Handel

Lupine statt Soja

Ein Unternehmen aus Grimmen erobert mit der blauen Pflanze die Supermarktregale

Veganern und Vegetariern ist die Pflanze meist nicht fremd: Wer auf Fleisch verzichten will, Soja aber nicht verträgt oder mag, der kann seit einiger Zeit auch zu Lupinenfilet, Lupinenschnitzel oder Lupinenburger greifen – sie gelten als gute Alternative zu gängigen Fleischersatzprodukten. Vegane Mayonnaise, laktosefreies Speiseeis, fettreduzierte Leberwurst oder eifreie Nudeln: Hochfunktionelles Lupineneiweiß sei ein Allrounder, sagt Katrin Petersen, Geschäftsführerin von Prolupin. Ganz ohne Risiken ist das Lupineneiweiß allerdings nicht, wie eine Studie zeigt.

Prolupin gewinnt seit einem halben Jahr in industriellem Maßstab das pflanzliche Protein aus der Blauen Lupine. „Es kann in Lebensmitteln tierische Proteine ersetzen, Kalorien senken oder vegane Produktalternativen bieten“, sagt die 44-jährige Petersen. Nach jahrelangen Versuchen in Neubrandenburger Laboren und ersten erfolgreichen Schritten auf den Markt eröffnete das Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern im August 2013 seine Produktionsstätte in Grimmen.

In einem Tank vermischt ein überdimensionales Rührwerk die Lupinenflakes – geschälte, plattgewalzte und entölte Lupinensamen – mit Wasser zu einem zähflüssigen Brei. Über verschiedene Produktionsstufen werden durch die Steuerung von pH-Wert und Temperatur unter anderem Kohlenhydrate und Fasern entzogen, bis eine Art Lupinenmilch übrig bleibt. „Zu Pulver getrocknet hat es einen Proteingehalt von über 90 Prozent“, sagt die Firmenchefin.

Die Technologie wurde von Experten des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising entwickelt. Prolupin ist Lizenznehmer der Patente auf diese Technologie. Zunächst fand das Protein als laktosefreier Milchersatz im Speiseeis „Lupinesse“ den Weg in Edeka-Supermärkte. Dann folgten andere Produktzweige: Zusammen mit der Möwe-Teigwarenfabrik aus Waren (Müritz) haben die Prolupin-Produktentwickler an einer nährwertoptimierten und zugleich eifreien Nudel getüftelt, die noch in diesem Jahr auf den Markt kommen soll.

Auch in Fleischprodukten wird die Pflanze eingesetzt: Der Wursthersteller Greifen Fleisch aus Greifswald ersetzt Fett durch das pflanzliche Eiweiß, um damit den Kaloriengehalt seiner Leberwurst deutlich zu senken. „Mithilfe von Lupinenproteinen konnte eine fettreduzierte Leberwurst hergestellt werden, die sich weder in Streichfähigkeit noch im Geschmack von einer herkömmlichen Leberwurst unterscheidet“, sagt Prolupin-Chefin Petersen.

Doch das Lupineneiweiß ist offenbar nicht frei von Risiken. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist in einer Studie unter anderem auf Fälle von Kreuzallergien mit Erdnuss hin. Die Reaktionen reichen von Atemnot bis zum anaphylaktischen Schock. „Von 107 im Jahre 2002 in Frankreich gemeldeten Lebensmittelallergien, die mit anaphylaktischen Erscheinungen einhergingen, stand Lupinenmehl nach Erdnüssen, Nüssen und Schalentieren an vierter Stelle der allergieauslösenden Lebensmittel“, schreibt das Bundesinstitut mit Verweis auf eine französische Untersuchung.

Auch Prolupin und das Fraunhofer-Institut haben die Lupineneiweiß-Allergien im Blick. Das Fraunhofer-Institut hat in verschiedenen Forschungsprojekten mit der Universitäts-Frauenklinik in Rostock und der Universität Jena die Häufigkeit von Lupinenallergien untersucht. Bislang seien drei bestätigte Fälle über die Allergiezentren in Deutschland dokumentiert. Das sind deutlich weniger als zum Beispiel bei Sojaeiweißallergien. Bei Lupinenprotein seien deutlich geringere Zahlen erwartbar, sagt Petersen. Allerdings müsse beobachtet werden, ob eine Zunahme des Konsums auch die Verbreitung von Lupineneiweißallergien fördert.“

Kundenanfragen für das Grimmener Lupineneiweiß kommen inzwischen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus dem europäischem Ausland und den USA. Der Umsatz von Prolupin soll in diesem Jahr die Drei-Millionen-Euro-Marke erreichen. Rund 1500 bis 2000 Tonnen Lupinen aus heimischen Anbau will das Unternehmen in diesem Jahr verarbeiten.