Einzelhandel

Lidl kritisiert niedrige Fleischpreise – und zieht mit

Die Billigsupermarktkette Lidl kritisiert aus Gründen des Tierwohls die Preissenkungen der Wettbewerber für Rindfleisch- und Hähnchenfleischprodukte – schließt sich aber dennoch an.

Lidl werde die von einem Wettbewerber ausgelöste Preissenkungsrunde „mit sofortiger Wirkung nachvollziehen“, damit „preissensiblen Kunden“ kein Einkaufsnachteil entstehe, teilte der Discounter am Montag in Neckarsulm mit. Die Kritik daran könne Lidl sehr gut nachvollziehen. Die Supermarktkette appellierte an die Branche, ein Preisniveau im Frischfleischsektor zu finden, „das die richtigen und wichtigen Anstrengungen für mehr Tierwohl unterstützt“.

Marktführer Aldi und in Folge weitere Wettbewerber hatten am Sonnabend die Preise für Produkte aus Rindfleisch, Hähnchen- und Putenfleisch gesenkt. Aldi gehört wie Lidl zur im Herbst angekündigten Initiative Tierwohl: Die Supermärkte wollen Landwirte für die artgerechtere Haltung von Schweinen und Hühnern besser bezahlen. Die Initiative soll in diesem Jahr noch starten.

Die Supermärkte wollen in einen Fonds einzahlen, aus dem Bauern einen Zuschuss dafür erhalten, dass sie ihre Tiere gut behandeln: Dazu zählt etwa, dass die Landwirte den Tieren mehr Platz oder Auslaufmöglichkeit geben oder auf die Kastration von Ferkeln oder das Schnabelkürzen bei Hühnern verzichten. Die Handelsunternehmen wollen dann mit dieser „Tierwohl“-Initiative für sich werben. Der Bauernverband sieht eine Chance, aus dem Dilemma auszubrechen, dass die Verbraucher zwar mehr Tierwohl fordern, das Fleisch aber kaum jemand kauft, weil es zu teuer ist. Seit Januar hat Discount-Marktführer Aldi Schlag auf Schlag die Preise für Eier, Instant-Kaffee, Frühstücks-Cerealien, Wein, Fisch, Butter und jetzt auch Fleisch gesenkt. Für Marktforscher Wolfgang Adlwarth von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ist die Aldi-Preisoffensive strategisch gut nachzuvollziehen: „Das Unternehmen will sein Image als Preisführer schärfen.“