Geldanlage

Einfach liegen lassen

Wie Sie vom Tagesgeldkonto über Energieversorger bis zum Aktiendepot die Weichen für finanziellen Mehrwert stellen

„Tu, was du willst“ – mit diesem Geschenk entlässt die Kindliche Kaiserin in der „Unendlichen Geschichte“ von Michael Ende Held Bastian in eine Welt voller Möglichkeiten. Doch Bastian muss leidvoll erfahren, dass nichts schwieriger ist, als genau diese Freiheit zu nutzen und sich richtig zu entscheiden. Je aktiver er wird, desto mehr verstrickt er sich im Unglück und begreift erst nach mühevoller Suche, was der Satz wirklich bedeutet.

Wie Bastian im berühmten Kinderbuch geht es vielen Deutschen auch im Alltag. Besonders in Gelddingen wird die Freiheit immer anstrengender. Plötzlich gilt es, ständig den günstigsten Energieanbieter zu finden. Beim Ersparten hüpft man von einer Bank zur anderen, um auch noch den letzten Zehntelpunkt bei den Zinsen herauszuholen. Bei Aktien ist man stets auf der Suche nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt. Doch es ist möglich, souverän finanzielle Weichen zu stellen, ohne vor lauter Entscheidungsstress unglücklich zu werden. Die Berliner Morgenpost stellt die cleversten Ideen vor, mit denen sich das Leben in Finanzdingen entrümpeln lässt.

Tagesgeld Der Düsseldorfer Finanzexperte Udo Keßler hat die passende Simplify-Strategie für der Deutschen liebste Geldanlage entwickelt: das Tagesgeldkonto. Dafür hat er den Markt der Tagesgeld-Anbieter untersucht. Der Großteil der Banken lockt die Sparer zunächst mit weit überdurchschnittlichen Zinskonditionen. Haben dann genügend Anleger zugeschlagen, werden die Zinsen nach einiger Zeit still und heimlich gekürzt. Dann gibt es oft nur noch Magerkost.

Daneben gibt es aber einige Institute, die ihren Stammkunden auf dem Tagesgeldkonto dauerhaft überdurchschnittlich hohe Zinsen bieten. Die mögen vielleicht nicht immer unter den führenden Geldhäusern in den Ranglisten auftauchen, doch für die Verbraucher sind diese bares Geld wert. „Clevere Sparer, die in den vergangenen zwölf Jahren auf eines der nachhaltig erstklassigen Tagesgeldhäuser gesetzt haben, sind damit exzellent gefahren“, sagt Keßler. Bei einem Anlagebetrag von 10.000 Euro kommen sie auf ein Zinsplus von bis zu 960 Euro gegenüber einem durchschnittlich verzinsten Tagesgeldkonto.

1822direkt der Frankfurter Sparkasse, ING-DiBa, Santander Consumer Bank, SKG Bank sowie Volkswagen Bank direct zahlten von Anfang 2002 bis Ende 2013 überdurchschnittlich Zinsen auf Tagesgeld, wie die FMH-Finanzberatung im Auftrag des Düsseldorfer Studienautors ermittelte. Als Messlatte diente dabei der FMH-Tagesgeld-Index. Dem FMH-Index zufolge zahlten die Banken in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt 1,8 Prozent für Tagesgeld ab dem ersten Euro. Am meisten vergüteten sie 2008 mit durchschnittlich 3,2 Prozent. 2013 gab es nur magere 0,8 Prozent.

Stromanbieter Auch bei der Wahl des Energieversorgers fühlen sich viele Verbraucher überfordert. Zwar sind die Märkte für Strom und Gas bereits seit Ende der 1990er-Jahre liberalisiert. Doch in der Praxis können die Bundesbürger erst seit wenigen Jahren wirklich frei ihren Anbieter wechseln. Wer nicht seine Lebenszeit mit Neukundenbonus, Wechselprämien oder dem Kleingedruckten verschwenden möchte, wählt eine ähnliche Strategie wie beim Tagesgeld. Auch an den Energiemärkten lassen sich bestimmte Firmen ausmachen, die dauerhaft bessere Konditionen als der Durchschnitt haben. Und wie beim Tagesgeld handelt es sich nicht um die Marktschreier, die stets die vorderen Plätze in den Preislisten der Vergleichsportale anführen, wie eine Langfristanalyse des Vergleichsportals Verivox offenbart.

Zu den günstigen Stromanbietern gehören die Tochter der Pfalzwerke, 123Energie, Vattenfall mit seinem Spezialtarif Easy12 und die ebenfalls bundesweit tätigen Stadtwerke Flensburg. Gegenüber dem Durchschnitt sind diese Tarife zehn Prozent günstiger, und im Vergleich zum Grundversorgertarif lassen sich 16 Prozent sparen.

Aktien Ausgerechnet eine der langfristig lukrativsten Anlageformen bereitet Sparern den größten Stress: Aktien. Viele Bundesbürger haben zwar verinnerlicht, dass sie für ihre Altersvorsorge oder den generellen Vermögensaufbau daran nicht vorbeikommen. Doch Auswahl, Timing und Angst vor Verlusten hält viele ab. Mit einem Aktiensparplan können sich Anleger das Leben aber leichter machen. Denn dieser besticht oft durch einen reduzierten, aber dennoch effizienten Ansatz, entspricht also genau dem Credo der Entrümpelungsgurus: Man trifft einmal die Entscheidung, anschließend passieren die Zukäufe automatisch.

Um ähnlich wie bei der Auswahl von Strom- und Gasanbietern und Tagesgeldkonten auch bei Aktien nachhaltig investiert zu sein, sollte man zudem auf Dividendenstärke achten. Hier empfiehlt sich die Investition in Indexfonds (ETF) mit sogenannten Dividendenaristokraten. Das sind Werte, die über mindestens eine Dekade erwiesen haben, dass sie ihre Dividende immer leisten.

In der „Unendlichen Geschichte“ erreicht Bastian sein Glück, indem er Verantwortung abgibt. Im wahren Leben könnte das Prinzip des Weniger dabei helfen, sich auf die wirklich wichtigen Sachen zu konzentrieren.