Gesetzentwurf

Kunden sollen Hilfspaket für Lebensversicherer zahlen

Die Beteiligung an den Reserven soll entfallen. Was die Versicherten jetzt wissen müssen

Lebensversicherer können in ihrem Kampf mit den Minizinsen an den Kapitalmärkten schneller als erwartet mit Hilfe durch die Politik rechnen. Noch in diesem Monat soll der Gesetzentwurf für ein entsprechendes Hilfspaket vorliegen. Für alle Versicherte, deren Verträge in diesem Jahr auslaufen oder die kündigen, könnte dies viel Geld kosten. Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ist geplant?

Die hälftige Beteiligung an den Bewertungsreserven soll abgeschafft werden. Ein Großteil dieser Reserven soll bei den Versicherungsnehmen bleiben und nicht den Kunden zugute kommen. Um den Vorwurf zu entkräften, eine solche Änderung komme nur den Versicherern zugute, soll die Branche Gegenleistungen erbringen. Die höchstens erlaubte Garantieverzinsung von heute 1,75 Prozent soll von 2015 an auf 1,25 Prozent sinken – was das Produkt noch unattraktiver machen würde. Auch eine Obergrenze für Provisionen ist in der Diskussion. Zudem soll die Verteilung der Gewinne zwischen Kunden und Aktionären der Lebensversicherer zu Gunsten der Kunden geändert werden.

Was sind Bewertungsreserven?

Die Bewertungsreserven der Gesellschaften sind die Differenz zwischen den aktuellen Marktwerten der Kapitalanlagen und deren Anschaffungskosten. Kurioserweise sind die hohen Reserven eine Folge der momentan niedrigen Zinsen. Denn die höher verzinslichen Papiere, die die Gesellschaften vor vielen Jahren gekauft haben, sind an der Börse heute viel mehr wert. So notiert eine im Januar 2000 begebene Bundesanleihe mit 30 Jahren Laufzeit derzeit bei 153,5 Prozent. Eine Versicherung, die dieses Papier 2000 gekauft hat, sitzt auf einer Reserve von mehr als 50 Prozent.

Weil die Bewertungsreserven an der Entwicklung der Märkte hängen, schwanken sie sehr stark. 2008 waren sie sogar negativ. Der sprunghafte Anstieg seither erklärt sich aus dem Rückgang des Zinsniveaus. So lag die Umlaufrendite, das ist die Verzinsung aller umlaufenden Bundesanleihen, im Sommer 2008 noch bei 4,8 Prozent. Heute notiert sie bei 1,3 Prozent.

Um welche Papiere geht es?

Strittig sind nur die Bewertungsreserven auf festverzinsliche Papiere. Denn diese fallen nur vorübergehend in einer Niedrigzinsphase an, am Ende der Laufzeit betragen sie Null. So wird die 30-jährige Bundesanleihe am 4. Januar 2030 zu 100 Prozent zurückgezahlt. Eine Versicherung, die den Titel bis zum Ende hält, macht damit keine Kursgewinne. Buchgewinne auf Aktien oder Immobilien sollen von der Neuregelung nicht betroffen sein. Denn hier sind dauerhafte Wertzuwächse möglich, an denen die Versicherungskunden auch laut Bundesverfassungsgericht beteiligt werden müssen.

Um welche Summen geht es?

Die Reserven auf festverzinsliche Wertpapiere betragen derzeit rund 58 Milliarden Euro. Das entspricht rund sieben Prozent gemessen an den Anlagen in Anleihen. Allerdings handelt es sich nur um einen Durchschnittswert. Bei einzelnen Gesellschaften, die in lang laufende Anleihen investiert haben, dürften die Bewertungsreserven deutlich höher liegen.

Wer profitiert, wer verliert?

Verlierer der Neuregelung wären vor allem jene Kunden, deren Verträge in diesem oder den kommenden Jahren auslaufen. Denn die bestehende Regelung hat dazu geführt, dass Kunden, deren Police in der Niedrigzinsphase ausläuft, einen Bonus bekommen. Weil damit weniger Geld im Topf der Versicherten ist, geht das zu Lasten jener, deren Verträge erst in einigen Jahren auslaufen. Für sie sind weniger Reserven vorhanden.

Muss man jetzt handeln?

Kunden, deren Police dieses oder nächstes Jahr ausläuft, oder die ohnehin kündigen wollten, sollten schnell, aber bedacht handeln. Nicht immer ist eine Kündigung von Vorteil. Schließlich büßen Sparer den Schlussüberschuss ein, der als Durchhalteprämie gewährt wird. Ratsam ist es, sich rasch bei der Versicherung nach dem Stand der Bewertungsreserven und den möglichen Schlussgewinnanteile zu erkundigen.