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Der ADAC frisiert seine Mitgliederzahl

Hunderttausende zahlen gar keinen Vereinsbeitrag

Beim ADAC lohnt sich auf allen Ebenen der Detailblick hinter die Zahlen: So stecken im jüngst veröffentlichten Bestand von 18,94 Millionen Mitgliedern Ende 2013 keineswegs nur Beitragszahler. Wie der größte deutsche Verein auf Anfrage einräumt, sind in der Gesamtsumme auch 389.000 beitragsfreie ordentliche Mitglieder enthalten. Dabei handelt es sich um junge Menschen, die im ersten Jahr nach dem Wechsel von der beitragsfreien Jugendmitgliedschaft in eine ordentliche Mitgliedschaft noch keinen Beitrag zahlen müssen. Dennoch werden sie in die offizielle Vereinsstatistik eingerechnet.

Hinter den Eckzahlen zum Jahr 2013 stecken ohnehin größere Bewegungen, als dies zunächst erkennbar ist. So teilte der Verein den Zugang von 1,195 Millionen neuen Mitgliedern mit und sprach von rund 490.000 Kündigungen. Unter dem Strich sei der Mitgliederbestand per saldo um 528.000 gestiegen.

Die Kündigungen sind nur ein Baustein der gesamten Abgänge. Daneben gab es noch Todesfälle und das Ende der Mitgliedschaft, weil Beiträge nicht mehr gezahlt wurden. Insgesamt summierten sich die Abgänge 2013 damit auf 875.000 Mitglieder, heißt es auf Anfrage. Aber auch die Zahl der Zugänge ist höher als zunächst genannt. 2013 wechselten etwa 208.000 Personen von der beitragsfreien Jugendmitgliedschaft in die ordentliche Mitgliedschaft. Damit gab es tatsächlich 1,40 Millionen neue Mitglieder.

Andere Klubs viel kleiner

Mit seinen knapp 19 Millionen Mitgliedern stellt der ADAC die anderen Automobilklubs in Deutschland weit in den Schatten. Der AVD, die Nummer zwei im Markt, hat beispielsweise nur 1,4 Millionen „Mitglieder und Kunden“ und schlüsselt die Zahlen nicht weiter auf.

Damit der Münchner Verein ADAC den bislang gewaltigen Zulauf erreicht, fängt er früh an, seinen Namen und seine Dienste bekannt zu machen. Dies beginnt schon mit der Kinder-Sicherheitsweste für Schulanfänger oder dem Verkehrsunterricht in Schulen. Die nach unten altersmäßig nicht eingeschränkte, freiwillige, beitragsfreie Jugendmitgliedschaft ist mit einem Vorteilsprogramm gekoppelt und bietet auch Pannenhilfe, etwa für ein motorisiertes Zweirad. Doch mit dem 18. Geburtstag wird automatisch der Wechsel in die ordentliche Mitgliedschaft angeboten.

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, der ADAC habe der Wahl zum „Lieblingsauto der Deutschen“ nicht nur die Stimmenzahl, sondern auch die Platzierung manipuliert. Das ergebe sich aus internen Unterlagen des Vereins. ADAC-Sprecher Christian Garrels sagte, er könne das nicht bestätigen. Der Club verwies auf die Untersuchungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. Die hatte angekündigt, am Montag oder Dienstag erste Erkenntnisse zu veröffentlichen. Dem Bericht zufolge landete bei der Publikumsabstimmung 2014 kein 5er-BMW unter den ersten fünf Gewinnern. Das Modell kam auf Platz sieben. In der offiziellen Pressemittlung des ADAC sei dieser BMW dann aber auf Platz fünf zu finden gewesen.