Angebot

Kfz-Versicherer im Werkstatt-Kampf

Branchenprimus HUK plant besondere Police für günstigere Reparaturen und Inspektionen

Dieses Angebot klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Der Kunde muss sich nach dem Autounfall um nichts kümmern, ein Mitarbeiter der Vertragswerkstatt holt den Wagen ab, bringt ein Ersatzfahrzeug – und schon nach wenigen Tagen steht das ehemals demolierte Auto wieder repariert vor der Tür – das Beste ist: für diesen Extraservice zahlt der Kunde sogar weniger als für eine normale Kaskoversicherung. Zukünftig wollen die Versicherungen dieses Angebot sogar noch ausweiten. So plant Branchenprimus HUK-Coburg, auch normale Reparaturen und Inspektionen von Fahrzeugen für seine Kunden billiger anzubieten.

In der Branche wird davon ausgegangen, dass weitere Anbieter dem Vorbild der HUK folgen. So denkt HDI-Gerling demnach darüber nach, ihren Kunden in Mercedes-Werkstätten Leistungen wie den Reifen- oder Ölwechsel vergünstigt anzubieten. Einige Versicher planen offenbar sogar, eigene Werkstätten zu gründen. Mit Kundenfreundlichkeit hat das aber nur bedingt etwas zu tun. Größte Gewinner sind die Versicherer selbst.

Eine Onlinebefragung der Unternehmensberatungen 67rockwell und TMI ergab, dass mehr als die Hälfte der Anbieter durch das Werkstattmanagement ihre Kosten drücken wollen. Dadurch, dass ihre Kunden automatisch bei den Vertragswerkstätten landen, erhöhen sie dort die Auslastung. Das hilft ihnen niedrige Preise für die Reparaturen ihrer Schäden durchzusetzen. Bis zu 20 Prozent niedrigere Stundensätze sind möglich. Auch fallen die Aufschläge für Originalersatzteile weg. Das Fraunhofer Institut errechnete für die Innovation Group, Dienstleister für Kfz-Schadenservice, dass die Versicherer bis zu 430 Euro je Schaden sparen können – unabhängig von Fahrzeugalter und Region.

Bisher hat die HUK Coburg ein Netz von 1300 freien und Markenwerkstätten, das sie für die Unfallreparaturen von drei Millionen Kunden nutzt. Diese haben zugestimmt, Kasko-Reparaturen nur in den Partnerwerkstätten ausführen zu lassen. Dafür erhalten sie Rabatt. Dem Netz haben sich VHV, Gothaer, Concordia, Generali und Debeka angeschlossen.

Aus der Branche ist zu hören, dass nun kaum noch Kapazität zur Aufnahme weiterer Anbieter existiert. Vielleicht auch deshalb hat sich der ADAC dazu entschlossen, gemeinsam mit der Versicherungskammer Bayern im vergangenen Jahr ein neues Netz zu gründen, dem bisher rund 1000 Werkstätten angehören. Die Zurich ist diesem Netz im Februar dieses Jahres beigetreten.

Die Allianz bietet ihren Kunden jetzt den Baustein WerkstattDirekt in der Kaskoversicherung an. Sie sparen dann 12,5 Prozent, wenn sie zustimmen, Schäden im Werkstattnetz Eurogarant reparieren zu lassen. Mit der Konkurrenz kann die Allianz allerdings nicht mithalten: HUK bietet 20 Prozent Rabatt, bei HDI sind es im Schnitt 15 Prozent.