Abschied

Berlin war für Edial Dekker nur ein Zwischenstopp

Der Gründer der Eventplattform Gidsy war das Gesicht von Hipster-Berlin. Nach dem Aus hat er ein neues Ziel

In der Nacht vor dem Interview war Edial Dekker in der Stadt unterwegs. Jemand hatte eine Radtour durch Wedding organisiert. Und er war mitgefahren, hatte Neues entdeckt im Ortsteil, der nach Friedrichshain und Kreuzkölln wohl der nächste Szenebezirk der Berliner Hipster-Generation werden wird. „Da gab es so interessante Plätze, die ich noch nie gesehen hatte“, sagt er. Events dieser Art hat er jahrelang auf seiner damals angesagten Internetplattform angeboten, organisiert – und an ihnen teilgenommen. Damals – das war 2011. Die Berliner Start-up-Szene war jung und galt unter Hollywood-Größen wie Ashton Kutscher als „the next big thing“. Er investierte in Gidsy. Und die Welt horchte auf. „Ich glaube, ich war der beste Kunde von Gidsy“, sagt er. Doch anscheinend gab es nicht genug, die genauso dachten wie er – Anbieter und Nutzer. So funktioniert die Start-up-Szene, in der es keine Schande ist, hinzufallen, wohl aber, liegen zu bleiben.

Dekker bleibt Entdecker. Und deshalb geht er jetzt – nach einem Zwischenstopp beim Start-up GetYourGuide – in die USA. Eventbrite ist sein Ziel, ein Start-up, auf dessen Internetplattform Tickets für Veranstaltungen angeboten werden. Eventbrite wächst schnell, hat seit der Gründung 2007 mehr als zwei Milliarden Dollar Umsatz gemacht und braucht Leute wie ihn.

Die Gründer kennt er schon seit den Anfängen von Gidsy. Sie sind und waren seine Vorbilder. „Gidsy war gerade zwei Monate alt, als ich Julia und Kevin Hartz, die Gründer von Eventbrite, kennenlernte. Wir haben geschaut, was wir von ihnen lernen können.“ Es sei schnell klar geworden, dass beide ähnliche Ziele hätten. Zu seinem neuen Job hält sich Dekker bedeckt: „Ich weiß nicht viel über ihr Geschäft. Es ist aber eine sehr spannende Sache. Ich werde da in der Produktentwicklung arbeiten, wie ich das auch schon bei Gidsy und GetYourGuide gemacht habe.“ In so vielerlei Hinsicht seien Eventbrite und Gidsy ähnlich.

Doch ist es ein Problem, nicht mehr Unternehmer zu sein? „Ich glaube nicht“, sagt Dekker, der mit zwei Freunden und seinem Bruder Floris vor fünf Jahren von Amsterdam zum Gründen nach Berlin kam. Denn der Unterschied sei gar nicht so groß. „Ich denke sehr unternehmerisch und Eventbrite tut das auch.“ Seit 2011 hätten sich in der Berliner Start-up-Szene viele Dinge verändert. „Sie ist erwachsen geworden. Es gibt neue Akteure und viele alte sind größer geworden. Mehr erfahrene Leute arbeiten in der Stadt.“

Und noch etwas: „Der Hype ist weg. Und das ist wirklich gut“, sagt Dekker, die einstige Gallionsfigur der Hipsterszene. „Denn es gibt allen die Möglichkeit, sich zu konzentrieren.“ Heute weiß er, wie wichtig das ist. „Keiner wusste, wie Verträge aussehen und wie Verhandlungen mit den Anwälten laufen.“ Das mag auch einer der Gründe gewesen sein, warum es mit Gidsy nicht rund lief. Doch Dekker ist ein Stehaufmännchen.