Technik

Deutsche Autos: Ein Musterbeispiel für gute Qualität

Nach einer Studie der Prüforganisation Dekra liegen heimische Fahrzeuge in sechs von neun Klassen vorn. Entscheidungshilfe für Käufer

Dekra-Chef Gerd Neumann ist vorbereitet. Minutenlang referiert er über die Methoden des Gebrauchtwagenreports seines Prüfkonzerns. „Wir sind nicht in der Not, Zahlen zu manipulieren“, versucht er kritische Frager zu beschwichtigen. „Wir adressieren den Kunden, wir sind nicht interessiert am Hersteller“, sagt er mit Blick auf die Manipulationen bei der Vergabe des „Gelben Engel“ des ADAC. Der aktuellen Untersuchung seiner Organisation zufolge laufen die Gebrauchtwagen deutscher Hersteller besonders zuverlässig. Im Gebrauchtwagenreport, den die Dekra am Mittwoch in Stuttgart vorstellte, belegten sie in sechs von neun Fahrzeugklassen den ersten Platz. Nur in der Mittelklasse sowie bei Transportern und Kleintransportern stachen ausländische Konkurrenten hervor, zu denen auch die VW-Tochter Skoda gezählt wird.

Unter Berücksichtigung der verschiedenen Kilometerstände schnitten die Deutschen in 20 von insgesamt 27 Kategorien am besten ab. Für die Aufstellung wertet die Dekra 15 Millionen von den Prüfern durchgeführte Hauptuntersuchungen aus zwei Jahren aus. Die Stuttgarter Prüforganisation hat eigenen Angaben zufolge einen Marktanteil von 35 Prozent.

Wartungsmängel, die der fehlenden Sorgfalt des Halters zuzuschreiben sind, fließen nicht in die Bewertung ein. Dazu gehören abgefahrene Reifen, verschlissene Wischerblätter oder defekte Außenspiegel. Probleme mit der Elektrik, defekte Bremsen oder schlechte Abgaswerte sorgen dagegen für Punktabzug. „Hier kommen keine subjektiven Bewertungen mit rein“, betonte Neumann. Mit dieser Spezialauswertung sei sichergestellt, dass in erster Linie gebrauchtwagenspezifische Mängel in die Statistik einfließen. „Das trägt ebenso zur statistischen Aussagekraft unseres Reports bei wie die Untergrenze bei der Stückzahl. Denn nur wenn wir im Auswertungszeitraum von einem Fahrzeugmodell im jeweiligen Laufleistungsbereich mindestens 1000 Exemplare geprüft haben, taucht das Modell mit Zahlen im Report auf“, erläuterte Neumann. Seltene Modelle sind in der Aufstellung deshalb nicht zu finden.

Für die Auswertung des Gebrauchtwagenreports ist die Laufleistung laut Dekra eine wichtige Kenngröße, denn sie ist aus Sicht der Experten für die Mängelanfälligkeit eines Autos entscheidender als dessen Alter. Bei den Modellen jeder Fahrzeugklasse werden jeweils drei Laufleistungsbereiche unterschieden: Null bis 50.000 Kilometer, 50.001 bis 100.000 und 100.001 bis 150.000 Kilometer.

Beim Dekra Mängelindex (DMI) erzielte der Audi A1 in der Klasse der Mini- und Kleinwagen das beste Ergebnis. Die Kompaktklasse wird vom BMW 1er angeführt. Der Volvo S60/V60 beherrscht die Mittelklasse, während die Mercedes E-Klasse in der Oberen Mittelklasse das Rennen machte. Die weiteren Erstplatzierungen sehen laut Dekra wie folgt aus: Sportwagen: BMW Z4, Geländewagen/SUV: Mercedes Benz GLK, Van: Mercedes-Benz B-Klasse, Kleintransporter: Skoda Roomster und Transporter: Renault Master. Das Segment der Kleintransporter ist nach Auskunft der Dekra in diesem Jahr neu hinzugekommen.

Das Fahrzeug, das über alle Fahrzeugklassen und alle drei Laufleistungsbereiche im Schnitt die beste Bilanz erzielt, erhält den Titel „Bester aller Klassen“. Hier gewinnt in diesem Jahr die Mercedes-Benz E-Klasse vor Audi Q5 und Audi A5. „In der Kategorie ‚Bester aller Klassen’ ist die Nutzungsperiode von Null bis 150.000 Kilometer die Basis der Wertung. Damit steht am Ende eine verlässliche Aussage über längere Laufleistungen“, sagte der Dekra-Chef. In der Kategorie „Fahrzeug des Jahres“ steht im Report 2014 die Mercedes-Benz B-Klasse an der Spitze, gefolgt von Volvo S60 / V60 und der Mercedes-Benz E-Klasse.

Mit dem Prüfreport will die Organisation Käufern von Gebrauchtwagen eine Entscheidungshilfe bieten. Dekra-Experte Friedhelm Schwicker empfiehlt außerdem, einen Richtpreis für Gebrauchte auf den Automärkten im Internet zu ermitteln: „Suchen Sie dort ihren Wunschwagen und ermitteln Sie den Durchschnittspreis im angezeigten Mittelfeld“, empfiehlt er. „Denn die günstigsten Treffer sind oft faule Lockangebote, und die teuersten Offerten stammen von Privatleuten, die glauben, für ihren alten Wagen noch den Neupreis wiederzubekommen.“

Nie auf Probefahrt verzichten

Gerade bei jüngeren Gebrauchtwagen sollten Kaufinteressenten auf ein lückenlos geführtes Serviceheft achten. „Am besten sind auch alle Werkstattrechnungen dabei“, betont Schwicker. Auf eine Probefahrt sollten Autokäufer nicht verzichten. „Vereinbaren Sie mit dem Verkäufer, mit ihm zu einer Werkstatt zu fahren und den Wagen dort durchsehen zu lassen – das kostet um die 100 Euro. Dann sind Sie auf der sicheren Seite“. lautet ein weiterer Tipp. Grundsätzlich rät Schwicker, einen Gebrauchten lieber beim Händler als aus privater Hand zu erstehen: „Denn ein Händler haftet mindestens ein Jahr lang für Mängel am Fahrzeug.“