Medizin

Einfache Hilfe für Leberkranke

Humedics hat einen Test entwickelt, mit dem ein Schaden des Organs in der Atemluft gemessen werden kann

Forscher der Freien Universität (FU) und der Charité Berlin haben einen einfachen Test entwickelt, mit dem Ärzte am Krankenbett die Leberfunktion eines Patienten messen und das Risiko einer Operation besser einschätzen können. Dazu pustet der Patient, dem zuvor ein bestimmtes Medikament gespritzt wurde, in ein Messgerät. Eine Stunde später liegt das Ergebnis vor. Drei Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer Lebererkrankung. Vielen von ihnen kann so einfacher geholfen werden.

„Bisher warf die Diagnose von Lebererkrankungen im klinischen Alltag Probleme auf“, sagt der Physikprofessor Karsten Heyne, der das Verfahren gemeinsam mit dem Leberchirurgen Martin Stockmann entwickelt hat. Mit Leberwerten aus dem Blut lasse sich die Leberfunktion nicht genau messen. So konnte es beispielsweise bisher passieren, dass trotz einer beginnenden Leberzirrhose normale Laborwerte angezeigt wurden und der Chirurg bei einer Operation zu viel Gewebe entfernte.

Für den Patienten könne das tödliche Konsequenzen haben, wenn die Leistungsfähigkeit der Restleber dann zu schwach sei, sagte Heyne. „Der neue Test erfasst auch die ersten Krankheitssymptome und kann deshalb Leben retten.“ Das Ergebnis ermöglicht es, den Patienten, abhängig vom jeweiligen Status der Leberfunktion, individuell genauer zu behandeln.

10.000 Tests mit Patienten wurden bereits erfolgreich absolviert. Humedics, das von Heyne und Stockmann gegründete Unternehmen, erwartet die offizielle Zulassung des Medikaments in Europa für das kommende Jahr. Für das Messgerät, das moderne Lasertechnik anwendet, liegt diese bereits vor. Eine klinische Studie mit 120 Patienten mit Lebertumoren hat vor mehr als einem Jahr begonnen.

500.000 Euro vom Gründerfonds

Der sogenannte LiMAx-Test misst die Enzymleistung der Leber, die bei einer Schädigung vermindert sein kann. Für die Messung wird dem Patienten ein eigens dafür entwickeltes Medikament (13C-Methacetin) verabreicht, das in der Leber verarbeitet wird. Die Konzentration des Abbauproduktes (Isotop), eine besondere Form von Kohlendioxid, wird dann mit einem innovativen neu entwickelten Gerät in der Atemluft gemessen. Selbst geringste Mengen des Isotops erkennt das Gerät.

Der High-Tech Gründerfonds (HTGF) investierte bereits 2010 rund 500.000 Euro in Humedics. Später kamen Peppermint Ventures und andere Investoren mit einer nicht genannten Summe dazu. „Mit dem Kapital konnten wir die Seriengeräte-Entwicklung und Zulassungsverfahren starten“, sagt Heyne.

Seit 2006 hat die Gründungsförderung Profund der FU rund 100 Ausgründungen von Kapitalgesellschaften unterstützt. Damit belegt sie Platz fünf im bundesweiten Ranking der großen Hochschulen. Die Ausgründungen der FU und der Charité haben rund 25 Finanzierungen durch den High-Tech Gründerfonds und die Investitionsbank Berlin erhalten. Die Universität stellt Gründern rund 35 Gründerräume auf dem Campus mit je drei bis vier Arbeitsplätzen kostenfrei zur Verfügung.

Humedics und andere Start-ups präsentieren sich derzeit in einer Ausstellung im Ludwig-Erhard-Haus. Die gemeinsame Ausstellung von Profund und der IHK Berlin zeigt bis zum 10. April im Foyer des Gebäudes erfolgreiche Unternehmen, die auf dem FU-Campus in Dahlem gegründet wurden.