Gründerzeit

Crowdee entwickelt Marktplatz für Mikrojobs

Jürgen Stüber über ein Projekt der TU Berlin, das Mikropayments zum neuen Geschäftsmodell entwickeln will

Die Technologiemesse Cebit hat nicht nur etablierten Unternehmen eine Bühne geboten, um ihre Produkte vorzustellen. Sie gab auch Gründern ein Podium, ihre Ideen in einem frühen Stadium zu präsentieren. So konnten Besucher Einblick in die Forschungslandschaft der Hochschulen gewinnen und sich einen ersten Eindruck von Gründungen verschaffen, die vielleicht in ein oder zwei Jahren ihre Marktreife erhalten.

Da gab es zum Beispiel Crowdee. Das Team hat sich am Quality and Usability Lab“ der Technischen Universität Berlin gebildet und will eine neue Form des Mikropayments für Mikrojobs entwickeln. Nutzer der Plattform sollen ein paar Cent oder wenige Euro für einige Minuten Arbeit erhalten – falls man in diesen Größenordnungen überhaupt schon von Arbeit sprechen kann.

Die Gründer orientieren sich an bereits etablierten Modellen des Crowdsourcing, also des Erbringens einer Leistung durch die Gemeinschaft der Internetnutzer, wie sie beispielsweise von bewährten und erfolgreichen Plattformen wie dem Berliner Unternehmen Jovoto schon seit Jahren praktiziert werden. Dort veröffentlicht ein Auftraggeber ein Projekt und wartet dann darauf, dass sich jemand findet, der dieses umsetzt. Bei Jovoto sind das in der Regel aufwändige Designaufgaben, die sich schnell in einem vier- oder fünfstelligen Kostenrahmen bewegen.

Bei Crowdee geht es dagegen um kleinere Summen. „Was sind deine besten oder schlechtesten Erfahrungen mit diesem Produkt“, könnte etwa ein Markenhersteller fragen und seine Kunden um Antworten bitten. Diese Frage ließe sich mit einem Satz binnen weniger Sekunden beantworten. Jeder Teilnehmer an der Umfrage würde einen Obolus erhalten und die Marke im Gegenzug eine nutzergenerierte Marktumfrage oder einen auf viele Urteile gestützten Testbericht. „Ein Auftraggeber kann mit Crowdee Meinungen einholen oder Insider-Tipps erhalten“, sagt Tim Polzehl, einer der Gründer dieser Plattform. Ein anderes Beispiel könnten Rechercheaufgaben sein. „Wenn ein Wissenschaftler für eine Arbeit Quellen sucht, kann er diese Recherche in Auftrag geben und im Internet erledigen lassen“, erläutert André Beyer, der zweite Gründer des Projekts. Auf ihrer Website haben die Gründer mehrere Mikrojob-Beispiele zusammengestellt – beispielsweise das Korrekturlesen eines Textes oder das Überarbeiten einer digitalen Tabelle.

Weil es sich um kleine Leistungen handelt, die innerhalb weniger Minuten und überall erbracht werden können, haben die Gründer zunächst eine Smartphone-App (für das Betriebssystem Android) entwickelt. So lässt sich beispielsweise die Zeit in der U-Bahn gewinnbringend nutzen. „Der mobile Ansatz ist das besondere unserer Plattform“, sagt Beyer.

Der Preis für die Leistungen soll im Netz zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer frei verhandelbar sein. Zielgruppe des Projekts sind Freiberufler und Studenten.

Die Plattform befindet sich noch in der geschlossenen Betaphase und soll später geöffnet werden. Interessenten können auf der Website aber schon jetzt einen Zugang für Crowdee beantragen.

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