Energieunternehmen

Solon schließt Berliner Werk

Mutterkonzern produziert Solarmodule nur noch im Emirat Fujairah. Kündigung für 230 Angestellte

Beim Solarmodulhersteller Solon in Berlin gehen am 30. April die Lichter aus. Das Unternehmen zieht mit seinem Sitz in den Nahen Osten, um sich den dort wachsenden Märkten zuzuwenden, wie der Berliner Solon-Chef Lars Podlowski am Freitag sagte. „Der Standort Adlershof war seit geraumer Zeit defizitär, und es bestand auch keine Chance, ihn profitabel zu bekommen“, sagte Podlowski. 230 Beschäftigte bekommen die Kündigung, am Freitag begannen Gespräche mit dem Betriebsrat.

Berlin verliert ein Unternehmen, dass einmal als Hoffnungsträger galt. Vor einigen Jahren zählte Solon nach eigenen Angaben noch zu den größten Modulherstellern Europas. Ende 2011 war Solon allerdings in die Insolvenz gerutscht. Wenige Monate nach der Pleite wurde das Unternehmen vom indisch-arabischen Unternehmen Microsol übernommen. Nun zieht Solon zur Muttergesellschaft in das Emirat Fujairah. Dort steht auch die größte Fabrik des Unternehmens. „Es ist eine Entscheidung, die uns extrem schwergefallen ist“, sagte Podlowski. Bis zur Pleite vor zweieinhalb Jahren war Solon ein Ankerunternehmen des Technologiestandorts Adlershof, auf dem sich derzeit rund 40 Unternehmen mit Photovoltaik und Erneuerbaren Energien beschäftigen. Insgesamt beschäftigen die Unternehmen 1200 Mitarbeiter. „Der Verlust von Arbeitsplätzen ist auch für uns Standortentwickler eine große Enttäuschung“, so ein Sprecher der Wista Management, „der Wachstumsstrategie unseres Technologiestandorts wird dies jedoch keinen Abbruch tun.“ In Adlershof sind nach Wista-Angaben 1000 Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen angesiedelt. Im Jahr 2013 seien per Saldo über 600 neue Arbeitsplätze entstanden.

Harte Konkurrenz aus Asien

Solon soll weiter bestehen, eben nur nicht mehr in Berlin. „Es beginnt eine neue Ära“, sagte Podlowski. Deutschland bleibe ein wichtiger Markt für Solon, Asien und Nordafrika spielten aber eine immer wichtigere Rolle. Dass Deutschland die Solarförderung gekürzt hat, sei nicht entscheidend. Die Beschäftigten hatten am Donnerstag erfahren, dass sie ihre Jobs verlieren. Podlowski sicherte ihnen am Freitag eine geordnete Schließung zu. „Kein Mensch soll auch nur einen Euro verlieren.“ Eine Transfergesellschaft schloss er aus. Unterstützung bekommt die Belegschaft von der IG Metall. Sie wolle helfen, einen Sozialplan zu verhandeln, „damit die Beschäftigten bis zum Ablauf der Kündigungsfrist ihr Gehalt bekommen und hoffentlich auch Abfindungen“, so Klaus Abel von der IG Metall Berlin.

Außer aus Berlin kommen Solon-Produkte in Deutschland auch aus Greifswald, wo das Unternehmen ML&S für Solon produziert. „Es gibt keine Pläne, die Zusammenarbeit mit Greifswald zu beenden“, versicherte Podlowski. Greifswald produziere für Solon monatlich Solarmodule mit einer Leistung von drei bis fünf Megawatt. Das Werk in Fujairah fertigt 300 Megawatt im Jahr.

Die deutsche Solarindustrie, die einst weltweit eine Führungsrolle beanspruchte, wird damit um einen weiteren Anbieter ärmer. In den vergangenen Jahren bekamen schon mit Solarworld, Q-Cells und Solar Millennium mehrere bedeutende Unternehmen ernste Probleme oder mussten Insolvenz anmelden. Auch Siemens zog sich nach hohen Verlusten aus der Solarenergie zurück. Zuletzt hatte sich Bosch nach Milliardenverlusten von der Solarsparte getrennt.

Einer der Gründe für die Misere ist die harte Konkurrenz aus Asien. Die Unternehmen dort stellen Solarpanels zu einem Bruchteil der Kosten her, die hierzulande anfallen. Die Branche beklagt, dass die Hersteller in Asien mit hohen Subventionen gefördert werden. Aber auch das energiepolitische „elende Hickhack“ zwischen den Ministerien der alten, schwarz-gelben Bundesregierung hätten die Rahmenbedingungen verschlechtert, so die IG Metall.

Die Region Berlin-Brandenburg hat die Solarkrise besonders hart getroffen: Odersun hat Konkurs gemeldet, First Solar sein Werk in Frankfurt (Oder) mit 1200 Beschäftigten geschlossen, die Werke der insolventen Conergy in Frankfurt und Rangsdorf wurden verkauft. Zuletzt hatte Bosch sein Aleo Solar-Werk in Prenzlau verkauft, von 590 Stellen sollen 200 übrig bleiben.