Gründerzeit

Ein Pinterest für das Geschäftsleben

Jürgen Stüber über das Berliner Business-Netzwerk „Somewhere“. Die Xing-Alternative will kein Lebenslauf sein

Plattformen wie Xing und vor allem LinkedIn gelten als Business-Netzwerke. Dort vernetzen sich Menschen, dokumentieren die Stationen ihrer Ausbildung und ihrer Karriere und hoffen darauf, dass vielleicht ein Headhunter auf das Profil aufmerksam wird und eine neue Stelle anbietet. Postings in den Feeds dieser Plattformen wirken beliebig. Man fragt sich, ob die eigenen öffentlichen Nachrichten dort jemals gelesen werden. Und persönliche Nachrichten laufen Gefahr, schnell in Vergessenheit zu geraten. Denn wozu soll man dort nachsehen, wenn man doch Messenger-Dienste, E-Mail und Twitter nutzt.

Ein Berliner Start-up ist angetreten, Business-Netzwerke neu zu erfinden. Justin McMurray und Duncan Gough sind seit Anfang 2012 mit ihrer Plattform „Somewhere“ online und haben sich vorgenommen, eine Alternative zu Xing und LinkedIn aufzubauen, die sich von der rückwärts gewandten Lebenslauf-Perspektive emanzipiert. Optisch lehnt sich die Plattform an Pinterest an: Nutzer zeigen Fotos mit kurzen Texten – maximal 250 Zeichen sind erlaubt. Für eine iOS-App gibt es bereits einen Prototypen.

„Somewhere“ befindet sich noch in der geschlossenen Testphase („Betaphase“), gerade deshalb lohnt ein Blick hinter die Kulissen. „Was machst du wirklich?“ lautet die Frage auf der Startseite der Internetplattform, die sich als ein visuelles Forum versteht, um Kommentare, Bilder und Links über das eigene Berufsleben zu teilen. „Somewhere“ adaptiert hier das Twitter-Prinzip: Man folgt Nutzern, die für einen selbst relevant sind, und diese tun das entsprechend.

„Somewhere“ verfolgt wie auch die etablierten Business-Netzwerke das Ziel, eine Stellenbörse aufzubauen, wobei hier eher kleine und mittlere Unternehmen im Fokus stehen – am ehesten wohl aus der Szene der Internet-Start-ups und der Kreativbranche. So nimmt es nicht Wunder, dass sich die Nutzer mit anderen Inhalten präsentieren als in den Netzen der Schlipsträger.

Eine Autorin teilt mit, dass sie gerade an ihrem zweiten Roman schreibt. Sie zeigt ein Foto des Manuskripts. In einer anderen Bildkachel sieht man, dass „Somewhere“-Mitgründer Justin McMurray gerade ein Start-up in Kopenhagen besucht. In einem weiteren Posting erfahre ich, welches Buch er gerade liest. Und dann stolpere ich über die Nachrichten eines Investors und sehe, wo er sich so rumtreibt und was ihn beschäftigt.

„Somewehere“ gibt seinen Nutzern Schlagworte vor, zu denen sie sich äußern können. An welchen Projekten hast du mitgearbeitet? Welche Themen interessieren dich? Was gefällt dir an deiner Arbeit am besten? Woran arbeitest du gerade? Das sind einige der Fragen, die „Somewhere“ stellt. Zugleich sind das – wieder nach Pinterest-Vorbild – eine Art Ordner, in die die Antworten der Nutzer – im Jargon der Plattform „Sparks“ („Funken“) genannt – gruppiert werden. Eine neue Übersicht zeigt alle Fragen an, die innerhalb des Netzwerkes beantwortet werden können. Eine weitere Einstellung ermöglicht, sich Sparks zu einzelnen Unternehmen anzeigen zu lassen.

„Somewhere“, das seine Büros im Kreuzberger Betahaus hat, hat es mittlerweile in den Fokus der wichtigsten internationalen Branchenblogs geschafft: Gigaom, TechCrunch und TheNextWeb berichteten über die Gründer in Berlin und ihr „Pinterest für das Geschäftsleben“. Angesichts 14 Millionen Xing- und 280 Millionen LinkedIn-Nutzer ist „Somewhere“ ein ambitioniertes Projekt. Ein Besuch lohnt.