Prognosen

Weltweit strotzen Manager vor Optimismus

Wirtschafts-Bosse in Deutschland zweifeln jedoch an der allgemeinen Wirtschaftslage

Die Laune der Manager weltweit befindet sich auf einem Höhenflug: Gut dreiviertel der globalen Wirtschaftselite erwartet, dass ihre Geschäfte in diesem Jahr besser laufen werden. Noch ausgeprägter ist die Euphorie hierzulande, wo sogar 80 Prozent der Chefetagen von einer guten Entwicklung ausgehen. Das ist das Ergebnis einer weltweiten Umfrage für die Unternehmensberatung Accenture. Die Studie liegt der Berliner Morgenpost vor.

Das Hauptergebnis der Untersuchung, für die mehr als 1000 Manager auf Vorstands-Niveau befragt wurden: Die Stimmung der globalen Wirtschafts-Elite ist geradezu euphorisch – zumindest, wenn es um das eigene Unternehmen geht. So erwarten 76 Prozent der Manager, dass die Umsätze des eigenen Unternehmens in diesem Jahr steigen werden. Und beinahe ebenso hoch ist der Anteil derjenigen, die ebenfalls mit steigenden Gewinnen planen.

„Die Stimmung in den Unternehmen unterscheidet sich inzwischen stark von der Stimmung noch vor wenigen Jahren, als nur wenige Manager wirklich Grund hatten, fröhlich zu sein“, schreiben die Analysten des Daten-Dienstleisters Economist Intelligence Unit, die den Bericht verfasst haben. Auch der jeweils eigenen Branche trauen die Vorstände viel zu: 69Prozent erwarten, dass die Geschäfte der eigenen Branche 2014 besser laufen werden als 2013.

Allerdings: Die Untersuchung offenbart auch eine erhebliche Wahrnehmungskluft in den Erwartungen. Während die Chefetagen dem eigenen Unternehmen und auch der eigenen Branche viel zutrauen, sind sie in Bezug auf die Gesamtwirtschaft erheblich skeptischer–insbesondere mit Blick auf die globale Wirtschaft. So glauben nur 62 Prozent der befragten Vorstände, dass es mit der eigenen nationalen Volkswirtschaft in diesem Jahr bergauf gehen wird – und gar nur eine Minderheit von 44 Prozent, dass die Weltwirtschaft vor einem guten Jahr steht.

Besonders ausgeprägt ist diese Kluft ausgerechnet in Deutschland – und das, obwohl die Schlüsselindustrien hierzulande davon abhängen, dass die Weltwirtschaft rund läuft. Gewaltige 80 Prozent der befragten Manager hierzulande erwarten, dass ihr eigenes Unternehmen vor einem starken Jahr steht. Aber der Weltwirtschaft, deren Entwicklung so entscheidend für die deutschen Exporte ist, trauen nur magere 30Prozent ein gutes Jahr zu.

„Dass Manager die Entwicklung des eigenen Unternehmens positiver sehen als die der Gesamtwirtschaft, hat psychologische Gründe“, sagt Walter Hagemeier, Leiter der Strategieberatung von Accenture. „Den eigenen Laden kennen sie und können dessen Potential besser einschätzen“. Überrascht hat allerdings auch ihn, wie ausgeprägt die Zweispaltung hierzulande ist.

Geht es nach den Befunden der Untersuchung, strotzt die deutsche Wirtschaft gegenwärtig vor Kraft: In 86 Prozent der Unternehmen hierzulande erwartet das Management für dieses Jahr steigende Umsätze. Und ein beinahe ebenso hoher Anteil der Chefetagen – 82Prozent – rechnet außerdem mit einem Gewinnwachstum. Diese ausgeprägt gute Laune in den Chefetagen dürfte in den kommenden Monaten die Gesamtwirtschaft beflügeln, denn angesichts besser laufender Geschäfte wollen die Unternehmenslenker in diesem Jahr Kapazitäten aufbauen.

Gewaltige 85 Prozent der deutschen Firmen planen demnach in diesem Jahr neue Mitarbeiter einzustellen – in mehr als der Hälfte der Unternehmen soll der Mitarbeiterzuwachs sogar erheblich sein. Die Unternehmen hierzulande liegen mit diesen Plänen weit über dem weltweiten Schnitt. Das muss allerdings nicht unbedingt bedeuten, dass die Firmen ihr Personal vorrangig oder gar ausschließlich in Deutschland aufstocken. Die befragten Unternehmen sind Konzerne mit Standorten auf der ganzen Welt. Trotzdem dürften die Pläne der Vorstände auch für den Arbeitsmarkt hierzulande eine gute Nachricht sein – zumal in keinem der befragten deutschen Unternehmen die Belegschaft in diesem Jahr schrumpfen soll.