Gründerzeit

Gute Sachen für eine gute Sache

Jürgen Stüber über die Berliner Social-Commerce-Plattform Fraisr

Etwas Schönes kaufen, und dabei Gutes tun. Diese Möglichkeit bietet Fraisr, ein Online-Marktplatz mit sozialem Anspruch aus Berlin. „Wir möchten Spenden und Konsum miteinander verknüpfen”, sagt Fraisr-Mitgründer Lukas-Christian Fischer. „Gute Sachen für eine gute Sache“ – Mit diesen Worten umschreibt er das Konzept seiner Plattform.

Das Start-up hat einen Online-Marktplatz erfunden, auf dem zu Gunsten von gemeinnützigen Organisationen gehandelt wird. Händler spenden einen festgelegten Teil des Preises – mindestens fünf Prozent. Kunden sehen im Onlineshop die Höhe des Spendenanteils und können so gezielt Produkte auswählen, mit denen sie eine karitative Organisation ihrer Wahl unterstützen wollen. Das von Lukas-Christian Fischer, Alex Schwaderer und Oskar Volkland gegründete Portal ist seit Oktober 2012 online und hat nach eigenen Angaben bisher knapp 500 gewerbliche Verkäufer und mehr als 4000 private Nutzer. Insgesamt wurden durch den Online-Marktplatz und das Spenden-Plugin, welches in Online-Shops integriert werden kann, schon 10.000 Euro an gemeinnützige Organisationen gespendet.

Um weiter wachsen zu können, will die Social-Commerce-Plattform Fraisr jetzt auf der Crowdfundingplattform Seedmatch 150.000 Euro einsammeln. Zwei Tage vor dem Ende der Kampagne waren bereits mehr als 62.000 Euro eingezahlt. Seedmatch verlängert die Investmentphase um 60 Tage. Gute Chancen also für das Start-up, sein Ziel noch zu erreichen.

Onlinehändler profitieren von dem Charity-Angebot. Der Berliner Fairtrade-Kaffeehändler Moema spendet mit Hilfe von Fraisr an das Sozialprojekt Arche. Die ausgewählten Produkte des Onlineshops tragen das Spendenlogo. Die Möglichkeit zu spenden werte die Waren des eigenen Shops auf, sagte ein Sprecher des Unternehmens in einem Video. „Kunden finden das gut“, heißt es auch beim Berliner Brillenhändler Mercy Would, der Wohltätigkeitsverkäufe mit Fraisr anbietet. „Wir bekommen extrem viel Reichweite und Kunden-Feedback“, sagt der Geschäftsführer. Zu den Empfängern der Spenden zählen Amnesty International, das Deutsche Rote Kreuz, die Caritas, Die Arche, der Bundesverband Deutsche Tafel, Care, die Deutsche Knochenmarkspender Datei (DKMS) und Reporter ohne Grenzen. Die bisher größte Spende lag bei 1146 Euro und wurde durch den Verkauf eines VW Käfer Cabrios erzielt.

Seit einigen Monaten bietet Fraisr auch gemeinnützigen Vereinen und Projekten die Möglichkeit, Spenden zu sammeln – sei es für Trikots eines Sportvereins für die Jugendmannschaft oder für die Sandkiste einer Kita. Mehr als 80 Vereine haben sich bereits auf der Plattform angemeldet, wie Lukas-Christian Fischer sagt. Nach einer Prüfung wird der Verein gelistet, und Unterstützer können zu dessen Gunsten kaufen und verkaufen.

Fraisr ist auch ein karitativer Online-Flohmarkt. Privatleute können gebrauchte Dinge verkaufen und Teile des Erlöses einer Organisation ihrer Wahl spenden.

Für die Organisation der Spendenprozesse und das Bereitstellen des Marktplatzes behält Fraisr eine Verkaufsprovision von sechs Prozent. Für die Integration des Programms in Onlineshops fallen Gebühren von vier Prozent des Umsatzes an.