Technik

Rolls Royce startet durch

Briten planen bei Berlin den Bau einer neuen Generation von leisen Flugzeugtriebwerken

Der britische Triebwerkhersteller Rolls Royce startet in seinem Werk in Dahlewitz (Kreis Teltow-Fläming) südlich von Berlin in eine neue Ära. Das Unternehmen will am Standort neuartige Flugzeugtriebwerke produzieren. Dazu wird Rolls Royce einen hohen dreistelligen Millionenbetrag investieren. Für die Industrie der Hauptstadtregion bedeutet die Strategie der Briten einen enormen Schub.

Heute beginnt das Mammut-Vorhaben mit dem ersten Spatenstich für ein Getriebe-Testzentrum. 67 Millionen Euro lässt sich das Unternehmen das Projekt kosten, was nach Angaben aus der Luftfahrtindustrie die Grundlage für einen technologischen Paradigmenwechsel bei Rolls Royce darstellt. Bisher stellten die Briten nur Triebwerke ohne Getriebe her. Dieses Segment deckte vor allem der amerikanische Wettbewerber Pratt & Whitney ab. Der Vorteil eines Getriebes in der Flugzeugmaschine ist ähnlich wie beim Auto: Langsam laufende Triebwerke verbrauchen weniger Treibstoff und sind leiser – in Zeiten erbittert geführter Debatten um Fluglärm ein wichtiges Argument der Fluggesellschaften gegenüber den Kunden.

„Rolls Royce bereitet eine komplett neue Triebwerksfamilie vor“, sagte Udo Rudolph. Der Geschäftsführer der Berlin Brandenburg Aerospace Alliance (BBAA) ist der wichtigste Lobbyist der regionalen Luftverkehrsindustrie. Die Branche befindet sich trotz des Image-Schadens durch das Debakel beim Flughafenbau im Aufwind und beschäftigt vor allem in Berlin und im Speckgürtel 25.000 Menschen in 100 Unternehmen. Nach Hamburg und München ist Berlin-Brandenburg drittgrößter Luftfahrt-Standort in Deutschland.

Bisher stellt Rolls Royce in Dahlewitz Triebwerke für kleinere Business-Jets her und baut die Antriebe für den Airbus A320 aus vorgefertigten Teilen zusammen. Um den neuen Typ Triebwerke zu produzieren, solle der Standort Dahlewitz nach den Worten Rudolphs „komplett neu eingerichtet werden“. Hier werden künftig auch Triebwerke für große Verkehrsflugzeuge gefertigt. Die Projekte dafür habe der Konzern „in der Pipeline“, die Spitze habe die Strategie genehmigt.

Die Politiker in Brandenburg und im Bund sind hochinteressiert an den in Aussicht stehenden Investitionen und den damit einhergehenden zusätzlichen Arbeitsplätzen. Dem Vernehmen nach hat sich die Region Berlin vor allem wegen des guten Angebots an Fachkräften im konzerninternen Wettbewerb gegen andere Standorte durchgesetzt.

2000 Arbeitsplätze bei Rolls Royce

Derzeit verhandelt Rolls Royce mit dem Land und der Bundesregierung auch um Fördermittel. Im Zuge der ersten Investition in das Testzentrum beteiligt sich das Land Brandenburg mit 12,5 Millionen Euro an den Kosten von 67 Millionen Euro.

Der Bedeutung der Zukunftsinvestition für die Region und die deutsche Luftverkehrsindustrie entsprechend ist der Auftritt von Polit-Prominenz bei der Grundsteinlegung am Mittwoch. Neben Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) hat Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sein Erscheinen ebenso angekündigt wie Brigitte Zypries (SPD). Die frühere Bundesjustizministerin ist Koordinatorin für Luft- und Raumfahrt im Wirtschaftsministerium von Sigmar Gabriel.

Der Name Rolls Royce ist vor allem für seine luxuriösen Automobile bekannt. Tatsächlich war die Auto-Manufaktur auch der älteste Teil des Konzerns. Inzwischen gehört die Autoproduktion zu BMW, der Triebwerkhersteller Rolls Royce plc ist an der Londoner Börse gelistet. Der britische Konzern baute nach dem Mauerfall noch im Gemeinschaftsunternehmen mit BMW ein neues Werk auf die grüne Wiese neben den Berliner Ring in der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow. Inzwischen arbeiten hier 2000 Menschen. Zusammen mit MTU in Ludwigsfelde bildet Rolls Royce das industrielle Schwergewicht der Branche in Berlin-Brandenburg, um das sich die Vielzahl kleinerer Mittelständler gruppiert.

Bisher hat die Luftfahrtbranche die Verzögerungen beim Bau des BER einigermaßen gut überstanden. Viele derzeit noch über die Region verteilten Unternehmen sehen den BER als Baustein ihrer Zukunft und erwägen nach Angaben der BBAA, ihren Standort dorthin zu verlegen. Die Magnetwirkung hinge aber davon ab, ob es ausreichend Flugverkehr geben werde. Wenn Jets aus Asien oder den USA den BER regelmäßig anfliegen würden, bräuchten diese vor Ort auch Dienstleistungen lokaler Firmen.