Versicherungen

Kunden schließen weniger Policen ab

Das Neugeschäft der Lebensversicherer wird vor allem von Einmalbeiträgen bestimmt

Knapp 92 Millionen Lebensversicherungsverträge gibt es in Deutschland. Doch die Zahl ist rückläufig: 2011 waren es rund 94 Millionen, 2012 immerhin noch 93 Millionen. Von einem Auslaufmodell möchte Alexander Erdland, Präsident des Versicherungsverbandes GDV, dennoch nicht sprechen. Die Lebensversicherung, so Erdland, biete Menschen immer noch genau das, was sie sich für ihre Altersvorsorge wünschten: „Unsere Kunden wollen Produkte, die sie ruhig schlafen lassen.“

Ziemlich genau das ist es auch, was Generationen von Versicherungsvermittlern Generationen von Altersvorsorgesparern versprochen haben: Sie müssten sich um nichts kümmern. Doch verfängt dieses Argument immer seltener. Das Neugeschäft mit regelmäßigen Beiträgen ging im vergangenen Jahr um 13,1 Prozent zurück, wie aus Zahlen hervorgeht, die der Verband in Berlin vorlegte.

Zwar sind die Beitragseinnahmen der Lebensversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent auf 90,8 Milliarden Euro gestiegen. Das lag jedoch nicht daran, das Menschen vermehrt klassische Lebensversicherungen abschließen würden. Verzeichnen können die Unternehmen einen deutlichen Anstieg im Geschäft mit Einmalbeiträgen.

GDV-Präsident Erdland erklärt das vor allem mit Kunden aus den geburtenstarken Jahrgängen der 60er-Jahre, die derzeit Erbschaften oder Kapitalauszahlungen aus ausgelaufenen Lebensversicherungen anlegen würden. Aber auch Einmalzahlungen von Firmen, die ihre Betriebsrentenverpflichtungen auslagern, um den niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten zu entgehen, schlagen sich hier nieder. 14,2 Prozent mehr Einmalbeiträge sind der Assekuranz zugeflossen – derzeit 25,7 Milliarden Euro.

Die Stagnation im Geschäft mit laufenden Beiträgen und der Rückgang der Neuabschlüsse spricht jedoch eine deutliche Sprache: Die Versicherer haben einen Großteil ihrer Sympathien in der Bevölkerung verspielt. Die Lebensversicherung, das gesteht auch die Branche selbst ein, ist in einer schlechten Verfassung. Drei „fundamentalen Kraftfeldern“ sei sie ausgesetzt, sagt Erdland: Niedrigzinsen, Veränderung der Regulierung und demografischer Wandel. Doch dass diese drei Schlagworte lange nicht alle Probleme widerspiegeln, weiß auch er.

An vielem, das Bürger heute davon abhält, eine Lebensversicherung abzuschließen, sind die Versicherer selbst zumindest nicht unschuldig. Ein Beispiel ist die aktuelle erneut unglückliche Diskussion um die Gesetzesänderung zur Beteiligung ausscheidender Kunden an Bewertungsreserven.

Bereits seit 2008 versuchen Verband und Unternehmen, zunächst die Politik, dann auch die Bürger zu überzeugen, dass eine Regeländerung notwendig ist. Inhaltlich stimmen dem auch Verbraucherschützer und Kritiker der Branche zu. Nun hat das Bundesfinanzministerium angekündigt, Versicherungswirtschaft und Vorsorgesparern entgegenkommen zu wollen, und strebt eine Gesetzesänderung an. Doch zufrieden geben sich die Versicherer damit nicht. Was sie vor Kurzem noch wünschte, sieht die Branche nun skeptisch. „Wir haben die Sorge, dass hier zu viel versucht wird“, sagt Erdland. Nach den Regierungsplänen sollen Kunden, deren Vertrag ausläuft oder die kündigen, künftig geringer an Kursgewinnen festverzinslicher Wertpapiere, den Bewertungsreserven, beteiligt werden. Zurzeit erhalten sie 50 Prozent der Reserven, die auf ihre Versicherung entfallen.