Gründerzeit

App und Kreditkarte fürs Taschengeld

Jürgen Stüber über das Start-up Papayer und seine Zusammenarbeit mit dem Konzern MasterCard

Ob Amazon, iTunes, Ebay oder andere Onlineshops – Sie haben nur für Kunden geöffnet, die über digitales Geld verfügen. Viele Jugendliche gehören bislang nicht dazu. Es sei denn, Eltern oder ältere Freunde borgen ihnen eine Kreditkarte aus. Das muss jetzt nicht mehr sein. Denn künftig können auch Teenager weltweit bargeldlos bezahlen – mit eigener Karte.

Das Berliner Start-up Papayer bietet dazu eine Lösung an, die eine Smartphone-App und eine Prepaid-Karte von MasterCard umfasst. Ihre Nutzer lernen auf diese Weise dem Umgang mit „Plastikgeld“. Die Gründer sehen ihre Karte als pädagogisches Angebot: „Mit Papayer lernen Jugendliche frühzeitig mit elektronischem Geld umzugehen“, sagt Gründer Valentin Stalf. „Kinder wollen online einkaufen“, findet auch Gründer Maximilian Tayenthal.

Die Papayer Prepaid MasterCard ist mit einer mobilen Smartphone-App für Eltern und Teenager verbunden. Über den einen Zugang ermöglicht die App Teenagern die selbstständige Kontrolle über die eigenen Ausgaben. Jugendliche können online und offline in einem realen Umfeld einkaufen – weltweit an jenen 35 Millionen Stellen, an denen die MasterCard akzeptiert wird.

Alle Einkäufe, die ein Teenager mit der Prepaid-Karte tätigt, werden in der App in verschiedenen Kategorien wie Essen und Trinken oder Shopping angezeigt. Außerdem können zu Einkäufen Fotos und Notizen angefügt werden, die auch via Facebook mit Freunden geteilt werden können.

Eltern können über ihren Zugang unterstützen und die Karte aufladen oder sperren. Sie können aber auch, wenn gewünscht, Ausgaben mitverfolgen. Da es sich bei Papayer um ein Prepaid-Produkt handelt, gibt es kein Kredit- oder Überziehungsrisiko. Gut ein Jahr nach seiner Gründung und nach dem erfolgreichen Abschluss einer mehrmonatigen Testphase hat das Berliner Start-up Papayer seine Plattform jetzt geöffnet.

In den Google (Play Store) werden die Apps angeboten. Die Karte und die App werden kostenfrei ausgegeben. Der Dienst kostet allerdings 2,95 Euro pro Monat für die Verwaltung des Kontos und die Nutzung der App. Für Bargeldabhebungen an Automaten werden 1,70 Euro fällig (im Ausland 1,99 Euro). Beim bargeldlosen Einkauf fallen keine Gebühren an.

Die Karte lässt sich auch bei Auslandsreisen des Kindes nutzen. Geldbeträge können in Echtzeit vom Konto der Eltern auf die Karte überwiesen werden. Die Aufladung hilft dabei, dass Kinder bei Auslandsreisen oder dem Schüleraustausch keinen großen Bargeldbetrag mit sich führen müssen und dass im Notfall sofort Geld überwiesen werden kann.

Einer Studie des Münchner Marktforschungsunternehmens Youngcom zufolge nutzen bereits 47 Prozent der Jugendlichen Onlinebanking. 39 Prozent der Befragten gaben an, mit Kreditkarten zu zahlen. Doch mit der Finanzkompetenz von Jugendlichen steht es nicht zum Besten, wenn man einer Studie des Bankenverbandes glaubt: Mehr als jeder zweite Jugendliche oder junge Erwachsene (54 Prozent) räumte ein, sich in Geld- und Finanzfragen kaum oder gar nicht auszukennen.

Papayer wurde im Februar vergangenen Jahres von Valentin Stalf (28) und Maximilian Tayenthal (33), gegründet und beschäftigt derzeit ein Team von zehn Mitarbeitern in Berlin und London.

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