Wissenschaft

Wie ResearchGate die Forschung transparenter macht

Die Erfindung schien ein Durchbruch in der Stammzellenforschung. Japanische Forscher hatten ein einfaches Verfahren zur Herstellung von Stammzellen in einem Säurebad entwickelt, darüber in der Fachzeitschrift „Nature“ berichtet und weltweit für Schlagzeilen gesorgt.

Der Stammzellenforscher Kenneth Ka-Ho Lee widerlegt nun im Berliner Forschernetzwerk ResearchGate die vermeintliche Sensation.

Ka-Ho Lee und sein Team aus Hongkong sind die Ersten, die ihre Ergebnisse mit Open Review, einem neuen Werkzeug von ResearchGate, veröffentlichten. ResearchGate-Gründer Ijad Madisch sagt: „Wir helfen Wissenschaftlern zu sagen, ob die Ergebnisse – egal, wo sie veröffentlicht wurden – stimmen.“ Das sorge für Transparenz in der Wissenschaft, spare Zeit und Geld und treibe den Fortschritt voran.

Die Biologin Haruko Obokata und ihre Kollegen hatten behauptetet, aus bereits ausdifferenzierten Zellen von Mäusen durch eine einfache Behandlung mit Zitronensäure sogenannte pluripotente Stammzellen gewinnen zu können. Wäre das der Fall gewesen, hätte es eine neue Ära der regenerativen Medizin eingeläutet. Denn das Säurebad hätte genügt, um die Zellen umzuprogrammieren. Stammzellenforscher Ka-Ho Lee und sein Team konnten diese Ergebnisse nicht bestätigen. Obokatas Analysen seien „umfassend und leicht nachzuvollziehen“, die Ergebnisse „plausibel und überzeugend“, allerdings nicht wiederholbar.

Madisch, Sören Hofmeyer und Horst Fickenscher gründeten ResearchGate 2008 als eine Art Facebook für Wissenschaftler. 2013 investierte Microsoft-Gründer Bill Gates 35 Millionen Dollar in das Forschernetzwerk. Inzwischen haben sich weltweit vier Millionen Forscher angeschlossen und allein 2013 mehr als 17 Millionen Artikel publiziert. Publikationen in ResearchGate sind frei zugänglich, schreiben und kommentieren dürfen aber nur Personen, die nachweislich Wissenschaftler sind.