Fachkräftemangel

Jeder dritte Berliner Mittelständler will Jobs schaffen

Die Wirtschaft in der Hauptstadt wächst. Sorge bereitet der Mangel an Fachkräften

Der Aufschwung hat den Berliner Mittelstand erreicht. Jedes zweite Unternehmen in der Hauptstadt rechnet für das laufende Jahre mit steigenden Umsätzen. Gerade mal acht Prozent erwarten einen Rückgang der Geschäfte. Das ist das Ergebnis des aktuellen Mittelstandsbarometers von Ernst & Young, an dem 3000 mittelständischer Betriebe in ganz Deutschland teilgenommen haben, 98 davon aus Berlin.

Für Jobsuchende ist das eine gute Nachricht. Denn angesichts der soliden Geschäftslage in der Hauptstadt will jeder dritte Mittelständler Mitarbeiter einstellen. Nur sechs Prozent wollen Stellen streichen oder nicht besetzen. „Nach einem sehr guten Jahr 2013 sind die meisten mittelständischen Unternehmen in Berlin gut aufgestellt, solide finanziert und optimistisch gestimmt“, sagte Ulrich Plett, Leiter der Berliner Niederlassung von Ernst & Young.

Das Ergebnis deckt sich mit der Konjunkturprognose des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Das Bruttoinlandsprodukt dürfte sich voraussichtlich um 2,0 Prozent erhöhen, in Berlin sogar um 2,2 Prozent. Bei den Exporten wird ein Plus von 4,5 Prozent erwartet. Im abgelaufenen Jahr stieg das BIP lediglich um 0,4 Prozent, die Ausfuhren verbesserten sich um gerade mal 0,6 Prozent.

Für das Mittelstandsbarometer wurden die Betriebe auch nach ihren Plänen für die Zukunft des Unternehmens befragt. Berlin schneidet dabei deutlich besser ab als der Rest Deutschlands. Die Hälfte der befragten Firmen will ihr Geschäft ausbauen und setzt auf Wachstum. Bundesweit sind es nur 42 Prozent. Auch im Vergleich zum Vorjahr hat sich Berlin in dem Punkt verbessert. Anfang 2013 plante gerade mal ein Drittel der Berliner Unternehmen eine Ausweitung der Geschäftstätigkeit.

Ein Hindernis ist dabei der Fachkräftemangel. Schon jetzt haben viele Firmen Schwierigkeiten, geeignete Mitarbeiter für ihren Betrieb zu finden. Laut der Studie entgeht den deutschen Mittelständlern wegen fehlender Fachkräfte in Deutschland ein Umsatz in Höhe von 31 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte der 3000 befragten Unternehmen verzeichnen Einbußen, weil qualifiziertes Personal fehlt. Angesichts der positiven Konjunkturaussichten könnte sich das Problem in diesem Jahr noch verschärfen, so die Experten. Die Firmen drohten Wachstumschancen zu verpassen, weil sie Aufträge ablehnen müssten.

Berlin ist dabei keine Ausnahme. Zwei Drittel der Firmen haben hier Schwierigkeiten, Stellen mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. Zwar scheint sich der Fachkräftemangel laut der Untersuchung in der Hauptstadt bislang weniger gravieren auf das Geschäft auszuwirken als im Rest von Deutschland. Während in Berlin 38 Prozent der Mittelständler aus dem Grund Umsatzeinbußen erleiden, sind es deutschlandweit 53 Prozent und damit deutlich mehr.

Ulrich Plett führt dies vor allem auf die nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit in der Region und das große Einzugsgebiet zurück. Daher komme es bei Berliner Firmen etwas seltener zu Engpässen bei der Anwerbung neuer Mitarbeiter. Außerdem sorge die hohe Attraktivität des Standorts dafür, dass es Berliner Unternehmen leichter haben, „potentielle Mitarbeiter aus anderen Teilen Deutschlands oder gar dem Ausland in die Bundeshauptstadt zu locken“.