Konjunktur

Wirtschaft wächst stärker als erwartet

Kauflaune treibt die deutsche Konjunktur wieder an. Verbraucher haben mehr Geld dank gestiegener Löhne

Es war der überraschende Schlussakt eines ansonsten ziemlich verkorksten Wachstumsjahres: Die deutsche Wirtschaftsleistung ist im vierten Quartal 2013 mit einem Plus von 0,4 Prozent stärker gestiegen als erwartet. Noch zu Jahresbeginn hatte das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung gerade einmal einen Viertelprozentpunkt Wachstum für die Monate Oktober bis Dezember in Aussicht gestellt. Dass es nun doch etwas mehr war als prognostiziert, dürfte daran liegen, dass sich zuletzt mit der Konjunkturbelebung in mehreren Euro-Ländern auch die in Deutschland so wichtige Exportindustrie wieder etwas erholen konnte.

An der Gesamtjahresbilanz für die deutsche Wirtschaft ändert sich allerdings wenig: Bereits im Januar hatte das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung ein Miniwachstum von 0,4 Prozent für 2014 errechnet. Kalenderbereinigt betrug das Wachstum im vergangenen Jahr 0,5 Prozent. Im Jahr 2012 war das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch um 0,7 Prozent gewachsen, 2011 betrug das Plus sogar 3,3 Prozent.

Zwar gaben die Statistiker in Wiesbaden noch keine Detailzahlen bekannt – diese folgen erst in der kommenden Woche. Nach Einschätzung von Ökonomen dürften es aber auch im Schlussquartal 2013 einmal mehr die Verbraucher gewesen sein, die die deutsche Wirtschaft voranbrachten. Denn in den vergangenen Monaten hat sich das bewährte deutsche Wachstumsmuster umgekehrt: Nicht die Exporterfolge der Unternehmen, sondern die Ausgabefreude von Verbrauchern und Staat erwiesen sich als die entscheidenden Wachstumstreiber. Gestützt wird diese Entwicklung nach wie vor von einem Arbeitsmarkt, der seit Jahren immer neue Rekorde bricht. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg 2013 erneut um 233.000 Personen und erreichte mit rund 41,8 Millionen Erwerbstätigen einen neuen Höchststand. Dabei heben nicht nur die guten Jobaussichten die Kauflaune der Verbraucher. Viele Arbeitnehmer profitieren zudem davon, dass sie mehr Geld in der Tasche haben. So stiegen die gezahlten Löhne und Gehälter im vergangenen Jahr um 3,1 Prozent.

Immerhin scheint sich nun aber auch die deutsche Industrie wieder zu fangen, nachdem die Unternehmen zuletzt ein eher verwirrendes Bild aus guten Stimmungsindikatoren und eher mäßigen bis enttäuschenden harten Fakten geliefert hatten: „In den kommenden Monaten sollte die deutsche Wirtschaft an Schwung gewinnen“, sagte ING-Diba-Chefökonom Carsten Brzeski.

Die Auftragsbücher vieler Unternehmen seien wieder gut gefüllt, die Bauindustrie profitiert nach wie vor vom milden Wetter, und Staat sowie Verbraucher zeigten sich weiterhin ausgabefreudig. „Deutschland bleibt damit das Bollwerk der Euro-Zone. Die heutigen Daten gehören zu jenen positiven Überraschungen, von denen die Euro-Zone in den vergangenen Monaten viel zu wenig gesehen hat. Hoffen wir, dass das nicht die letzte war.“ Zumindest die meisten Ökonomen und auch Bundesbank und Bundesregierung sind davon überzeugt. Die Bundesbank etwa sagt für 2014 einen Aufschwung voraus und rechnet mit einem Wachstum von 1,7 Prozent, das sich 2015 sogar auf zwei Prozent beschleunigen soll. Noch etwas zuversichtlicher ist die Bundesregierung. In ihrem zu Wochenbeginn vorgelegten Wirtschaftsbericht stellte sie für 2014 ein Wachstum von 1,8 Prozent und einen weiteren Beschäftigungsrekord sowie ein Ende der Investitionszurückhaltung bei den Unternehmen in Aussicht.