Steuerserie 2014

Wie Kosten für Handwerker die Steuerlast verringern

Auch Ausgaben für Au-Pair, Tagesmutter und Gartenarbeit lassen sich teilweise absetzen

Wer einen Gärtner, ein Au-Pair-Mädchen oder eine Tagesmutter in seinem Haushalt beschäftigt, kann das Finanzamt an den Kosten beteiligen. Wie hoch der Betrag ist, den Steuerzahler verrechnen können, hängt maßgeblich davon ab, in welcher Form die Hilfe bei ihnen beschäftigt ist. Die Finanzbeamten unterscheiden im Wesentlichen drei Kategorien.

Minijob Ist der Arbeitslohn nicht höher als 450 Euro im Monat, sprechen Experten von einer geringfügigen Beschäftigung. Private Haushalte können Hilfen in dieser Form beschäftigen. „Dazu müssen Bürger das Haushaltsscheckverfahren nutzen und Pauschalbeiträge an die Minijobzentrale abführen“, sagt Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. Die Pauschalen fallen für die gesetzliche Rentenversicherung, eventuell Krankenversicherung und Steuern an.

Wer seine Hilfe bei der Minijobzentrale gemeldet hat, kann 20 Prozent der Kosten bis 2550 Euro, also maximal 510 Euro steuerlich geltend machen. Den Betrag ziehen die Beamten direkt von der Steuerschuld ab. Bedingung ist jedoch, dass die Arbeiten im Haushalt des Auftraggebers durchgeführt werden. Dabei spielt keine Rolle, ob dieser sich in Deutschland, der EU oder in einem EWR-Mitgliedstaat – also Norwegen, Island oder Liechtenstein – befindet. „Von Ihrer Haushaltshilfe müssen Sie sich unbedingt schriftlich bestätigen lassen, ob und wie viele andere Jobs sie noch ausübt“, rät Peter Kauth von Steuerrat24.de. Denn wenn die Hilfe im Monat insgesamt mehr als 450 Euro verdient, sind Sie als Arbeitgeber verpflichtet, Sozialversicherungsbeiträge zahlen.

Haushaltnahe Dienstleistungen In die Kategorie haushaltsnahe Dienstleistungen fallen Hilfen, die selbstständig tätig sind genauso wie sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. In beiden Fällen nicken die Beamten 20 Prozent der Kosten bis zu 20.000 Euro, also maximal 4000 Euro ab. Den Betrag zieht das Finanzamt direkt von der Steuerschuld ab.

In die Rubrik haushaltsnahe Dienstleistungen fallen eine ganze Reihe an Tätigkeiten, etwa Gartenpflege, Fensterreinigung oder das Blumengießen in der Urlaubszeit. Auch die Ausgaben für eine Tagesmutter, ambulante Krankenpflegedienste, Umzugsspeditionen oder ein Au-Pair nicken die Finanzbeamten als haushaltsnahe Dienstleistung ab. Sogar die Ausgaben für die Betreuung von Hunden oder anderen Haustieren akzeptieren die Finanzämter als haushaltsnahe Dienstleistungen.

„Wichtig ist, dass die Tätigkeiten im Haus oder auf dem Grundstück des Auftraggebers stattfinden“, sagt Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfe. Ein Beispiel: Wer sein Kind im Haus der Tagesmutter betreuen lässt, kann die Ausgaben nicht als haushaltsnahe Dienstleistungen verrechnen. Kommt die Betreuerin ins eigene Haus, ist dies möglich.

Privates und öffentliches Gelände Unstimmigkeiten zwischen Steuerzahlern und Finanzämtern gab es in den vergangenen Jahren oft, wenn die Arbeiten sowohl auf dem Grundstück als auch auf öffentlichem Gelände wie beispielsweise dem Gehsteig durchgeführt wurden. Nach Auffassung der Finanzverwaltung können Steuerzahler in diesen Fällen lediglich die anteiligen Ausgaben steuerlich geltend machen – nämlich genau den Anteil der Kosten, der auf das Privatgrundstücks fällt (BMF-Schreiben vom 10.01.2014).

Das Finanzgericht Berlin-Brandenburg sieht diesen Sachverhalt etwas anders und urteilte, dass die Ausgaben für den Winterdienst – also auch das Räumen des Gehwegs – sehr wohl als haushaltsnahe Dienstleistungen verrechnet werden können. Steuerzahler sollten daher die Kosten als haushaltsnahe Dienstleistung abrechnen und unter Hinweis auf das anhängige Verfahren vor dem Bundesfinanzhof Einspruch gegen ihren Steuerbescheid einlegen (VI R 55/12).

Der Fiskus beteiligt sich jedoch lediglich an den Arbeitskosten. Materialkosten müssen Steuerzahler alleine schultern. „Achten Sie darauf, dass in der Rechnung Material- und Arbeitskosten getrennt ausgewiesen werden“, rät Peter Kauth von Steuerrat24.de.

Handwerkerkosten Steuerzahler können neben den Ausgaben für haushaltsnahe Dienstleistungen auch Handwerkerkosten abrechnen – sofern diese in der selbst genutzten Wohnung durchgeführt werden. In diesem Fall akzeptieren die Finanzämter 20 Prozent der Kosten von bis zu 6000 Euro, also maximal 1200 Euro. Dabei beteiligt sich der Staat an Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten am Eigenheim und auf dem eigenen Grundstück. Das sind beispielsweise Schönheitsreparaturen wie Tapezieren oder Streichen von Innenwänden, Modernisierung des Badezimmers, Austausch der Einbauküche, Reinigung der Dachrinne oder Beseitigen von Graffiti. 2013 können Steuerzahler auch noch die Rechnung vom Schornsteinfeger als Handwerkerleistungen steuerlich geltend machen.

Reparatur von Haushaltsgeräten Die Finanzbeamten akzeptieren auch die Kosten für die Reparatur von Gegenständen im Haushalt des Steuerzahlers. Wird der Fernseher oder die Waschmaschine im Eigenheim repariert, können Steuerzahler die Kosten als Handwerkerleistung steuerlich geltend machen. Keinen Cent können sie hingegen verrechnen, wenn sie die Geräte im Geschäft reparieren lassen.

Gartenarbeit Bei Arbeiten im Garten unterscheiden die Finanzämter akribisch zwischen solchen Tätigkeiten, die als haushaltsnahe Dienstleistungen einzustufen sind und solchen, die Handwerkerleistungen sind.

Haushaltsnahe Dienstleistungen sind leichte Gartenpflegearbeiten wie beispielsweise Rasenmähen, Unkrautjäten oder Heckenschneiden. Von diesen Tätigkeiten können Steuerzahler 20 Prozent der Kosten, maximal 4000 Euro verrechnen.

Pflasterarbeiten, die Gestaltung eines Gartens oder Erd- und Pflanzarbeiten sind hingegen nach Auffassung der Finanzämter Handerkerleistungen. Von diesen nicken die Beamten jedoch lediglich 20 Prozent der Kosten - maximal 1200 Euro ab.

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