Konjunkturklimaindex

Interesse an Länderfusion schwindet

Unternehmen in Berlin und Brandenburg sehen ein Land zunehmend skeptisch. Kritik an Clusterpolitik

Die Unternehmen in Berlin und Brandenburg interessieren sich immer weniger für eine Fusion der beiden Bundesländer. Die Forderung, die Kammern und Wirtschaftsverbände beider Länder seit Jahren erheben, hat für sie offenbar nur noch eine schwindende Relevanz. Dabei sind viele Unternehmen sehr regional orientiert. 43 Prozent der 1500 Firmen, die sich an der jüngsten, gemeinsamen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern Berlin, Potsdam, Cottbus und Frankfurt/Oder beteiligten, bezeichnen den regionalen Markt als wichtig für sie.

Einen zügigen Zusammenschluss beider Länder befürworten nur noch 42 Prozent der Unternehmen. Im Vorjahr waren es noch 49 Prozent, 2012 sprachen sich mit 53 Prozent noch eine absolute Mehrheit für eine schnelle Fusion aus. Während in Berlin das Lager derjenigen, die mit „weiß nicht“ geantwortet haben, mit 42 Prozent relativ groß und kaum jemand explizit dagegen ist, gibt es in der Brandenburger Unternehmerschaft mit einem Drittel eine bedeutsame Gegnerschaft zu einem gemeinsamen Land. Das nachlassende Interesse der Firmen führte der kommissarische Hauptgeschäftsführer der IHK Potsdam, Manfred Wäsche, auf den „fehlenden Gestaltungswillen der Berlin-Brandenburger Politik“ zurück.

Die gleiche Umfrage brachte aber auch Mängel dort zu Tage, wo sich die Politik explizit engagiert: nämlich bei den fünf Schwerpunkten, den so genannten Clustern, die Berlin und Brandenburg gemeinsam als Zukunftsbranchen definiert haben. Das sind Gesundheitswirtschaft, Energietechnik, der Bereich Verkehr, Mobilität und Logistik, die Informationstechnologien, Medien und Kreativwirtschaft sowie die Optik einschließlich der Mikrosystemtechnik. Für die Region insgesamt ergibt sich, dass nur ein knappes Drittel der Unternehmen diese Innovationsstrategie überhaupt kennt. Aus Sicht derer, die von der Clusterpolitik wissen und sich in eine dieser Branchen einordnen, sind die Effekte bescheiden. 84 Prozent sagten, sie hätten bisher nicht davon profitiert.

Wobei die Feindaten eher auf ein Brandenburger Problem schließen lassen. Für die Hauptstadt rechnete sich jedes sechste Unternehmen einem der Cluster zu, wobei diese Firmen fast alle aus der Gesundheitswirtschaft, der Mobilität und Logistik beziehungsweise der IKT-, Medien- und Kreativwirtschaft kommen. Von den Cluster-Firmen aus Berlin geben immerhin etwas mehr als die Hälfte an, von der Zusammenarbeit schon profitiert zu haben. Das sei nicht so schlecht, aber verbesserungsfähig, hieß es aus der IHK. Sich in einem Cluster zu engagieren, ermögliche leichtere Kooperation mit anderen Unternehmen, vereinfache die Suche nach Fachkräften und Partnern aus der Wissenschaft, außerdem komme man leichter an öffentliche Finanzierungsquellen.