stärker wachsenden Konkurrenten wie Zalando oder Amazon verdient Otto mit dem Onlinehandel Geld. Manager Birken nennt zwar keine absolute Zahl für den Vorsteuergewinn, jedoch eine Rendite von vier Prozent. Das entspricht rund 100 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2013/2014, das mit dem Februar zu Ende ging. Das Unternehmen selbst spricht von einem der erfolgreichsten Jahre der Firmengeschichte. „Wir haben den Werbedruck massiv erhöht, und werden das auch dieses Jahr fortsetzen“, sagte Birken. Beigetragen zu dem Erfolg haben aber auch Preissenkungen etwa bei technischen Produkten, wie Branchendienste berichten. So kommt jede zweite über Onlineshops bestellte Waschmaschine heute von Otto.

Mit Investitionen von 60 Millionen Euro im laufenden Jahr vor allem in die Technik der Internetshops will Otto den Erfolg ausbauen. Dafür wiederum sucht der Konzern Personal: Derzeit sind allein am Standort Hamburg 100 Stellen etwa mit Sofwareprogrammierern zu besetzen. Zudem startet im Mai ein neuer Onlineshop unter dem Namen „Collins“, der sich mit Textilien an junge Frauen wenden wird. Daneben verstärkt Otto den Verkauf von Möbeln über den Onlinehandel und will gehobene Markenhersteller für sich gewinnen. Als Argument soll die Lieferzeit dienen: Sie soll von den üblichen acht Wochen etwa bei Polstermöbeln auf 14 Tage verkürzt werden. Einen Einstieg in den Onlinehandel mit Lebensmitteln, wie ihn die Post oder Händler wie Rewe gerade unternehmen, plant Otto dagegen nicht.

In den vergangenen Monaten konnte Otto nach eigener Aussage die Zahl der zurück geschickten Sendungen um zwei Millionen verringern. Zum Vergleich: Die Otto-Tochtergesellschaft Hermes bearbeitete 2013 rund 50 Millionen Retouren, ein Großteil davon entfällt auf Versandunternehmen der Otto-Group. „Retouren sind für uns ein Teil des Geschäftes. Wir werden sie daher auch nicht kostenpflichtig machen“, so Vorstand Birken. Ab Juni erlaubt es eine Richtlinie der Europäischen Union den Einzelhändlern, für Rücksendungen grundsätzlich Geld von ihren Kunden zu verlangen.