Stellenabbaut

Barmer streicht jede fünfte Stelle

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Auch die 1250 Mitarbeiter in Berlin und Brandenburg bangen um ihre Beschäftigung

Deutschlands größte Krankenkasse, die Barmer GEK, baut 3500 Stellen ab. Die Belegschaft von derzeit 16.900 Mitarbeitern wird damit mittelfristig um etwa 20 Prozent reduziert. Grund für den Stellenabbau sei eine „tiefgreifende Reorganisation von Geschäftsstellennetz und Arbeitsorganisation“, teilte Barmer am Montag mit. Die Krankenkasse reagiere damit auf ein verändertes Kundenverhalten und Marktumfeld.

Wie stark die Hauptstadtregion betroffen sein wird, lasse sich derzeit noch nicht abschätzen, so Barmer-Sprecherin Viola Matzke. 1250 Mitarbeiter sind in Berlin und Brandenburg beschäftigt. Sie sind unter anderem in Verwaltung, Controlling, Beitragsabteilung und im direkten Kundenkontakt tätig.

Sollte auch hier ein Fünftel der Stellen wegfallen, wären rein rechnerisch 250 Mitarbeiter betroffen. Doch damit rechnet Matzke nicht. „Der Stellenabbau wird nicht einfach prozentual auf die Bundesländer übertragen, sondern orientiert sich an den Strukturen“, so Matzke. „Über die konkrete Umsetzung ist derzeit noch nichts bekannt, das wird sich in den kommenden Monaten entscheiden.“ Aus Thüringen ist beispielsweise schon bekannt, dass dort mobile Geschäftsstellen zur Betreuung der Versicherten geplant sind. Zudem solle der Bereich Hausbesuche ausgebaut werden.

„Unsere Analysen zeigen, dass immer mehr Versicherte ihre Anliegen am Telefon oder im Web erledigen und weniger in die Geschäftsstellen kommen“, sagte der Barmer-Vorstandsvorsitzende Christoph Straub. Die Kasse will daher in den Aufbau der Telefon- und Onlineservices investieren und gleichzeitig die Zahl der Geschäftsstellen auf rund 400 bundesweit reduzieren.

Die Barmer begründet den Umbau auch mit schlechteren Marktbedingungen. „Die noch gute Finanzausstattung der Krankenkassen wird sich spürbar verschlechtern. Während die Ausgaben für Medikamente, Kliniken und Ärzte anziehen, stehen auf der Einnahmeseite reduzierte Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds bevor“, sagte Straub.

Bessere Kundenbetreuung

Mit der Neuausrichtung peile die Krankenkasse jährliche Einsparungen in Höhe von rund 250 bis 300 Millionen Euro an. „Das ist kein Sparprogramm“, betonte Straub im Gespräch mit dem ARD-„Morgenmagazin“, „sondern wir verändern uns mit dem Trend der Zeit.“ Befürchtungen einer Serviceverschlechterung trat Straub entgegen: Die Betreuungsqualität solle sogar gesteigert werden. „Wir erhöhen die Servicekompetenz, indem mehr Mitarbeiter in Geschäftsstellen arbeiten, um einen Rundumservice zu garantieren.“

Ob es betriebsbedingte Kündigungen geben solle, sagte Straub nicht. Er verwies darauf, dass die Barmer „in enger Abstimmung mit unserer Personalvertretung selbstverständlich sozialverträglich die Anpassungen vornehmen“ werde. Die Gewerkschaft Verdi forderte umgehend Tarifverhandlungen. Auch andere Kassen führen Veränderungen durch. Ein Sprecher der DAK-Gesundheit sagte, dass seit 2010 jährlich rund 1000 Mitarbeiterkapazitäten abgebaut worden seien. Zurzeit sind es dort gut 11.000 Mitarbeiter. Die Zahl der Service-Zentren soll von 671 in diesem Jahr auf 574 sinken. Mehr Beratung gebe es mittels Telefon und Mail. Eine Sprecherin der Techniker Krankenkasse (TK) sagte: „Wir haben schon vor Jahren eine Spezialisierung in Zentren vorgenommen.“ Gemessen an den Versicherten lief die TK der Barmer GEK im Januar den Rang als größte Kasse ab.

( AFP/dpa/vis )