Investitionen

50 Millionen Euro für Hightech-Gründer

Die Berlin Technologie Holding plant neuen Fonds. Es wäre erst der zweite aus Berlin

Der Finanzinvestor Berlin Technologie Holding (BTH) will noch in diesem Jahr einen Fonds zur Finanzierung von Start-ups auflegen. Wie BTH-Gründer Joern-Carlos Kuntze sagte, soll der Fonds mindestens 50 Millionen Euro schwer werden. Geplant sei die Frühphasenfinanzierung vor allem von Unternehmen, die sich mit mobilen Technologien und Softwaredienstleistungen (SaaS) beschäftigen und die bereits auf eigenen Beinen stehen.

Die im vergangenen Jahr gegründete BTH wäre nach Point Nine Capital erst der zweite private Wachstumsfinanzierer aus Berlin. Point Nine hatte 2013 einen 40 Millionen Euro großen Fonds aufgelegt und investiert seitdem vorrangig in SaaS-Unternehmen. Größter Frühphasenfinanzierer in Berlin ist bislang der Staat. Über die Investitionsbank Berlin (IBB) hat das Land Berlin seit 1997 rund128 Millionen Euro ausgereicht.

Die neuen Wagnisfinanzierer schließen eine Lücke in der Finanzierung von schnell wachsenden Start-ups, die von Gründern immer wieder beklagt wird. Anschubfinanzierungen für erste Ideen gibt es auch in Berlin von zahlreichen Investoren oder der wachsenden Zahl von Acceleratoren. Die dabei investierten Summen sind in der Regel aber selten höher als 100.000 Euro. Die Anschlussfinanzierung ist dann aber umso schwerer. Point Nine investiert in der Regel in der ersten Phase bis zu 750.000 Euro. Auch die ersten BTH-Investments liegen in der Größenordnung.

Derzeit finanzieren Kuntze und sein Mitgründer Hans Kompernaß ihre Investments aus einem selbstfinanzierten Fonds in zweistelliger Millionen-Höhe. Im Januar hat BTH in den Berliner iBeacon-Spezialisten Sensorberg 750.000 Euro investiert, zuletzt wurde der Einstieg beim Project A-Startup Realytics bekannt. Sensorberg hat eine Sender-Plattform entwickelt, mit der Händler und Dienstleister die Smartphones ihrer Kunden erkennen und mit Aktionen oder Werbebotschaften bespielen können, die aber auch das bargeldlose Bezahlen ermöglichen soll. Realytics wiederum misst und analysiert Kundenströme und das Einkaufsverhalten im stationären Handel.

Die BTH-Gründer verstehen sich nicht als stille Kapitalgeber. „Wir sind aktive Investoren, wir investieren unternehmerisch, sind entschiedener und agieren wie ein Mit-Unternehmer“, sagte Kuntze. Beide wollen ihre Erfahrung beim Unternehmensaufbau weitergeben sowie ihr Netzwerk zu Konzernen, dem Handel und in der Finanzbranche für die unterstützten Unternehmen nutzen, so Kuntze.

Er gehörte zur Jahrtausendwende zum Kernteam des Startup-Inkubators Venturepark, der unter anderem von Bertelsmann, Daimler, Goldman Sachs und Pixelpark finanziert wurde. Nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes und dem Ende der Venturepark war Kuntze Managing Partner von OC&C Strategy Consultants im Nahen Osten sowie Senior Partner bei Oliver Wyman. Kompernaß gründete zuvor verschiedene Geschäftsbereiche der Kompernaß Holding, die unter anderem mit Consumer Electronic aus Fernost handelt.

Zu den Investoren des BTH-Fonds sollen erfolgreiche Internet-Unternehmer genauso gehören wie klassische Mittelständler oder deren Vermögensverwalter, die auf der Suche nach lukrativen Anlagemöglichkeiten die Startup-Finanzierung entdeckt haben. „Wir werden eine unternehmerisch geprägte Mischung von Investoren haben“, sagte Kuntze.

Kuntze will BTH zudem nicht auf die klassische Wagnisfinanzierung beschränken. Die Holding solle auch wie ein Finanzinvestor agieren, sagte er mit Blick auf die Konsolidierung in der Gründerszene. Im vergangenen Jahr finanzierte BTH bereits den Rückkauf von Sevenval durch den Gründer Jan Webering. Der hatte das Berliner Technologie-Unternehmen 2007 an den Online-Werbevermarkter Yoc verkauft, Mitte vergangenen Jahres für fünf Millionen Euro aber wieder zurückerworben. BTH war dabei der Hauptinvestor.