Projekt

Das Internet wird neu verkabelt

Facebook ermöglicht neue Geschäfte: Pipe aus Berlin verschickt riesige Datenpakete

Wenn Facebook-Freunde sich gegenseitig Fotos senden wollen, ein Video oder ein anderes großes Dokument bis zu einem Gigabyte, dann bietet sich dafür künftig die neue Pipe-App an: Einfach das Dokument per Drag&Drop einem Ordner auf dem Rechner entnehmen, und rein in die Pipe. Diese Pipe kann man sich – wie der Begriff nahelegt – als eine Röhre vorstellen, die auf direktem Weg Sender und Empfänger verbindet. An ihrem Ende kommt die Datei wieder heraus, um im Bild zu bleiben. Die für den Transfer benötigte Zeit hängt allein von den Up- beziehungsweise Downloadgeschwindigkeiten der beteiligten Internet-Anschlüsse ab.

Simon Hossell und seine beiden Mitgründer Philip Eggersgluess und Marco Rydmann arbeiten seit 2011 an dem Projekt. Sie hatten sich das Ziel gesetzt, den Datentransfer möglichst einfach zu machen. Dokumente per Google Drive oder Dropbox zu teilen ist immer noch komplizierter als die simple Ein-Klick-Mechanik von Pipe. Wie hunderte andere Unternehmen weltweit nutzen sie Facebooks Infrastruktur.

Wer eine Datei senden will, installiert die Pipe-App in der Facebook-Anwendung. Voraussetzung ist allerdings, dass Facebook mit dem Chrome-Browser geöffnet wurde. Noch in diesem Monat soll es auch mit dem Firefox-Browser von Mozilla funktionieren. In Pipe wählt man den Namen des Adressaten aus der Freundesliste aus. Dieser wird per Facebook benachrichtigt. Wenn er selbst eine Datei senden will, muss auch er die App installieren.

Sollte ein Adressat während eines Datentransfers einmal nicht angemeldet sein, so besteht die Möglichkeit, die Datei auf einem Server von Pipe zwischenzuspeichern. Dann darf sie allerdings bislang nur 250 Megabyte groß sein. Drei Tage lang wird das Paket aufbewahrt. An dieser Möglichkeit setzt auch das Geschäftsmodell des Unternehmens an. Simon Hossell kann sich Premium-Services für größere Pakete und längere Aufbewahrungszeiten gegen Aufpreis vorstellen. Doch zunächst geht es den Gründern darum, eine hohe Zahl zufriedener Nutzer zu generieren, die immer wieder auf die Möglichkeiten von Pipe zurückgreifen.

Die Erfinder von Pipe legen hohen Wert auf den Datenschutz. Die Datenübertragung erfolgt – sofern Sender und Empfänger auf Facebook angemeldet sind – von Rechner zu Rechner. Ein Server ist nicht zwischengeschaltet. Auch wenn der Transfer von Facebook-Profil zu Facebook-Profil erfolgt, das soziale Netzwerk sieht von den übermittelten Daten nichts, wie Simon Hossell betont.

Pipe nutzt als einer der ersten eine neue Übertragungstechnik in Echtzeit für den Chrome-Browser von Google. Mit dieser Technologie lassen sich auch Applikationen für Videokonferenzen und Sprachtelefonie entwickeln. „Es ist eine bahnbrechende Technologie, die bildlich gesprochen das Internet neu verkabelt. Sie ermöglicht es uns direkt miteinander über den Browser Peer-to-Peer zu kommunizieren, anstatt die Daten über den Server eines Drittanbieters umzuleiten”, beschreibt Hossell das neue Protokoll.

Er stellt sich Apps vor, mit denen Daten ohne Browserunterstützung zwischen Smartphones oder Tablets transferiert werden können. Hossell, der seinen Service Pipe am Montag gleichzeitig in Berlin, New York und San Francisco startet, ist sicher, dass er ein Projekt mit Wachstumspotenzial erfunden hat. Dessen Wurzeln sind in Berlin, wo die Idee entstanden ist.