Preissenkungen

Politiker empört über Preiskampf der Discounter

Marktführer Aldi senkt Preise für Schinken und Salami

Der Preiskampf im deutschen Lebensmittelhandel verschärft sich – was die Politik kritisiert. Discount-Marktführer Aldi läutete eine neue Preisrunde ein und senkte die Preise für zahlreiche Wurstwaren vom Bratenaufschnitt über den Schwarzwälder Schinken bis zur Salami. Mit Norma folgte kurz darauf der erste Rivale und setzte ebenfalls den Rotstift an.

Die Vorsitzende des Verbraucherausschusses des Bundestages, Renate Künast (Grüne), warnte in der „Saarbrücker Zeitung“: „Die Verbraucher werden sich dagegen wehren.“ Es gebe bei den Kunden inzwischen einen „unumkehrbaren Trend“, auf Qualität zu achten. „Deswegen ist der Rückfall auf eine Billig-Strategie umso unverständlicher.“ Ähnlich äußerte sich auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU).

Schleswig-Holsteins Agrarminister Robert Habeck (Grüne) reagierte empört. „Über Fleischwaren einen Dumpingwettbewerb zu führen, ist schlicht eine Schweinerei“, sagte der Minister. Er forderte die Verbraucher auf, diese Waren zu „verschmähen“. Die Discounter müssten aufhören, die Spirale immer weiter zu drehen. „Lockangebote, die den Bauern die Daumenschrauben anlegen und sie zwingen, Masse statt Klasse zu produzieren, zerstören alles, was politisch sinnvoll ist“, sagte der Minister. „Es heizt ein System an, in dem das Wohl des Tieres nachrangig ist, in dem auch durch Gesetzesverstöße auf Schlachthöfen Tieren unnötiges Leid zugefügt wird.“

Aldi begründete die Preissenkungen zwischen 2,5 und 10 Prozent mit gesunkenen Einkaufspreisen. Aldi gebe diese an seine Kunden weiter – ohne Abstriche an der Qualität oder den Tierschutzstandards. Ebenso begründete Norma die Senkungen mit günstigeren Einkaufspreisen, die an die Kunden weitergereicht würden. Auch dort geht es um Aufschnittsorten, deren Preis je Packung in der Regel um 10 Cent reduziert wurden.

Aldi sorgt zurzeit mit immer neuen Rotstift-Aktionen dafür, dass die Preise im deutschen Lebensmittelhandel erstmals seit Jahren wieder auf breiter Front ins Rutschen geraten. Seit Januar hat Aldi Schlag auf Schlag die Preise für Eier, Instant-Kaffee, Frühstücks-Zerealien, Wein, Fisch, Butter und Fleisch gesenkt und setzt damit die Konkurrenz unter Druck. Die Rotstift-Aktionen von Aldi haben Auswirkungen auf den gesamten Handel. Denn viele Wettbewerber orientieren sich im Preiseinstiegsbereich am Discount-Marktführer. Vor allem die Preissenkungen bei Rind- und Geflügelfleisch vor einer Woche stießen jedoch bei Tierschützern, aber auch in Teilen des Handels auf Kritik.