Schmetterlingseffekt

Krim-Krise könnte Börsencrash weltweit auslösen

Deutscher Aktienindex fällt kurzzeitig unter 9000 Punkte

An der Börse geht die Angst vor dem ominösen Schmetterlingseffekt um. Eine wirtschaftlich unbedeutende Halbinsel im Schwarzen Meer könnte eine große internationale Krise auslösen, die die Kapitalmärkte in die Tiefe reißt. Zum Wochenausklang stürzten wegen der Krim-Krise die Börsen ab. Der Dax rutschte vorübergehend unter die psychologisch wichtige Marke von 9000 Punkten. Auch andernorts in Europa und in Asien ging es nach unten. Seit Anfang März hat der Dax schon 800 Punkte verloren, schloss am Freitag aber noch knapp über 9000 Punkten.

Am Sonntag sollen die Einwohner der Krim über den künftigen Status der Halbinsel abstimmen. Faktisch steht die ukrainische Teilrepublik bereits unter russischer Kontrolle. Es wird daher mit einer Mehrheit für den Beitritt der Krim zur Russischen Föderation gerechnet. „Die weitere Entwicklung der Krim-Krise ist nicht prädestiniert. Es sind mehrere Szenarien möglich, dazu gehören auch sehr bedrohliche“, sagt Marcel van Leeuwen, Geschäftsführer der DWPT Deutsche Wertpapiertreuhand. Die USA und die EU erkennen die Abstimmung nicht an und werfen Moskau vor, die Spaltung der Ukraine voranzutreiben. In dem Land hat nach dem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch eine prowestliche Regierung das Sagen. Erste Sanktionen gegen Russland wurden bereits verhängt, US-Präsident Barack Obama und andere westliche Politiker haben weitere Maßnahmen angekündigt.

Beobachter sprechen von der akuten Gefahr eines Wirtschaftskriegs. Ein Berater des russischen Präsidenten Wladimir Putin drohte bereits damit, das westliche Finanzsystem ins Chaos zu stürzen, sollte Russland wie ein Schurkenstaat behandelt werden. Zunächst einmal sind es jedoch vor allem die Kurse an der Börse Moskau, die unter die Räder kommen. Der in Dollar gehandelte russische Leitindex RTS hat seit Anfang des Jahres 27 Prozent an Wert verloren.

Mit einem Bruttoinlandsprodukt von gut zwei Billionen Dollar repräsentiert Russland noch nicht mal drei Prozent der weltweiten Wertschöpfung. Doch große Krisen können auch durch kleine Ereignisse ausgelöst werden – Wissenschaftlicher nennen das den „Schmetterlingseffekt“. Ein kleines Ereignis kann eine verheerende Wirkung haben, ebenso wie der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien gemäß der Chaostheorie einen Orkan in Nordeuropa auslösen kann. So stürzte das relativ ökonomisch unbedeutende Thailand 1998 ganz Südostasien in den finanziellen Abgrund.