Technik

Angriff auf Apple TV

Mit einem Stick für 35 Euro greift Google den Rivalen an. Sein Chromecast zeigt aber Schwächen. Ein Test

Nimm das, Apple: Für gerade einmal 35 Euro will der Internetkonzern Google Smartphone- und Tablet-Nutzer drahtlos mit dem Fernseher verbinden. Auch Apple hat dafür eine Box. Der iPhone-Konzern verlangt für Apple TV aber 99 Euro, also fast drei Mal so viel. Googles Vorstoß auf den TV-Markt heißt Chromecast. Der Stick von der Größe eines Daumens wird hinter den Fernseher in einen HDMI-Port gesteckt und ist seit Mittwoch in Deutschland im Handel. Die Morgenpost hat ihn getestet.

Chromecast ist vielversprechend. Die Installation dauert wenige Minuten. Dazu muss der 34 Gramm leichte Stick in den HDMI-Port gesteckt werden. Da er von dort keinen Strom erhält, ist eine weitere Verbindung notwendig. Für ältere Fernseher legt Google einen Stromstecker bei. Am einfachsten lässt sich Chromecast mit einer Smartphone-App einrichten. Einmal gestartet, findet sie den Stick automatisch. Wer zu Hause kein WLAN-Netz hat, kann den Stick nicht verwenden. Einen LAN-Port gibt es nicht. Die Internet-Geschwindigkeit für hochauflösende Filme (HD) sollte nicht drei Megabit pro Sekunde unterschreiten. Fällt sie darunter, gibt es eine schlechtere Bildqualität.

Nun sollte jedoch niemand erwarten, er könne jede Menge Inhalte vom Smartphone oder Tablet auf den Fernseher schicken. Damit Chromecast Filme oder Musik empfängt, müssen die entsprechenden Anwendungen dafür angepasst werden. Zum Start ist die Auswahl übersichtlich: Natürlich sind YouTube, Google Play Music und Google Play Movies dabei. Auch konnte Google den Film-Streamingdienst Watchever für sich gewinnen. Maxdome soll in Kürze folgen. Dafür funktioniert Vevo schon, ein Portal für Musikvideos. Mit dem Musik-Streamingdienst Spotify oder der Filmbibliothek von Amazon kann Chromecast allerdings nichts anfangen. Google verspricht, dass schnell neue Dienste hinzukommen werden.

Inhalte aus der Wolke

Unglücklicherweise hat sich Google bei seinem Chromecast für ein Cloud-Konzept entschieden. Das hat Vorteile, aber auch große Nachteile. Grundsätzlich werden dabei nämlich nicht die Inhalte vom Smartphone oder Tablet auf den Fernseher übertragen, wie es beispielsweise Apple über seine Apple-TV-Box mit Airplay macht. Stattdessen schickt das mobile Gerät nur einen Befehl, dass der Chromecast-Stick sich die Inhalte direkt aus dem Internet ziehen soll. Was also nicht im Netz gespeichert ist, findet auch nicht seinen Weg auf den Fernseher. Das betrifft leider auch Fotos und Videos, die nur auf dem Smartphone gespeichert sind. Sie müssen also zuerst zu YouTube oder Google+ hochgeladen werden. Hier gibt es schon das nächste Problem.

Zwar lassen sich YouTube-Inhalte von allen Geräten übertragen. Doch bei Fotos muss der Nutzer auf den Chrome-Browser zugreifen, der allerdings nur in der Desktop-Variante Inhalte übertragen kann. Der Chrome-Browser für Smartphone oder Tablet kann hingegen nichts an Chromecast liefern. Hier schlägt Apple TV seinen Konkurrenten um Welten, weil auch lokal gespeicherte Dateien über Airplay auf dem Fernseher abgespielt werden können. Unserer Meinung nach ist das eine der wichtigsten Funktionen einer solchen Box. Dafür zerrt Chromecast nicht an der Akkuleistung des Smartphones oder Tablets. Ist das Abspielen einmal gestartet, dient das mobile Gerät nur noch als Fernbedienung. Selbst wenn sich das Smartphone ausstellt, spielt der Film auf dem Fernseher weiter. Nutzer können außerdem während des Abspielens auf dem Fernseher weiter im Internet surfen oder Mails beantworten. Wer das während einer Wiedergabe über Apples Airplay versucht, unterbricht die Übertragung. Vorteil für Google.

Chromecast selbst hat auf dem Fernseher keine Benutzeroberfläche. Alles wird vom Computer, Smartphone oder Tablet gesteuert.

Fazit: Ob sich Google mit Chromecast einen festen Platz im Wohnzimmer erobern kann, ist fraglich. Immerhin setzt Google mit seinem Stick auf ein offenes System, während Apple TV nur mit iPhones und iPads funktioniert. Wem die Apple-TV-Box zu teuer ist, der hat mit Chromecast nun immerhin eine preisgünstigere Alternative.