Autobauer

Bei VW zählt nicht mehr nur die Größe

Autobauer setzt vor allem auf Profitabilität. Unternehmen erweitert Baukastenprinzip. Betriebsergebnis legt 2013 nur leicht zu

VW verabschiedet sich vorerst aus dem Rennen um die Weltmarktspitze. Statt Wachstum um jeden Preis will der Konzern mit seinen zwölf Marken künftig mehr an jedem verkauften Auto verdienen. Denn das von VW entwickelte System gleicher Bauteile für verschiedene Modelle bringt zunehmende Einsparungen. Damit hofft Konzernchef Martin Winterkorn, nach jahrelanger Gewinnstagnation die Früchte der kostspieligen Investitionen in das Baukastensystem ernten zu können. Sorgenfalten treibt ihm allerdings die Ukraine-Krise auf die Stirn, da Russland ein wichtiger Wachstumsmarkt für Europas größten Autobauer ist.

„Natürlich haken wird das Volumenwachstum damit nicht einfach ab“, sagte Winterkorn den in einem Hangar des stillgelegten Berliner Flughafens Tempelhof versammelten Journalisten. „Die Chancen stehen gut, dass wir die Marke von zehn Millionen Auslieferungen sogar schon in diesem Jahr übertreffen – vier Jahre früher als ursprünglich geplant.“ Den Fokus lege der Konzern künftig aber mehr auf die Qualität des Ergebnisses und seiner Fahrzeuge.

Bislang hatten die Wolfsburger insbesondere die begehrte Krone in der Autobranche im Blick und wollten Weltmarktführer Toyota vom Thron stoßen. Im abgelaufenen Jahr verkaufte Volkswagen weltweit einschließlich der beiden Lkw-Töchter Scania und MAN 9,73 Millionen Fahrzeuge. Der Konzern sieht sich damit als zweitgrößter Autobauer hinter Toyota und vor der Opel-Mutter General Motors. Für 2014 und 2015 kündigte Winterkorn mehr als 100 neue Modelle, Varianten und Produktaufwertungen an.

Mit bangen Blicken schauen die VW-Manager nach Osteuropa. Sollte sich der Streit zwischen dem Westen und Russland über die ukrainische Halbinsel Krim durch gegenseitige Sanktionen weiter aufschaukeln, rechnet der Wolfsburger Autobauer mit hohen Belastungen im Russland-Geschäft. Volkswagen unterhält in Kaluga rund 200 Kilometer südwestlich von Moskau ein Werk mit mehr als 5000 Beschäftigten. Mit rund 300.000 zuletzt verkauften Autos ist Russland für VW kein großer Markt. Allerdings setzt der Konzern auch dort in den nächsten Jahren auf Wachstum. Eine Verschärfung der Krise könnte einen Strich durch die Rechnung machen.

Im abgelaufenen Jahr stieg der Konzern-Betriebsgewinn auf knapp 11,7 (Vorjahr 11,5) Milliarden Euro. Dabei beginnt sich das Baukastensystem auszuzahlen: Bei der neuen Architektur sind bestimmte Baugruppen wie Achsen, Motor und Getriebe vergleichbar mit einem Legobaukasten so ausgelegt, dass sie nicht nur für einen Autotyp passen, sondern gleich für mehrere Modelle und Marken verwendet werden können. Dadurch soll die Zahl der Modellvarianten zunehmen, die Stückkosten sollen zugleich um 20 Prozent sinken, die Bauzeit soll sich je Auto um 30 Prozent verkürzen.

Bereits heute wird der VW Golf, der Audi A3, der Skoda Octavia und der Seat Leon nach diesem Prinzip gebaut. Als nächstes folgt die neue Generation des Mittelklassemodells Passat, die Ende 2014 auf den Markt kommen soll. Auch Elektroautos, bei denen VW nun stärker aufholen will, sollen mithilfe des Baukastens leichter gebaut werden können. Im laufenden Jahr soll sich die Zahl der Fahrzeuge aus dem Baukasten auf zwei Millionen verdoppeln. Bis 2016 soll sich die Zahl erneut verdoppeln – auf dann vier Millionen Stück.

Nach einem leichten operativen Gewinnplus 2013 steigt Winterkorns Gehalt auf 15 Millionen Euro. Damit dürfte er erneut der bestbezahlte Vorstandschef aller Konzerne im Deutschen Aktienindex Dax sein. 2012 hatte er eine halbe Million weniger kassiert. Schon damals war er der bestbezahlte Vorstandschef in Europa.

Der VW-Umsatz wuchs um zwei Prozent auf 197 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss brach jedoch um mehr als die Hälfte auf 9,1 Milliarden Euro ein. Im Vorjahr hatten Sondereffekte im Zusammenhang mit der Porsche-Übernahme die Bilanz aufgebläht.

Für Winterkorn lohnte sich das VW-Erfolgsjahr 2013 auch finanziell. Der Konzern belohnt ihn mit 15 Millionen Euro Vergütung. Die Summe liegt rund eine halbe Million Euro oder gut drei Prozent über dem Vorjahresniveau. Insgesamt erhalten die neun VW-Vorstände 64,1 Millionen Euro – ein Plus von gut 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert.

VW zeigt im ehemaligen Flughafen Tempelhof seine Elektro-Modelle. Zu sehen ist unter anderem der futuristische Flitzer XL1 zu sehen. Er läuft mit Mini-Diesel und Batterie. Die Veranstaltung ist von diesem Freitag an bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr für jeden geöffnet. Der Eintritt ist frei.