Automobilclub

ADAC soll sich runderneuern

Präsidium beschließt umfassende Reform des Automobilclubs. Doch den Kritikern reicht das nicht

Die Stiftung Warentest wird ihren alljährlichen Reifentest wiederholen, den die Berliner Verbraucherschützer zusammen mit dem ADAC durchgeführt haben. Die für März geplante Veröffentlichung der Testergebnisse wurde jetzt gestoppt. Zugleich stellen die Berliner die weitere Zusammenarbeit mit dem Automobilclub auf den Prüfstand. Damit reagiert die Stiftung auf die Manipulationsvorwürfe gegen den ADAC.

Derzeit gebe es keinen Hinweis darauf, dass bei einem der gemeinsamen Tests manipuliert worden sei. Der Hinweis auf angeblich extra für die Tests gefertigte Reifen wird von der Stiftung aber immerhin so ernst genommen, dass der Test der Sommerreifen 2014 in Teilen noch einmal wiederholt wird.

Angesichts der Manipulationen beim ADAC-Preis Gelber Engel mehren sich die Forderungen nach einem Rücktritt des gesamten Vereinspräsidiums. Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Martin Burkert (SPD), sagte im ARD-Morgenmagazin, der Verein brauche grundsätzlich neue Strukturen. „Das ist ehrenamtlich nicht mehr zu leisten.“ Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sagte, nötig sei auch ein Rücktritt von Geschäftsführer Karl Obermair: „Er kann nicht bleiben.“

Burkert sagte, der nun bekannt gewordene Umfang der Manipulationen mache eine Umstrukturierung nötig. Die vom ADAC beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte hatte am Montag bestätigt, dass nicht nur die Zahl der Stimmen bei der Wahl zum Lieblingsauto 2014, sondern auch die Rangfolge der Modelle manipuliert worden war.

Vereinspräsident Peter Meyer war am Montag zurückgetreten. Auch er hatte nach eigenen Angaben den Rücktritt des gesamten Präsidiums verlangt. Zuvor hatte sich der ADAC bereits von Kommunikationschef Michael Ramstetter getrennt, der Manipulationen zugegeben hatte. Nun setzen die externen Prüfer ihre Arbeit fort. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass auch in den Vorjahren getrickst wurde.

Der Automobilkonzern Volkswagen hat unterdessen den Verdacht der Einflussnahme durch die Automobilindustrie bei der Vergabe von Preisen wie dem „Gelben Engel“ zurückgewiesen. Der Generalverdacht stehe zwar im Raum, die Ergebnisse der externen Untersuchung beim ADAC wiesen jedoch darauf hin, dass die Manipulationen das Werk eines Einzelnen seien, sagte ein Sprecher des Wolfsburger Autobauers am Dienstag. „Da wurde versucht, einen Preis wichtiger zu machen als er ist.“

BMW versicherte, einen Zusammenhang von Inseraten in der ADAC-Mitgliederzeitung und möglichen Forderungen oder Vorteilen für Ramstetter habe es nicht geben. Auch Daimler betonte, keinen Einfluss genommen zu haben. „Aber natürlich ist der ADAC mit rund 19 Millionen Mitgliedern ein wichtiger Medienpartner für uns“, fügte eine Daimler-Sprecherin hinzu. Daimler, BMW und VW hatten nach der Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse durch Deloitte die Rückgabe aller „Gelben Engel“ angekündigt.

Nach Meinung des Autoexperten Dudenhöffer haben alle Autopreise durch die Schummelei des ADAC an Wert verloren. „Niemand nimmt diese Auszeichnungen mehr ernst“, sagte der Autoprofessor. Die Verlage dürften sich künftig schwer tun, Werbung dafür zu bekommen und Autobauer zu gewinnen, zu ihren Preisverleihungen zu kommen. „Die Preisverleihungen sind jetzt bloßgestellt und wertlos geworden.“

Das Fachmagazin „auto motor und sport“ hatte jüngst bei der Leserwahl für den Preis „Best Cars 2014“ einen Notar hinzugezogen, um jeden Verdacht von Manipulationen von vornherein auszuschließen.

Immer mehr Kritiker fordern nun einen radikalen Neuanfang auch bei den Strukturen des ADAC. Dabei geht es auch um die Frage, ob der ADAC weiterhin als Verein geführt werden kann. Bisher will der Autoclub daran nicht rütteln, sondern sich mit einem Zehn-Punkte-Plan reformieren.

Autoexperte Dudenhöffer sagte, es wäre konsequent, die Pannenhilfe als kommerzielle Dienstleistung zu führen. Er kritisierte weiter: „Es ist ein Geflecht, das nicht funktionieren kann, weil man auf der einen Seite Produkte verkauft, und auf der anderen Seite Produkttests macht.“ Er sprach sich auch für eine weibliche Nachfolge für Präsident Meyer aus. „Das wäre endlich mal ein Zeichen, dass sich diese Altherrengesellschaft modernisieren will.“

Der ADAC wird seit dem Rücktritt von Meyer kommissarisch vom 65-jährigen Vize-Präsidenten August Markl geführt. Ein neuer Präsident soll bei der Hauptversammlung im Mai gewählt werden. Im Präsidium des ADAC sitzen nach dem Rücktritt von Präsident Meyer sieben Vizepräsidenten – alles Männer. Jeder ist zuständig für einen Bereich, Verkehr etwa, Technik oder Sport. Unter ihnen ist auch der Generalsyndikus, ein Rechtsanwalt, der den Verein berät. Das Präsidium wird alle vier Jahre von der Hauptversammlung gewählt.

„Unterstützt“ wird das Präsidium vom Verwaltungsrat, in dem derzeit 25 Männer sitzen: die 18 Präsidenten der ADAC-Regionalclubs – von Schleswig-Holstein über Weser-Ems bis Nordbayern – oder deren Stellvertreter und auch die sieben Mitglieder des Präsidiums. Das Präsidium hat gestern weitere Schritte für eine umfassende Reform des Autoclubs eingeleitet. Die 18 hauptamtlichen Geschäftsführer der ADAC-Regionalclubs verständigten sich am Dienstag auf die Bildung diverser Arbeitsgruppen. Diese sollen den bereits beschlossenen 10-Punkte-Reformplan konkretisieren, wie der ADAC in München mitteilte.