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VW-Mitarbeiter in den USA lehnen Betriebsrat ab

Abstimmungsniederlage für Autogewerkschaft

Im US-Werk des Volkswagen-Konzerns in Chattanooga wird es weiterhin keinen Betriebsrat nach deutschem Vorbild geben. Die Belegschaft habe in geheimer Abstimmung gegen die Gründung eines Betriebsrates votiert, teilte das Unternehmen im Bundesstaat Tennessee mit. Der Standort verfügt damit weiter als einziges großes VW-Werk weltweit über kein Gremium zur betrieblichen Mitbestimmung. Für die US-Autogewerkschaft ist dies eine schmerzhafte Niederlage.

Insgesamt gaben bei der geheimen Abstimmung den Angaben zufolge 1338 Mitarbeiter ihre Stimme ab, das war eine Beteiligung von 89 Prozent. Gegen den Betriebsrat nach deutschem Vorbild votierten 712 Beschäftigte, dafür stimmten 626. „Die Belegschaft hat gesprochen, und Volkswagen wird die Entscheidung der Mehrheit respektieren“, sagte Werkschef Frank Fischer. Zugleich versprach er, die Belange und Rechte der Mitarbeiter zu achten – im Rahmen der US-Gesetze.

Unter dem Druck des VW-Gesamtbetriebsrats hatte der Wolfsburger Konzern im September Verhandlungen mit der US-Autogewerkschaft UAW über eine Mitbestimmung für die Arbeitnehmer in Chattanooga aufgenommen. Geplant war laut Volkswagen die Einrichtung eines Betriebsrats, der die Interessen der Angestellten bei „internen Angelegenheiten“ in dem Werk vertreten sollte. Arbeitszeit und Gehälter sollten zwischen dem Unternehmen und der UAW ausgehandelt werden. Außerdem hätte die Belegschaft des im Mai 2011 eröffneten Werks einen Sitz im Gesamtbetriebsrat erhalten sollen. Dies alles geschieht nun nicht.

Für die US-Autogewerkschaft UAW wäre das Modell nach deutschem Vorbild eine Premiere gewesen. Überhaupt ist die Abstimmungsniederlage für die Gewerkschaft sehr schmerzhaft: Hätten die VW-Arbeiter für das Mitbestimmungsmodell votiert, hätte dies wahrscheinlich eine Signalwirkung gehabt. Die UAW spielt derzeit nämlich nur in den traditionellen Hochburgen der US-Autoindustrie im Norden und Mittleren Westen eine Rolle. Tennessee hat dagegen wie andere konservative Bundesstaaten im Süden der USA die Macht von Gewerkschaften per Gesetz ausgehebelt.

Als sich VW und andere ausländische Autobauer in den USA ansiedelten, wählten sie wegen der niedrigeren Arbeitskosten allesamt Standorte in den Südstaaten. Auch die japanischen und südkoreanischen Autokonzerne, die sich in der Gegend niedergelassen haben, hätten bei einem Ja-Votum der VW-Gewerkschaft unter Druck geraten können, dem Beispiel von VW zu folgen.